Andreas Möller im Interview

„Jeder hat mal klein angefangen“

Weltmeister Andreas Möller übernimmt zum 1. Juli das Traineramt beim Oberligisten Victoria Aschaffenburg. Ein Zeitvertreib? „Nein“, sagt er im Interview mit 11freunde.de. „Ich möchte den Ehrgeiz vermitteln, den ich als Spieler vorgelebt habe.“ Imago

Eine belebte Spieler-Karriere fand ein unrühmliches Ende. Oder würden Sie Ihre letzte Spieler-Station bei Eintracht Frankfurt anders bezeichnen?

Das war eine Goodwill-Aktion meinerseits. Ich bin damals gebeten worden, noch mal zu helfen. Und weil ich in Frankfurt meine Karriere begonnen habe und dem Verein viel verdanke, war das ein Dankeschön von meiner Seite. Und viel mehr gibt es darüber nicht zu sagen.

Wie haben Sie seit dem Ende Ihrer Karriere im März 2004 die Zeit verbracht?

Ich habe an der Sporthochschule in Köln den Fußballlehrer-Schein gemacht. Und nebenher habe ich mich hinter den Kulissen im Fußball aufgehalten.

Hinter den Kulissen?

Ich war bei vielen Events und Veranstaltungen dabei, die teilweise im Rahmen der WM veranstaltet wurden. Aber ich habe die Zeit auch genutzt, um Abstand vom aktiven Fußball zu gewinnen. Das hat mir zwar sehr gut getan, dennoch konnte ich mich nicht ganz losreißen. Ich war weiterhin sehr fußballinteressiert, habe das Tagesgeschehen verfolgt und viele Partien in allen möglichen Spielklassen angeschaut.

Was waren das für Events und Veranstaltungen?

Die Events hatte alle etwas mit Fußball zu tun. Autogrammstunden oder VIP-Reisen für Sponsoren zum Beispiel. Ich habe mich da jedoch immer mehr oder minder im Hintergrund aufgehalten.

Ist ein Leben ohne Fußball für Sie undenkbar?

Ja, absolut undenkbar.

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Als Spieler waren Beckenbauer, Ribbeck, Vogts, Hitzfeld, Stevens und viele andere ihre Trainer. Wer hat Sie am meisten geprägt?

Mir hat sicherlich jeder Trainer etwas mitgegeben. Aber letztlich möchte ich versuchen, meine eigene Philosophie zu entwickeln und niemanden zu kopieren. Natürlich gab es hier und dort einige Trainings-Maßnahmen, die ich sehr gut fand und versuchen werde, mit ein zu bauen. Aber ich habe meine eigenen Ideen und will diese erfolgreich umzusetzen.

Zum Beispiel?

Es war natürlich sehr hilfreich, unter solch fähigen Trainern einmal Spieler gewesen sein zu können. Und man kann auch in Auszügen etwas davon ableiten. Aber ich kann jetzt beispielsweise nicht sagen, dass ich so sein möchte wie Ottmar Hitzfeld. Ich denke, dass ich meine eigene Persönlichkeit bin und das soll auch so bleiben.

Sie haben erst seit kurzem den Trainerschein. War es schwierig, die Prüfung abzulegen?

Es ist eine Menge Theoriearbeit. Aber natürlich bin ich sehr froh, diese Ausbildung gemacht zu haben. Denn sie hat mir sehr viel für den weiteren Weg mitgegeben. Es war eine lehrreiche Zeit, die gezeigt hat, dass der Trainerjob sehr viele Facetten hat. Das war ein sehr intensives halbes Jahr in Köln.

Worin lagen die Schwerpunkte in der Lehre?

Ein großes Thema sind derzeit Psychologie und methodischer Trainingsaufbau.

Mit welchen bekannten Ex-Spielern waren Sie in einem Jahrgang?

Da waren einige bekannte Namen dabei: Bernd Hollerbach, Heiko Herrlich, Frank Lelle, Ralf Hasenhüttel, Robin Dutt von den Stuttgarter Kickers sowie Roland Seitz, der vor kurzem in Paderborn entlassen worden ist.

Wer war der Klassenprimus?

Wir waren eine sehr harmonische Truppe, bei der niemand herausragte.



Seit dem 20. Dezember 2006 sind Sie im Bereich Sportorganisation und Sponsoring bei Viktoria Aschaffenburg tätig. Cheftrainer werden Sie jedoch erst am 01. Juli 2007. Ist Ihre jetzige Anstellung ein gut bezahltes Praktikum?

Meine jetzige Tätigkeit ist unbezahlt. Es gibt natürlich noch einiges vorzubereiten. Sehr wichtig ist derzeit die Suche nach einem Hauptsponsor und einem Ausrüstern. Es gibt viele Sponsoren, die uns bei den ehrgeizigen Plänen in die Regionalliga begleiten wollen, jetzt müssen wir sie an den Verein binden. Ebenso wichtig ist es, im nächsten halben Jahr an der Mannschaft zu feilen. Ich werde viel auf Spielersuche sein und zahlreiche Gespräche mit den derzeitigen Spielern führen. Eigentlich bin ich froh, dass noch ein wenig Zeit verbleibt.

Der Name Andreas Möller ist bei der Suche nach einem Sponsor bestimmt nicht hinderlich.

Das ist sicherlich kein Nachteil.

Ein Welt- und Europameister, Deutscher Meister, UEFA-Cup-, Championsleague- und Weltpokal-Sieger in der hessischen Fußball-Provinz. Gab es etwa keine anderen Angebote?

