04.07.2012

Andreas Hinkel im Interview

»Die Bundesliga ist einfach geil«

Der frühere Nationalspieler Andreas Hinkel bleibt der Pechvogel der Liga: Seit er sich vor zwei Jahren das Kreuzband riss, kämpft Hinkel regelmäßig um neue Arbeitgeber und gegen Vorurteile. Im Interview spricht der derzeit vereinslose Hinkel über das Ende beim SC Freiburg und den Wert eines Ersatzspielers.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Andreas Hinkel, vor zwei Jahren verletzten Sie sich schwer, Diagnose: Kreuzbandriss. Was sagen Sie jenen Leuten, die behaupten,  Sie hätten sich von dieser Verletzung noch immer nicht erholt?
Dass sie sich irren. Ich bin schon lange wieder fit. Aber es war ein weiter Weg dahin. Eine solche Verletzung hatte ich vorher noch nie – die steckt man nicht einfach so weg. Besonders bitter war der Zeitpunkt, es passierte nämlich direkt nach dem Saisonstart im Training. Ich konnte erst sechs Monate später, im März, wieder mit der Mannschaft trainieren. Die Saison mit Celtic war für mich somit gelaufen.

Wenige Monate nach Ihrer Verletzungspause lief Ihr Vertrag aus…
…Richtig. Und die Ausgangslage war entsprechend schwierig, mir fehlte schließlich die Spielpraxis. In derartigen Fällen sind die meisten Vereine zurückhaltend. Jeder kennt den Satz: Die Zeit, die ein Profi wegen seiner Verletzung aussetzen musste, braucht er auch wieder, um seine alte Leistungsstärke zu erreichen. Vielleicht habe ich mir nicht die nötige Zeit genommen, um wieder so richtig in die Spur zu kommen. Auf der Insel spielt die Fitness eh eine andere Rolle.

Inwiefern?
Die lassen dich erst wieder ins Mannschaftstraining, wenn du körperlich topfit bist. In der Bundesliga heißt es dagegen oft: »So, du bist jetzt wieder einigermaßen auf der Höhe, die Restfitness holst du dir im Mannschaftstraining.«  In Schottland wird so etwas vorausgesetzt. Steigst du nach einer Verletzung wieder ins Teamtraining ein, fehlen dir normalerweise lediglich Spritzigkeit und Automatismen, mehr nicht.

2006 wagten Sie den Schritt in die Primera Division. Mit dem FC Sevilla gewannen Sie gleich in Ihrer ersten Saison den Uefa-Cup und den spanischen Pokal.
Das war die beste Mannschaft, in der ich jemals gespielt habe. Zwar durfte ich nicht in jedem Spiel auflaufen, doch insgesamt bin ich immer auf meine Spiele gekommen. Die Konkurrenz im Team war gigantisch, die Stimmung aber trotzdem großartig. Wir waren schon eine geile Truppe! Man braucht sich nur die Namen anschauen: Wo spielen zurzeit meine ehemaligen Mitspieler Adriano, Keita und Alves? Beim FC Barcelona! Kanoutè wurde 2007 zu »Afrikas Fußballer des Jahres« gewählt. Und das sind nur vier Beispiele.

Nach Ihren Stationen FC Sevilla und Celtic Glasgow wollten Sie unbedingt zurück in die Bundesliga – worin liegt für Sie der Reiz?
Der Wechsel hatte sowohl sportliche als auch familiäre Gründe. Die Bundesliga ist einfach geil – tolle Stadien, viele Zuschauer und eine hohe Qualität. Da wollte ich schon gern wieder mitmischen. Und: Ich bin in Glasgow Vater geworden, da schätzt man es schon sehr, wenn die Familie in der Nähe ist. Nach der Geburt unserer Kinder hat sich für mich der Stellenwert einiger Dinge verschoben. Ich kann nicht wie mit 22 nur auf die Karriere gucken, sondern muss auch Rücksicht nehmen auf die Wünsche meiner Familie. Ich bin kein Egoist, der seine Familie lediglich als Anhang betrachtet. Wir wollen alle Schritte miteinander abstimmen.

Im Oktober 2011 unterschrieben Sie zur Überraschung vieler einen Vertrag beim SC Freiburg. Sie standen in der Rückrunde allerdings nur einmal auf dem Platz. Würden Sie den Wechsel als Fehler bezeichnen?
Keinesfalls! Ich bin involviert gewesen in eine Mannschaft, die einen großen Charakter besitzt. Ich habe mich in Freiburg sehr wohl gefühlt. Der Klassenerhalt ist ein riesiger Erfolg, zu dem auch ich meinen Teil beitragen konnte – das freut mich ungemein. 

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