22.01.2007

Andreas Möller im Interview

„Jeder hat mal klein angefangen“

Weltmeister Andreas Möller übernimmt zum 1. Juli das Traineramt beim Oberligisten Victoria Aschaffenburg. Ein Zeitvertreib? „Nein“, sagt er im Interview mit 11freunde.de. „Ich möchte den Ehrgeiz vermitteln, den ich als Spieler vorgelebt habe.“

Interview: Andre Tucic Bild: Imago
Eine belebte Spieler-Karriere fand ein unrühmliches Ende. Oder würden Sie Ihre letzte Spieler-Station bei Eintracht Frankfurt anders bezeichnen?

Das war eine Goodwill-Aktion meinerseits. Ich bin damals gebeten worden, noch mal zu helfen. Und weil ich in Frankfurt meine Karriere begonnen habe und dem Verein viel verdanke, war das ein Dankeschön von meiner Seite. Und viel mehr gibt es darüber nicht zu sagen.

Wie haben Sie seit dem Ende Ihrer Karriere im März 2004 die Zeit verbracht?

Ich habe an der Sporthochschule in Köln den Fußballlehrer-Schein gemacht. Und nebenher habe ich mich hinter den Kulissen im Fußball aufgehalten.

Hinter den Kulissen?

Ich war bei vielen Events und Veranstaltungen dabei, die teilweise im Rahmen der WM veranstaltet wurden. Aber ich habe die Zeit auch genutzt, um Abstand vom aktiven Fußball zu gewinnen. Das hat mir zwar sehr gut getan, dennoch konnte ich mich nicht ganz losreißen. Ich war weiterhin sehr fußballinteressiert, habe das Tagesgeschehen verfolgt und viele Partien in allen möglichen Spielklassen angeschaut.

Was waren das für Events und Veranstaltungen?

Die Events hatte alle etwas mit Fußball zu tun. Autogrammstunden oder VIP-Reisen für Sponsoren zum Beispiel. Ich habe mich da jedoch immer mehr oder minder im Hintergrund aufgehalten.

Ist ein Leben ohne Fußball für Sie undenkbar?

Ja, absolut undenkbar.



Als Spieler waren Beckenbauer, Ribbeck, Vogts, Hitzfeld, Stevens und viele andere ihre Trainer. Wer hat Sie am meisten geprägt?

Mir hat sicherlich jeder Trainer etwas mitgegeben. Aber letztlich möchte ich versuchen, meine eigene Philosophie zu entwickeln und niemanden zu kopieren. Natürlich gab es hier und dort einige Trainings-Maßnahmen, die ich sehr gut fand und versuchen werde, mit ein zu bauen. Aber ich habe meine eigenen Ideen und will diese erfolgreich umzusetzen.

Zum Beispiel?

Es war natürlich sehr hilfreich, unter solch fähigen Trainern einmal Spieler gewesen sein zu können. Und man kann auch in Auszügen etwas davon ableiten. Aber ich kann jetzt beispielsweise nicht sagen, dass ich so sein möchte wie Ottmar Hitzfeld. Ich denke, dass ich meine eigene Persönlichkeit bin und das soll auch so bleiben.

Sie haben erst seit kurzem den Trainerschein. War es schwierig, die Prüfung abzulegen?

Es ist eine Menge Theoriearbeit. Aber natürlich bin ich sehr froh, diese Ausbildung gemacht zu haben. Denn sie hat mir sehr viel für den weiteren Weg mitgegeben. Es war eine lehrreiche Zeit, die gezeigt hat, dass der Trainerjob sehr viele Facetten hat. Das war ein sehr intensives halbes Jahr in Köln.

Worin lagen die Schwerpunkte in der Lehre?

Ein großes Thema sind derzeit Psychologie und methodischer Trainingsaufbau.

Mit welchen bekannten Ex-Spielern waren Sie in einem Jahrgang?

Da waren einige bekannte Namen dabei: Bernd Hollerbach, Heiko Herrlich, Frank Lelle, Ralf Hasenhüttel, Robin Dutt von den Stuttgarter Kickers sowie Roland Seitz, der vor kurzem in Paderborn entlassen worden ist.

Wer war der Klassenprimus?

Wir waren eine sehr harmonische Truppe, bei der niemand herausragte.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden