Andreas Ottl im Interview

»Ich will mich durchsetzen«

Die kommende Saison ist für Andreas Ottl die entscheidende. Kann er sich im defensiven Mittelfeld durchsetzen? Hier spricht er über seine Ziele, seine Konkurrenten und einen Kegelabend mit seinem Freund Mehmet Scholl. Andreas Ottl im InterviewImago

Andreas Ottl, es war viel zu lesen über das neue Leistungszentrum des FC Bayern München. Jeder Spieler hat ein eigenes Display in seinem Spind, das sogenannte Message-Board, das über den Tagesablauf unterrichtet. Stand da heute morgen: Interview mit 11FREUNDE?

Selbstverständlich. Darauf sind die Trainingszeiten vermerkt, heute also 10:30 und 15:30 Uhr, dazwischen gibt es Mittagessen und eventuell stehen Pressegespräche an, wie heute das Telefoninterview mit 11FREUNDE. Um 14:00 habe ich dann meinen Spanischkurs.

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Wir halten Sie also nicht vom Spanischunterricht ab?


Nein, ich denke, ich schaffe beides.

Lernen Sie auch Spanisch, damit Sie sich besser mit Martin Vasquez unterhalten können, dem neuen Co-Trainer?


Mit ihm funktioniert die Verständigung schon gut, das war nicht der Grund. Ich hatte in der Schule schon Spanisch und jetzt die Möglichkeit, meine Kenntnisse aufzufrischen. Natürlich ist es umso besser, wenn es Leute gibt, mit denen man sich unterhalten und das Gelernte gleich in die Praxis umsetzen kann.

Welche ist denn die Amtssprache beim FCB?


Das ist unterschiedlich. Es wird viel auf Englisch gemacht, aber natürlich auch auf Deutsch. In unserem Auditorium gibt es außerdem die Möglichkeit, bei Sitzungen mit Simultandolmetschern zu arbeiten, was wir auch schon gemacht haben. Wenn Martin Vasquez auf Englisch spricht, wird das auch auf Deutsch übersetzt.

Und dann sitzen die deutschen Spieler da mit Kopfhörern?


Ich gehe davon aus, bisher hatten wir aber nur deutsche Ansprachen, und die Brasilianer, Argentinier, Italiener und Franzosen mussten die Kopfhörer tragen. Aber das wird bestimmt noch kommen.

Sagt Ihnen eigentlich der Name Siddharta Gautama etwas?


Jetzt auf Anhieb nicht.

Das ist der historische Buddha, der im 5. Jahrhundert vor Christus gelebt hat und von dem Figuren an der Säbener Straße stehen.

Gut zu wissen, dann habe ich wieder etwas dazu gelernt. (lacht)

Wie finden Sie das neue Leistungszentrum denn?


Wir sind alle sehr positiv überrascht. Was hier in der kurzen Zeit gebaut wurde ist sensationell. Es wird ja viel von der Wohlfühl-Oase gesprochen, aber das ist wirklich so. Hier gibt es alle Möglichkeiten, sich optimal vorzubereiten, vom Frühstück über das Aufwärmprogramm im Kraftraum bis hin zum Mittagessen. Und es ist sehr abwechslungsreich. Man kann auf der Couch sitzen und ein Buch lesen, Billard spielen oder sich auf der Terrasse ausruhen. Vor allem wenn man wie wir gerade zweimal pro Tag trainiert, ist das sehr angenehm. Deshalb mussten wir auch nicht ins Trainingslager fahren.

Haben Sie sich auch erst einmal verlaufen? Das schien so eine Art Bewährungsprobe zu sein, für jeden, der dort ankam.

Ich stand schon teilweise in Räumen und habe mich gefragt: »Wo bin ich gerade? Was war früher hier?«  Mittlerweile kenne ich mich aber aus.

Kommen wir zum Fußball. Wären Sie einverstanden, wenn wir behaupten, dass die kommende Saison für Sie besonders wichtig werden könnte? Zé Roberto hört danach bei Bayern auf, und Sie könnten die Verantwortlichen davon überzeugen, dass für Ihre Position kein hochkarätiger Neuzugang notwendig ist.


