Ansgar Brinkmann über die Krise von Bielefeld

»Eine glatte Sechs«

Ansgar Brinkmann über die Krise von Bielefeld

Ansgar Brinkmann, Ihr Ex-Verein Arminia Bielefeld hat mit Ewald Lienen einen neuen Trainer. Ist das die Lösung?

Das ist eine gute Frage. Wenn man die Spiele von Arminia Bielefeld betrachtet, muss man ehrlich sagen, dass die Partien zurecht verloren wurden. Düsseldorf oder Karlsruhe haben auch Spiele verloren, es war bei den Teams aber Qualität zu erkennen. Wenn man sich die Personalpolitik von Arminia anschaut, muss man sagen: Das ist eine glatte Sechs.

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Was fehlt der Mannschaft?

Qualität. Man darf sich nichts vor machen. Jetzt muss sich das Team in die Winterpause retten und darauf hoffen, dass die Verletzten schnell wieder zurück kommen. Ein Rüdiger Kauf oder Benjamin Lense haben ihr Können bewiesen. Das wird aber nicht reichen. Es müssen neue Spieler kommen. Was dort als Team zusammen gestellt wurde, hat nicht den Hauch einer Chance, die Klasse zu halten.

Sie haben selber mit Frankfurt, Bielefeld und Münster im Abstiegskampf gespielt. Wie kann Bielefeld die unteren Ränge verlassen?

Es gibt grundlegende Dinge im Abstiegskampf, die zu beachten sind. Zum einen darfst du nicht andauernd das System ändern. Du musst der Mannschaft klare Vorgaben geben, an der sie sich festhalten kann. Dinge wie Pressing, Doppeln oder das richtige Konterspiel sind entscheidend. Zum anderen musst du Gras fressen. Aber aller Kampf hilft dir nicht, wenn die Qualität der Mannschaft fehlt.

Bielefeld hat große finanzielle Probleme. Wie soll man neue Spieler verpflichten?

Das geht nur über die Sponsoren. Wenn Schüco und andere die Arminia jetzt nicht hängen lassen und noch einmal investieren, kann der Verein die Klasse halten. Was passiert sonst? Dann ist der Kuchen gegessen. Wenn der Verein durch die Sponsoren gerettet wird und sich in der Liga halten kann, besteht die Chance, langfristig wieder etwas aufzubauen. In der 2. Liga kannst du durch die Fernsehgelder deine finanzielle Situation verbessern. Man muss aber ehrlich sagen, dass die Karre schon sehr tief in den Dreck gefahren wurde.

Welche Fehler wurden gemacht?

Wenn man einen Trainer holt und den von Vereinsseite einfach machen lässt, ist das der erste Fehler.

Was meinen Sie?

Ein Verein muss doch eine eigene Philosophie haben. Mainz ist ein gutes Beispiel. Es wird vom Verein die Maxime ausgegeben, dass man zu Hause Pressing spielt. Beim FSV würde kein Trainer arbeiten, der nicht so denkt.

Arminia Bielefeld hat also keine klare Leitlinie?

Der Verein braucht sportliche Kompetenz. Aus diesem Wissen müssen Spieler und Trainer verpflichtet werden. Gucken Sie sich das Beispiel Osnabrück an. Dort wurde Frank Pagelsdorf geholt (Saison 2003/04, Anm. d. Red.), der verpflichtete 15 neue Spieler. Der Verein stieg ab und stand vor einem Scherbenhaufen. Und der Trainer? Ging nach Dubai. Herzlichen Glückwunsch.

Also fehlt der Vereinsführung das nötige Fachwissen?

Natürlich. Vor der Saison haben Schüco und andere Sponsoren mit ihrem Geld den Verein gerettet. Sonst würde es die Arminia in dieser Form gar nicht mehr geben. Der Verein muss seine finanziellen Möglichkeiten auch richtig und sinnvoll einsetzen. Das Geld darf nicht verbrannt werden.

Es muss sich also nicht auf der Trainerbank etwas ändern, sondern in der Chefetage.

Im Vorstand und im Aufsichtsrat müssen dringend sportliche Fachleute sitzen.

Sie haben sich durch Ihre B und A-Lizenz Fachwissen als Trainer angelernt. Wann wird man Sie an der Linie sehen?

Ich habe das ja nicht aus Jux und Dollerei gemacht. Es reizt mich, eine Mannschaft zu lenken und zu leiten. Ich habe das nötige Potential, was man als Trainer braucht.

Was würden Sie Ewald Lienen raten?

Was soll ich ihm raten? Ewald Lienen hat unglaubliche Erfahrungswerte als Trainer und Spieler. Der Mann wird wissen, was zu tun ist. Franz Beckenbauer könnte ihm einen Ratschlag geben. Aber ich kann von Ewald Lienen nur lernen. Ich habe ihn als Spieler geliebt. Wäre ich so viel gelaufen, wie er damals, hätte ich in der 60. Minute Krämpfe gehabt.

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