Zum einen ist Aschaffenburg keine Fußballprovinz, die Viktoria ist ein Traditionsverein. Und zum anderen hat jeder Trainer einmal klein angefangen. Und den Spieler Andreas Möller gibt es nicht mehr. Er hat sicherlich Erfolge gehabt, aber das eine lässt sich mit dem anderen nicht vergleichen. Das kann man einfach nicht in einen Topf werfen. Für mich geht es als Trainer bei null los und es heißt erst einmal Erfahrungen zu sammeln. Das ist ein völlig neues Kapitel für mich.

Rudi Bommer und Werner Lorant waren auch schon Trainer in Aschaffenburg. Haben Sie Kontakt zu den beiden aufgenommen?

Ja, mit Rudi Bommer habe ich bereits gesprochen. Und sicherlich werde ich da noch mal auf ihn zurückgreifen, denn er hat mir angeboten, bei ihm vorzusprechen. Auch weil er die Region kennt.

Was befähigt Sie dazu, ein guter Trainer zu werden?

Darüber möchte ich gar nicht so viel sprechen. Ich kann es noch nicht sagen, das wird man sehen. Aber eines ist klar: Ich werde versuchen der Mannschaft meine Handschrift zu geben. Sicherlich möchte jeder Erfolg haben, und jeder macht es auf seine Weise.

Also keine großen Worte, es folgen Taten.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren.

Vermutlich werden Sie nicht unbedingt als harter Hund gelten. Widersprechen Sie mir in diesem Punkt?

Ich weiß jetzt nicht, wie Sie auf harten Hund kommen. Wie bereits erwähnt, wird von mir keine Aussage kommen, wie man sich den Trainer Andreas Möller vorzustellen hat. Darüber werde ich weder sprechen, noch philosophieren. Vielmehr werde ich versuchen, meine Mannschaft zu motivieren und gut vorzubereiten. Das ist vordergründig meine Aufgabe.

Als Spieler waren Sie oftmals umstritten, konnten sich aber stets durch Zuckerpässe und Tore Respekt verdienen. Auf welchem Wege werden Sie das als Trainer schaffen?

Ich möchte die Jungs auf Situationen vorbereiten, die ich als Spieler schon erlebt habe. Da kann ich meine Erfahrung nützlich einbringen.

Als Spieler hatten Sie zahlreiche Spitznamen. Welcher bietet sich für den Trainer Andreas Möller an?

Gar keiner. Ich möchte ja gar nicht über den Trainer Möller sprechen.



Welche Visionen haben Sie hinsichtlich der Viktoria?

Ein großes Thema ist sicherlich die Jugend, die wir künftig verstärkt einbauen wollen. Aber Erfolg heißt, gut Fußball zu spielen. Und wenn wir das schaffen, dann haben wir Erfolg. Aber man kriegt nichts geschenkt. Und ich möchte den Ehrgeiz vermitteln, den ich als Spieler vorgelebt habe. Wenn jemand den absoluten Willen hat, dann ist er bei mir in guten Händen.

Die Viktoria ist derzeit Zweiter. Ist schon dieses Jahr der Aufstieg machbar?

Nein, der Zug ist abgefahren. FSV Frankfurt hat nach 13 Spielen 12 Punkte Vorsprung. Und es steigt ja nur der Erste auf. Natürlich wollen wir noch eine ordentliche Rückrunde abliefern. Aber nächstes Jahr, da werden wir richtig loslegen.

Welcher Ihrer künftigen Schützlinge könnte den Sprung in den Profi-Fußball schaffen?

Wir haben einige junge und talentierte Spieler, die Ansprüche haben, weiter oben zu spielen. Aber ich möchte keine Namen nennen. Jedenfalls bin ich fest überzeugt, dass wir auch nächstes Jahr eine schlagfertige Truppe beisammen haben, die um den Aufstieg mitspielt.

Aschaffenburg war lediglich in den 80er Jahren im Profi-Fußball vertreten. Werden wir die Viktoria bald wieder in der Zweiten Bundesliga erleben?

Das ist natürlich ein sehr großer Sprung. So weit denken wir im Moment noch nicht. Wir wollen Schritt für Schritt schauen, was möglich ist. Tatsache ist, dass Aschaffenburg ein Traditionsverein und kein No-Name auf der Fußball-Landkarte ist. Natürlich waren das erfolgreiche Zeiten in den Achtzigern, aber das ist schon lange her. Und um wieder höherklassig zu spielen muss an der Vereinsstruktur gearbeitet werden.

Was liegt denn im Argen?

In den vergangenen Jahren ist sehr viel kaputt gegangen. Und wir müssen versuchen, das Umfeld aufzuwecken. Die Menschen müssen erkennen, dass sich etwas tut bei der Viktoria. Nun gilt es, kontinuierlich und erfolgreich zu arbeiten, damit wir das Vertrauen des Umfeldes gewinnen.

Haben Sie Angst, dass es nichts wird mit Ihrer Trainer-Laufbahn?

Nein, ich habe keine Angst und bin felsenfest davon überzeugt, dass mein Engagement bei der Viktoria von Erfolg gekrönt sein wird.

Also gibt es auch keinen Plan B.

Nein, der existiert nicht.

Wären Sie auch zu einem Oberligisten gegangen, der nicht aus Hessen kommt? Beispielsweise aus Schleswig-Holstein?

Nein, auf keinen Fall. Aschaffenburg ist zwar nicht Hessen, obwohl es in Nordbayern liegt. Aber ich kenne die Region und das ist sicherlich von Vorteil.

Bizarr, ein Verein aus Bayern in der Oberliga Hessen.

Jetzt kenne ich auch schon Ihre Überschrift: „Ein Hesse in Bayern“ (lacht).

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