Sicher wird es wieder eine wichtige Saison für mich. Deswegen gab es für mich auch nie die Überlegung, den Verein zu verlassen. Ich will mich hier durchsetzen und glaube, dass ich das fußballerische Können habe, um das auch zu schaffen. Hier kann ich mich jeden Tag im Training verbessern und aufdrängen, um am Ende auch auf dem Platz zu stehen.

Es gab ja durchaus ein paar Anfragen für Sie. Bekannt geworden ist vor allem das Interesse von Eintracht Frankfurt. Wurden die Angebote von Vereinsseite mit Ihnen abgesprochen oder haben die Verantwortlichen gleich ohne Rücksprache mit Ihnen abgewinkt?

Stimmt, es gab mehrere Anfragen, unter anderem von Eintracht Frankfurt. Aber das ist gleich vom Verein abgelehnt worden. Das kam für mich auch gar nicht in Frage, weil ich die Herausforderung hier suche.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen zu spielen denn ein?

Ich bin sicherlich derjenige von den Mittelfeldspielern, der am Defensivsten spielt. Darin sehe ich auch meine Chance, die ich nutzen will.

Bei der Nationalmannschaft konnte man von Jürgen Klinsmann den Eindruck bekommen, dass er besonders gerne mit jungen Spielern arbeitet. Könnte dies ein Vorteil sein für Sie?


Das muss man erstmal abwarten. Letztlich wird immer die Leistung entscheidend sein. Aber ein Nachteil ist seine Verpflichtung sicher nicht.

Was ist denn jetzt so anders im Training des FC Bayern?

Jeder Trainer hat seine eigenen Methoden. Jürgen Klinsmann spricht viel mit uns Spielern, bei sehr vielen Einheiten ist der Ball dabei, das ist schon anders als vorher.

Wird jetzt individueller trainiert?

Momentan schon. Allerdings wird derzeit vor allem die Physis trainiert, besonders der Kraft- und Ausdauerbereich. Verschiedene Gruppen gibt es daher deswegen, weil nicht alle gleichzeitig in die Vorbereitung eingestiegen sind und noch nicht den gleichen Leistungsstand haben.

Gibt es eigentlich den klassischen Laktattest noch?


Nein, den Laktattest selber nicht. Es gibt andere Leistungstests, z.B. Lauftests mit Atemmaske, um den Atemrhythmus zu analysieren oder Kraft- und Schnelligkeitstests. Aber den typischen Laktattest haben wir bis jetzt noch nicht gemacht.

Darüber werden Sie wahrscheinlich nicht unglücklich sein.

Das ist schon sehr anstrengend. Andererseits bin ich bei Hermann Gerland (Trainer des FC Bayern II, d. Red.) und Felix Magath durch eine harte Schule gegangen und einiges gewohnt.

Was trauen Sie Felix Magath mit Wolfsburg denn zu? Die haben sich ja enorm verstärkt.

Das stimmt, da sind einige namhafte Spieler dazu gekommen. Wenn Sie es schaffen, zu einer Mannschaft zusammen zu wachsen, werden Sie sicher um die internationalen Plätze mitspielen. Um welche genau kann ich aus der Ferne nicht beurteilen.

Wen halten Sie denn für den größten Konkurrenten im Meisterschaftsrennen?


Wahrscheinlich werden es wieder die üblichen Verdächtigen sein, also Bremen und Schalke. Vielleicht kommt noch eine Überraschungsmannschaft dazu, wie z.B. Wolfsburg oder Leverkusen.

Eher Schalke oder Bremen?

Mein Gefühl sagt mir, eher Schalke.

Und wie ist Ihr Gefühl für die Champions League?


Wir gehen sicherlich mit einigen Erwartungen in diesen Wettbewerb hinein und wollen auf jeden Fall die Gruppenphase überstehen. Danach braucht man ein bisschen Losglück, auch die Tagesform wird entscheidend sein. Es kommt darauf an, wie gefestigt man in der entscheidenden Phase, also im März, April, Mai, als Mannschaft ist. Ein Minimalziel gibt es aber nicht.

Jürgen Klinsmann hat den Acht-Stunden-Tag an der Säbener Straße eingeführt. War das eine große Umstellung?

So groß ist der Unterschied zu vorher gar nicht. Früher ist man zwischen den Trainingseinheiten woanders essen gegangen, aber dann auch wieder zurückgefahren. Jetzt können wir hier essen und uns behandeln lassen oder einfach mal entspannen, um nachmittags wieder fit zu sein.

Und? Schmeckt das FC Bayern-Essen?

Ja, bis jetzt können wir uns nicht beschweren. Es war immer sehr gut.

Hat Ihr Wunsch, beim FC Bayern zu bleiben, nur mit dem erfolgreichen Verein und der sportlichen Perspektive zu tun oder auch damit, dass Sie gebürtiger Münchner sind und München als ihre Lieblingsstadt bezeichnen?

Hauptsächlich hat das mit der sportlichen Perspektive zu tun und damit, dass Trainer gekommen sind, die einen jeden Tag an die Leistungsgrenze bringen wollen. Trotzdem ist München natürlich meine Heimat, das ist aber eher nebensächlich.

Waren Sie früher denn auch Fan des FCB?

Ja. Ich bin quasi mit dem FC Bayern aufgewachsen, war hier schon früh in der Jugend und als Balljunge im Stadion. Das ist dann schon etwas Besonderes, hier den Sprung zu den Profis geschafft zu haben.

Dann können Sie sicherlich ausschließen, je für 1860 zu spielen?

Ja, ich denke schon. Man sollte im Fußball zwar niemals nie sagen, aber das kann ich eigentlich ausschließen.

Die neuen Auswärtstrikots können Ihnen dann aber nicht gefallen. Die sind nämlich blau.

Ach, das ist ja so ein tiefes Dunkelblau, das verbindet doch keiner mit dem anderen Verein. Mir gefallen die neuen Trikots recht gut, auch das weiße für die Champions League.

Ist es Zufall, dass derzeit doch einige gebürtige Münchner bei den Bayern spielen? In manchen Jahren gab es keinen einzigen. Jetzt sind es mit Ihnen, Christian Lell und Philipp Lahm gleich drei.

Das spricht für die gute Nachwuchsarbeit hier, darauf kann der FC Bayern stolz sein. Genauso wie man andersherum als Münchner besonders stolz ist, für diesen Verein zu spielen. Dass es jetzt so viele sind, ist für einen Topklub, glaube ich, sehr selten.

Verbindet Sie mit diesen Spielern auch mehr als mit anderen?


Ja, schon. Mit Philipp Lahm habe ich schon in der Jugend gespielt, wir verstehen uns auch außerhalb des Platzes sehr gut und sind sehr gut miteinander befreundet. Wir haben zusammen die A-Jugendmeisterschaft gewonnen, das verbindet. Der Kontakt ist auch nicht abgerissen, als er in Stuttgart war. Bei Christian Lell ist das ähnlich.

Befreundet sind Sie auch – zumindest war das zu lesen – mit Mehmet Scholl. Haben Sie noch Kontakt zu ihm, nachdem er seine Karriere beendet hat?


Ja. Wir telefonieren regelmäßig und versuchen, uns ab und an zu treffen, vielleicht etwas essen zu gehen. Auch wenn es nicht immer leicht ist, einen Termin zu finden.

Wie kam diese Freundschaft zustande?


Als ich vor vier Jahren in die erste Mannschaft hochgekommen bin, hat er mich sehr gut aufgenommen und mir viel geholfen, indem er erklärte, wie das alles so abläuft im Profibereich. Er hat mir damals einige Tipps gegeben.
 
Aber Kegeln waren Sie noch nicht mit ihm? (Mehmet Scholl ist passionierter Sportkegler, d. Red.)

Doch, einmal (lacht). Er hat ja mal gesagt, er habe sich irgendwann zwischen Fußball und Kegeln entscheiden müssen. Er kegelt wirklich sehr gut, aber seine Entscheidung für den Fußball war wahrscheinlich trotzdem richtig.

Und was muss man mit ihm spielen, wenn man gewinnen will?


Schafkopf.

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