Andreas Ottl über Bayern, Augsburg und seine Vereinssuche

»Ich bin kein Gescheiterter«

Einst spielte Andreas Ottl mit dem FC Bayern gegen Barcelona oder Real Madrid, zuletzt kam er in Augsburg nicht mehr zum Einsatz. Nun ist er auf Vereinssuche. Ein Interview über Träume, Scheitern und das heutige Derby.

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Andreas Ottl, freuen Sie sich noch auf den Bundesliga-Samstag?
Ich schaue mir die Spiele immer gerne an. Aber Samstag, 15.30 Uhr, ist nicht mehr der wichtigste Termin der Woche, wie es die letzten acht oder neun Jahre war. Ich bin ja momentan auf Vereinssuche.
 
Abgesehen von Ihrer persönlichen Situation: Ist die Bundesliga nicht schrecklich langweilig?
Der eine oder andere mag es so sehen, doch mir macht es Spaß, den FC Bayern zu beobachten, zu sehen, wie stark das Team geworden ist. Da ist es mir fast egal, dass es nicht mehr den Zwei- oder Dreikampf gibt wie noch vor einigen Jahren.
 
Früher wurden andere Teams stark, wenn die Bayern Fehler machten. Das Problem: Die Bayern erlauben sich seit drei Jahren keine Fehler mehr. Kann es in naher Zukunft überhaupt mal wieder einen Zweikampf geben?
Der FC Bayern hat natürlich sehr gute finanzielle und strukturelle Voraussetzungen geschaffen, um in den nächsten Jahren weiterhin die Liga zu dominieren. Selbst in Europa gibt es kaum noch Mannschaften, die dem Team gefährlich werden können. Trotzdem wird es auch mal wieder spannend werden.
 
Wer könnte den Bayern denn Paroli bieten?
Es gibt durchaus Klubs, die ein ähnliches finanzielles Potenzial haben und die Bayern in Zukunft zumindest ärgern können. Ich denke da an Wolfsburg oder auch RB Leipzig. Zudem wird es bei den Münchenern in den nächsten Jahren einen großen Umbruch geben, Franck Ribery, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Arjen Robben werden nicht jünger, und man darf gespannt sein, wie der Klub das Ausscheiden dieser Führungsspieler meistert.
 
Welche Unterschiede sehen Sie zwischen dem FC Bayern 2014 und dem FC Bayern 2006, mit dem Sie erstmals Meister wurden?
Das ist schwierig zu beantworten, denn der Fußball hat sich generell sehr stark weiterentwickelt. Heute sind zum Beispiel die jungen Spieler durch die Nachwuchsleistungszentren wesentlich besser ausgebildet. Zudem ist der Kader in der Breite noch einmal besser geworden. Sie können beim FC Bayern fast jeden Spieler nahezu gleichwertig ersetzen. Auch deshalb kann sich eigentlich niemand zurücklehnen. Das ist auch ein Grund, weshalb die Spieler selbst nach dem erfolgreichen WM-Sommer weiterhin so ehrgeizig und erfolgshungrig sind.
 
Würde der Nachwuchsspieler Andreas Ottl auch heute in die erste Elf berufen werden?
Warum nicht? Spieler aus der eigenen Jugend bekamen beim FC Bayern immer ihre Chancen – zumindest dann, wenn sie die entsprechende Leistung zeigten. Früher hatten wir Owen Hargreaves, Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger. Zuletzt Toni Kroos, Thomas Müller oder Diego Contento. Aktuell Pierre-Emile Höjbjerg.
 
Aber Spieler wie Contento oder Höjbjerg konnten sich bislang nicht dauerhaft durchsetzen. Ist die Star-Dichte zu groß?
Natürlich hat ein Nachwuchsspieler ein anderes Standing als ein Neueinkauf, der sich bereits bei einem anderen Verein etabliert hat. Und natürlich ist es ein steiniger Weg, wenn man das Ziel hat, bei einem der besten Klubs der Welt in der ersten Elf zu spielen. Dennoch: Es wird immer mal wieder einen Spieler geben, der es schafft.
 
Und all die anderen?
Die haben andere Möglichkeiten. Für mich sind sie auch nicht gescheitert, denn als Profi Stammspieler beim FC Bayern zu werden, ist nicht die Normalität.
 
Sie haben auch mal das Etikett des Gescheiterten bekommen. Wie sehen Sie sich?
Ich sehe mich nicht als gescheitert. Ich hatte eine gute Karriere beim FC Bayern. Ich habe sechs Jahre bei den Profis gespielt, Titel gewonnen und über 130 Pflichtspiele gemacht. Es ist nicht Normalität, beim FC Bayern über acht oder zehn Jahre in der ersten Elf zu spielen. Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger sind Ausnahmen. Die aller meisten Profis wechseln den Verein während ihrer Laufbahn mehrfach.
 
Am Samstag spielt der FC Bayern beim FC Augsburg, immerhin eine von zwei Mannschaften, die den Bayern in der vergangenen Saison eine Niederlage beibrachte. Mittlerweile wird der FCA als Europa-League-Kandidat gehandelt. Überrascht?
Klar. Kaum ein Fußballexperte hätte die Mannschaft nach dem 14. Spieltag auf Platz drei der Tabelle vermutet. Augsburg hatte zuletzt einen guten Lauf und ist definitiv die Mannschaft der Stunde.
 
Haben Sie eine Erklärung dafür?
Markus Weinzierl stellt die Mannschaft sehr gut auf die Gegner ein, zudem gibt es sieben oder acht Spieler, die schon lange zusammenspielen und einen stabilen Kern bilden. Die Mannschaft ist nicht wegen der individuellen Klasse ihrer Spieler so erfolgreich, sondern wegen des Teamgeistes.
 
Werden die Augsburger wieder einen Sieg erringen?
Sie werden es den Bayern auf jeden Fall schwermachen, denn die Mannschaft ist extrem heimstark (der FCA hat fünf von sechs Heimspielen gewonnen, d. Red.) und ein unangenehmer Gegner. Ich tippe dennoch auf ein 3:1 für Bayern. Da bin doch zu sehr Münchner. (lacht)

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