20.03.2007

Andreas Hinkel im Interview

„Ein komisches Spiel“

Nach dem Abbruch des spanischen Pokal-Viertelfinales vor zwei Wochen stehen sich Real Betis und FC Sevilla heute nochmals gegenüber – und das nur 33 Minuten lang. Wir sprachen mit Andreas Hinkel über die ungewöhnliche Partie.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago


Tatsächlich scheinen Sie endlich beim FC Sevilla als Absicherung hinter dem überragenden Daniel Alves Ihren Platz gefunden zu haben. Jener Alves, als dessen Ersatz Sie eigentlich engagiert worden waren. Muss für Sie ein Schock gewesen sein, als der Wechsel des brasilianischen Nationalspielers zum FC Liverpool platzte.

Das hat die Sache für mich natürlich sehr viel schwerer gemacht. Aber ich wäre auch zum FC Sevilla gegangen, wenn ich gewusst hätte, dass Daniel bleibt.

Ehrlich?

Ganz ehrlich. Ich wollte mal in ein anderes Land gehen und eine neue Sprache lernen.

Das ist eine häufig von Fußballprofis verwendete Floskel.

Ich kann nur für meine Person sagen, dass das so ist. Ich liebe das Leben in Sevilla, habe neue Freunde gefunden und kann mich inzwischen ganz gut auf Spanisch unterhalten. Ich habe hier einen Reifeprozess durchgemacht.

Aber sportlich lief es nicht wie gewünscht. Sie saßen lange Zeit meist nur auf der Bank.

Wenn man ins Ausland geht, braucht man eine gewisse Anlaufphase. Ich bekam zwischendurch meine Einsätze und brachte dann auch jedes Mal meine Leistung. Ich war mir sicher, dass irgendwann meine Zeit kommt, auch wenn es sehr schwer ist, sich bei einem europäischen Spitzenteam wie Sevilla durchzusetzen. Ein Spanier hätte in dieser Situation vielleicht aufgegeben. Aber ich habe im Training immer weiter Druck gemacht.

Was offensichtlich den Augen von Juande Ramos nicht entgangen ist.

Stimmt. Eines Tages kam er zu mir her und sagte mir, dass es ihm sehr imponiere, wie ich mich Tag für Tag reinhänge und nicht aufstecke. Das hat sehr gut getan, vor allem wenn man bedenkt, dass Ramos nicht gerade ein Mann ist, der viel mit seinen Spielern spricht.

Zuletzt standen Sie öfter in der Startformation, aber am Sonntag beim 2:0-Sieg gegen Vigo mussten Sie wieder auf der Bank Platz nehmen. Wie weit sind Sie auf dem Weg zum Stammspieler?

Hier in Spanien läuft das anders. Es gibt nicht so den Stammspieler wie in Deutschland. Die Kader sind groß. Die Trainer lassen unwahrscheinlich viel rotieren und probieren ständig neue Sachen aus. Giovanni Trapattoni wollte das beim VfB auch so machen und ist vielleicht daran in Stuttgart gescheitert. Der FC Sevilla spielt noch in drei Wettbewerben. Da kann es auch mal vorkommen, dass ein Nationalspieler zu Hause bleibt und geschont wird. Da meckert keiner. Auch die spanischen Journalisten gehen damit ganz anders als die deutschen Kollegen um.

Hat Jogi Löw schon mal bei Ihnen angerufen?

Nein. Aber ich hoffe, dass der Bundestrainer meine Entwicklung hier in Sevilla verfolgt. Nachdem ich die WM im eigenen Land verpasst habe, möchte ich unbedingt bei der EM 2008 dabei sein.

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