16.10.2007

Andreas Wolf im Interview

„Es klemmt irgendwo“

Für die Nürnberger ist es ein Gewaltmarsch bis zur Form der letzten Saison. Mit weiten Wegen kennt sich Andreas Wolf aus: Er kam einst aus Tadschikistan nach Deutschland. Wir sprachen mit ihm über Aufbrüche, Erfolge, Krisen und die Wege hinaus.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Herr Wolf, nach einer fulminanten letzten Saison rangiert der Club derzeit nur auf dem 17. Platz. Was ist passiert?

Wenn wir das wüssten... Wir haben die Spiele ja angenommen, oft auch dominiert und teilweise große Chancen heraus gespielt.



War die Euphorie vor der Saison vielleicht zu groß?


Das glaube ich nicht. Wir haben uns ganz realistisch eingeschätzt und haben nie gesagt, dass wir oben mitspielen wollen. Momentan haben wir mit Javier Pinola und Robert Vittek zwei verletzte Spieler, die großen Anteil an der guten letzten Saison hatten. Außerdem müssen sich unsere Neuverpflichtungen auch erstmal mit dem System und der Spielart des Clubs arrangieren.

Läuft auswärts wenig, geht zu Hause momentan gar nichts. Das letzte Bundesliga-Heimspiel gewannen Sie am 14. April 2007 gegen Alemannia Aachen.

Das stimmt, in einer solchen Situation befanden wir uns unter Hans Meyer noch nie. Die Fans wurden in der letzten Saison ja richtiggehend verwöhnt von uns. Wir verloren nur zwei Heimspiele, eines gegen Werder und eines gegen den HSV, als längst klar war, dass wir im UEFA-Cup spielen. Doch gab es damals schon Anzeichen, dass es irgendwo klemmt. Im Pokalfinale gegen Stuttgart konnten wir die Probleme noch kompensieren. Aber seitdem ziehen sich die Fehler wie ein roter Faden durch unsere Spiele. Vielleicht fehlt es auch ein wenig am Glück, so wie im letzten Heimspiel gegen Leverkusen. Und das Glück, das müssen wir uns zurück erkämpfen.

Bräuchte der FCN in der jetzigen Situation also zehn kämpfende Typen der Marke Andreas Wolf?

Ich glaube kaum. Es ist sicherlich richtig, dass wir gerade jetzt über den Kampf ins Spiel finden müssen, so wie wir es letztes Jahr gemacht haben. Da ist jeder für den anderen gerannt. Doch braucht es in einer Mannschaft immer auch Spieler wie Tomas Galasek oder Zvjezdan Misimovic. Spieler, die die Bälle verteilen, die das Auge für den tödlichen Pass haben.

Dennoch vertreten Sie die Meinung, dass Fußball vor allem eines ist: Kampf. Sie haben mittlerweile eine eigene T-Shirt-Kollektion, deren Slogan „Blut und Schweiß“ eine bestimmte Spielweise impliziert.

Fußball ist nun mal kein Schachspiel. Fußball ist ein Körperkontaktspiel. Und deshalb muss man auch mal dahin gehen, wo es wehtut. Man muss austeilen können, genauso wie man einstecken muss.

Der Slogan kann aber auch andere Assoziationen wecken...

Richtig, und deswegen verkaufe ich die Shirts nicht mehr. Oftmals wurde der Spruch falsch ausgelegt, viele meinten, er wäre zu „deutsch“. Und damit will ich nichts zu tun haben. Der Slogan sollte eigentlich verdeutlichen, dass man durch harte und ehrliche Arbeit zum Erfolg kommen kann.

Sie genießen bei den Clubfans fast Kultstatus. Denken Sie, dass die plötzliche Popularität mit Ihrer kompromisslosen Spielweise – viele nennen Sie einen Spieler der alten Schule – zusammenhängt?

Bin ich etwa der letzte Straßenfußballer? Nun, es gab ja stets die Kritiker, die meinten, dass ich keinen geraden Ball spielen könne, doch die sind seit der letzten Saison verstummt. Ich habe ja auch Spiele, in denen ich durchs Mittelfeld gehe und den entscheidenden Pass spiele. Und wenn im Spiel mal nichts klappt, dann versuche ich wenigstens zu kämpfen.

Und das mögen die Fans...

Auch. Sicher, solche Spieler sind sehr beliebt. Man braucht in der Mannschaft immer Spieler, die dazwischen hauen, die die anderen mitziehen. Aber es muss immer auch welche geben, die das Spiel gestalten. Ich denke aber, die Fans honorieren vor allem meinen Werdegang. Ich komme aus der eigenen Jugend und habe mich nach oben gearbeitet. Zudem hatte ich schon vor meiner Profizeit viel Kontakt zu den Fans, einige kenne ich seit vielen Jahren persönlich. Und dann kommt natürlich noch die gesamte letzte Saison dazu, mit dem Pokalsieg und dem 6. Platz in der Bundesliga.

Standen Sie denn früher selbst in der Kurve?


Nein, in der Fankurve stand ich nicht. Ich bin aber gelegentlich ins Stadion gegangen und war immer schon Clubfan. Die Fans kenne ich auch aus Schulzeiten, vom Weggehen und aus den Jugendmannschaften.

Oftmals stehen Sie schon nach wenigen Minuten an der Schwelle zu Rot. Ermahnt Hans Meyer Sie gelegentlich, Ihr Spiel umzustellen?

Nein, niemals. Mich zeichnet ja gerade dieses kompromisslose Spiel aus. Ich gehe halt dazwischen und bin in der letzten Saison immer durchgekommen. Ich habe 14 gelbe Karten bekommen, glaube aber, dass ich nie wirklich rot-gefährdet gewesen bin. Ich denke auch, dass heute viel zu schnell die gelbe Karte gezückt wird. Natürlich müssen Fouls, bei denen Verletzungsgefahr besteht, hart bestraft werden - da diskutiere ich gar nicht drüber. Aber man muss auch mal Fingerspitzengefühl zeigen. Von den 14 Karten hätte ich mir selbst nur sechs oder sieben gegeben.

Nehmen Sie es überhaupt wahr, wenn Hans Meyer Ihnen etwas während des Spiels zuruft?

Selten, es ist natürlich sehr laut, und man konzentriert sich sehr auf das eigene Spiel. Wenn ich nicht gerade an der Linie vorbeilaufe...

...sehen Sie Hans Meyer nur wild mit den Händen herumfuchteln?


Genau, und dann weiß ich, dass ich was falsch gemacht habe (lacht).

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