16.10.2007

Andreas Wolf im Interview

„Es klemmt irgendwo“

Für die Nürnberger ist es ein Gewaltmarsch bis zur Form der letzten Saison. Mit weiten Wegen kennt sich Andreas Wolf aus: Er kam einst aus Tadschikistan nach Deutschland. Wir sprachen mit ihm über Aufbrüche, Erfolge, Krisen und die Wege hinaus.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Gibt es denn eine Seite, die die Bundesliga bisher von Andreas Wolf nicht kennt und die Hans Meyer unterbindet? Wie sieht es denn mit einem Übersteiger aus?

Einen Übersteiger bekomme ich wohl auch noch hin (lacht). Aber wenn man als letzter Mann so etwas macht, ist man lebensmüde.

Blicken Sie dennoch mitunter etwas neidisch auf Abwehrspieler wie Lucio oder Kompany, die etliche Freiheiten im Spiel nach vorne genießen?

Jeder Spieler hat seinen eigenen Stil. Meiner ist es, im Kampf den Ball zu erobern, Lucios ist es, das Spiel anzutreiben. In der jetzigen Situation wären solche Vorstöße im Spiel eh absurd.

Wird die Situation in der Mannschaft auch nach den Spielen, etwa abends in der Kneipe, diskutiert?

Ja klar, man trifft sich auch mal privat und diskutiert Fehler und Probleme. Momentan ist es etwas schwierig, da wir noch in allen drei Wettbewerben spielen. Gedanken machen wir uns natürlich immer noch, beim Auslaufen oder nach dem Spiel in der Kabine.

Wird der Trainer dann richtig laut?


Natürlich ärgert er sich. Und im ersten Moment wird er dann vielleicht auch etwas lauter. Doch er bleibt eigentlich stets sachlich und analysiert. Er weiß genauso wie wir, dass es keinen Sinn macht, auf den Spieler, der am Boden liegt, noch einmal drauf zu treten.

Verstehen Sie Hans Meyer?

Ja, natürlich. Zu Journalisten ist er doch ein bisschen anders als zu uns. Im Gespräch mit den Spielern bringt er die Sachen auf den Punkt. Und er nimmt sich auch mal den einen oder anderen Spieler zur Seite und fragt, wenn es nicht läuft, nach privaten Problemen,

In der letzten Saison war die Sportpresse vollen Lobes für Sie. Nach dem Spiel gegen den FC Bayern gab es im „kicker“ die Note 5. Machen Sie sich eigentlich Gedanken, wenn die Presse negativ über Sie schreibt?

Überhaupt nicht. Ich lese kaum Zeitungen, weder Sport- noch Tageszeitungen. Da steht eh selten etwas Gescheites drin. Ich kann mich außerdem ganz gut selbst einschätzen. Die Journalisten, die Noten vergeben, haben ja stets eine radikal subjektive Sichtweise.

Sprechen Sie denn nach den Spielen auch mit Leuten, die nichts mit dem FCN zu tun haben?

Ja, ich rede mit meiner Freundin oder auch mit meinem Vater, der mir stets gute Tipps geben kann. Aber oft habe ich nicht mehr die Kraft, mich nur über Fußball unterhalten. So bin ich froh, dass ich auch viele Freunde habe, mit denen ich mich über andere Dinge unterhalten kann.

Sie sind also nicht der Typ, bei dem täglich die Premiere-Box läuft?

Nein, absolut nicht. Natürlich interessiert es mich, wer bei Real Madrid gegen Werder Bremen gewinnt oder wie sich Stuttgart gegen Barcelona schlägt. Aber ich schaue mir nicht alle Spiele eines jeden Bundesligaspieltags an, allerhöchstens mal unseren nächsten Gegner.

Dann gucken Sie ein Spiel wie Real Madrid gegen Werder Bremen eher aus einer Art Fanperspektive?

Ja, bei solchen Spielen bin ich Fan. Und wenn eine deutsche Mannschaft spielt, drücke ich immer der die Daumen. Da ist es vollkommen egal, wer gerade spielt. Aber wahrscheinlich habe ich zuletzt die Daumen nicht stark genug gedrückt (lacht).

Sie spielen nun auch erstmals international. Was denken Sie über die Gruppe des 1. FC Nürnberg?

Ich finde die Gruppe sehr interessant. Und ich denke, dass wir nicht ganz chancenlos sind. Der einzige Wermutstropfen ist das Spiel gegen den FC Everton...

Weil Sie nicht auswärts im Goodison Park spielen?


Ja, es ist seit jeher ein Traum von mir, mal in England zu spielen.

Mit dem FCN oder als Spieler in der Premier League?

Beides. Wenn es mit dem FCN so weitergeht wie bisher, kann ich mir vorstellen, noch viele Jahre hier zu bleiben. Ich bin ja auch ein recht heimatverbundener Typ und sehe daher momentan keine Gründe zu wechseln. Doch irgendwann, wer weiß... Ich würde schon gerne mal in der Premier League spielen, für längere Zeit nach England gehen, eine neue Kultur kennen lernen. Außerdem glaube ich, dass meine Spielweise der englischen recht ähnlich ist.

Apropos Heimatverbundenheit: Sie spielten in Ihrer Jugend in Ansbach, seit 1997 beim 1. FC Nürnberg und haben dort einen Vertrag bis 2011. Zudem haben Sie den Spitznamen „Seidla“, fränkisch für den halben Liter Bier. Was hat es denn damit auf sich?


Der Name wurde mir am Anfang meiner Karriere gegeben. Wegen so ein paar dummer Zwischenfälle. Wegen meiner Lebensart damals... Den habe ich nun, das macht mir nichts.

Ihre Lebensart war nicht bundesligakompatibel?

Nein. Ich habe seinerzeit noch bei den Amateuren gespielt und wurde aufgrund einiger Ausfälle unverhofft in den Profikader berufen. Ich saß dann bei dem Bundesligaspiel 90 Minuten auf der Bank, und wir verloren auch noch. Doch ich war überglücklich, einzig, weil ich mal dabei war. So habe ich abends ordentlich gefeiert, ein paar Bier haben wir natürlich auch getrunken – zum absolut falschesten Zeitpunkt. Tja, und am nächsten Tag habe ich nicht so trainiert, wie ich sollte. Alle wussten Bescheid, ich bekam Ärger mit Klaus Augenthaler – und der Zeugwart verpasste mir den Namen „Seidla“.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden