13.05.2010

Andreas Rettig über die richtige Mischung

»Wir halten uns an Dr. Oetker«

Der Erfolg von Relegationsteilnehmer FC Augsburg hat viele Väter. Einer heißt Andreas Rettig. Wir sprachen mit dem Manager der Zweitliga-Überraschung über Schneebesen aus Holland, Elektroautos und zehn Millionen Euro Gewinn.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Andreas Rettig, schon aufgeregt?

Meine Füße liegen auf dem Tisch und ich freue mich über Ihren Anruf. Im Ernst: Je näher das Anpfiff rückt, desto höher wird mein Blutdruck.

In Augsburg erzählt man sich, Sie würden sich wie ein kleines Kind über wach geküsste Leidenschaft der Stadt mit dem FCA freuen. Ist das die schönste Entwicklung der Saison 2009/10?

Mit Sicherheit. Aber die Identifikation der Augsburger mit Ihrem Verein ist ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Sie können Fansein nicht per Knopfdruck verordnen. Zur Erinnerung: Wir sind erst seit vier Jahren wieder im Profifußball, davor war der Klub 23 Jahre lang in der Versenkung verschwunden. Uns ist also eine ganze Generation an Fans weggebrochen. Die wieder nach und nach in unser Stadion zu locken, ist unsere Aufgabe. Aber es stimmt schon: Was hier in den vergangenen Monaten passiert ist, ist überragend.



Woran merken Sie das konkret? An den vielen Schulterklopfern?

Das mit dem Schulter klopfen ist schwierig – die meiste Zeit des Tages sitze ich in meinem Büro und ich bekomme selten Besuch. Aber es gibt ein deutliches Zeichen für die neue Liebe zum FCA: Auf den Bolzplätzen hier in der Gegend laufen plötzlich kleine Jungs mit Augsburg-Trikots durch die Gegend. Das hat es vor vier Jahren noch nicht gegeben. Da bolzte Real Madrid gegen Bayern München.

Wie wichtig ist für diesen Aufschwung die Figur Michael Thurk?

Er hat zwar eine überragende Saison gespielt, aber wir sind in Augsburg immer ganz gut damit gefahren keinen Personenkult auszuüben. Das wird auch so bleiben. Michael ist auch deshalb so in den Fokus gerückt, weil er viele Tore geschossen hat und die Torschützenliste nun einmal abgedruckt wird. Warum gibt es keine Liste der wertvollsten Mannschaftsspieler und der emsigsten Arbeitsbienen?

Es heißt, die richtige Mischung mache eine erfolgreiche Mannschaft. Wie ist das in Augsburg?

Auch wir halten uns strikt an Dr. Oetker.

Und Trainer Jos Luhukay ist der passende Schneebesen?

Ganz genau, Jos Luhukay rührt den Teig nach eigenem Rezept an. Es nützt ja nichts, wenn man alle Zutaten auf dem Tisch liegen hat, aber keiner in der Lage ist, sie richtig miteinander zu vermengen.

Die breite Öffentlichkeit weiß eigentlich nicht viel über Ihren Trainer. Was ist er für ein Typ?

Noch ist er gut gelaunt und äußerst umgänglich. Aber das wird sich bald ändern.

Wenn Augsburg gegen Nürnberg verliert?

Wenn Holland vorzeitig die WM beenden muss.

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