Andy Herzog über Österreich

»Wir zerstören die Euphorie«

Andy Herzog ist neuer Coach der österreichischen U16. Ist das nun eine Beförderung oder eine Degradierung? Wir sprachen mit ihm über seine Karrierplanung, die Zeit nach der EM und die Krise seinen Ex-Klubs Werder Bremen. Andy Herzog über ÖsterreichImago

Herr Herzog, seit Januar sind Sie nicht mehr nur Co-Trainer der Senioren, sondern auch Nationaltrainer der U-16 Nationalmannschaft Österreichs. Ist es die Hoffnung auf eine neue Goldene Generation, oder was bewegt einen wie Sie, ausgerechnet die U-16 zu übernehmen?

Erst einmal macht es mir sehr viel Spaß, bei der A-Nationalmannschaft dabei zu sein, aber zusätzlich ist es für mich jetzt wichtig, dass ich auch mal bei einer Mannschaft allein die Verantwortung habe. Ich kann mir eine neue, eigene Mannschaft zusammen suchen, was jetzt im Frühjahr losgeht und sicher sehr viel Arbeit mit sich bringt, mir aber auch viel Spaß machen wird.
 
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Beeinträchtigt der neue Job Ihre Aufgabe als Co-Trainer?


Überhaupt nicht, sonst hätte ich das auch nicht gemacht. Deswegen habe ich auch nur die U-16 übernehmen können, weil es gar keine Überschneidungspunkte mit dem A-Nationalteam gibt.
 
Sie sind Co- und Nachwuchstrainer. Wann ist der Aufstieg in die erste Reihe geplant?

Das werden wir sehen. Es ist natürlich ein Ziel, irgendwann einmal Nationaltrainer zu werden. Jetzt habe ich erstmal eine schöne Aufgabe, wenn ich die Jungen von klein auf ausbilden kann, gewisse Vorraussetzungen schaffe und ihnen Vorstellungen davon vermitteln kann, was ich als Profi selbst erlebt habe, dann kann ich sicher dem einen oder anderen helfen, später sein Hobby zum Beruf zu machen.

Haben Sie die Enttäuschung überwunden, dass nicht Sie die Nachfolge von Joseph Hickersberger antreten durften?

Das war ja keine große Enttäuschung, ich war nur einer der Kandidaten, das war klar, aber ich habe auch keine Ansprüche gestellt. Ich bin jetzt gerne der Assistent vom Karel Brückner und versuche, ihn so gut es geht zu unterstützen. Aber ich bin froh, dass ich jetzt auch meine eigene Mannschaft trainieren kann, übrigens gemeinsam mit Heimo Pfeiffenberger, mit dem ich ja schon bei Bremen zusammen gespielt habe.

Einem überragenden Start folgte die Ernüchterung in der WM-Quali. Glauben Sie noch an eine Qualifikation für Südafrika?

Es wird sehr schwer. Die schwächeren Gegner haben wir zu Hause, und bei den ganz starken wie Frankreich oder Rumänien müssen wir auswärts ran. Es müssten uns schon einige Sensationen und tolle Spiele gelingen, damit wir das noch schaffen. Aber so lange noch was möglich ist, müssen wir dran glauben, ich meine es hilft ja nichts, wenn wir immer nur davon sprechen oder träumen, sondern wir müssen auch hart dafür arbeiten.
 
Wie groß ist die Lust auf Fußball in der Alpenrepublik ein Jahr nach dem Vorrundenaus bei der EM?

2008 gab es durch die EM eine Rieseneuphorie, danach das Unentschieden gegen Italien und dann haben wir zu Hause gleich zum Start der Quali Frankreich 3:1 geschlagen. Alle Spiele waren letztes Jahr mit 50 000 Zuschauern ausverkauft, das hat es in Österreich noch nicht gegeben. Aber leider haben wir diese Euphorie durch die schlechten Spiele und die unnötigen Niederlagen am Ende des letzten Jahres zerstört. Jetzt müssen wir sie wieder zurückgewinnen, was sehr schwer wird.

Linsen Sie noch auf die Bundesliga?

Ja sicher, es spielen ja einige Österreicher in der Bundesliga, und da schaut man schon alles an.






Schaffen es die Bremer aus der Krise?

Ich denke schon, auch wenn sie durch die Heimniederlage gegen Bielefeld eine Riesenchance vergeben haben. Sie haben in dieser Saison leider oft nicht so gespielt, wie sie es eigentlich könnten, und schon zu viele Punkte verschenkt, auch in der Champions League. Das Wichtigste ist jetzt, dass die Mannschaft wieder zu ihrer Form findet und nicht groß über Ziele spricht. Sie müssen jetzt einfach versuchen, die Spiele zu gewinnen, und Spieler wie Diego und Pizarro müssen ihre Nerven im Griff haben.
 
Sie wurden nach einer miserablen Saison 1999 mit Werder Pokalsieger. Wiederholt sich dieses Jahr solch ein bittersüßer Erfolg?

Sie haben zwar jetzt ein schweres Los mit Wolfsburg erwischt, aber das war damals genau das Gleiche: Wir sind im Semifinale auf den VfL getroffen, haben dort 1:0 gewonnen und sind dann Pokalsieger geworden, also ein gutes Omen. Jedoch vom Finanziellen her wäre es wichtiger, dass Werder zumindest noch die unter die ersten drei in der Liga kommt.

Ein Amt bei Ihrem alten Verein, wäre das etwas, was Sie in Zukunft reizen könnte?

Nein, das muss man erstmal abwarten. Im Moment sind das alles nur Träumereien, aber wenn es irgendwann wieder klappen könnte, wäre es eine sehr schöne Sache.

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