14.01.2008

Andreas Hinkel im Interview

„Ich denke nicht an die EM“

Hoffnungsvoll ging Andreas Hinkel vom VfB Stuttgart zum FC Sevilla. Doch dort verschwand er vollends aus Jogi Löws Blickfeld. Nun wagt er bei Celtic Glasgow einen Neuanfang – auch wenn der für eine EM-Nominierung zu spät kommen dürfte.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Herr Hinkel, woran sind Sie in Sevilla gescheitert?

Von Scheitern kann man meiner Meinung nach nicht sprechen. Es kommt auf den Blickwinkel an. Ich habe es in eineinhalb Jahren immerhin auf 32 Pflichtspieleinsätze gebracht. Das ist in keine schlechte Bilanz, wie ich finde. Man darf nicht vergessen, dass Sevilla eine Topmannschaft hat, laut eines internationalen Rankings war der FC Sevilla 2007 sogar der beste Klub auf der Welt.



Weshalb haben Sie dann Sevilla verlassen?

Zu Beginn der neuen Saison spielte ich noch. Aber dann nicht mehr. Es war klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Eigentlich hatte mich der Club im Sommer 2006 als Ersatz für Dani Alves geholt. Doch sein Transfer scheiterte. Dani ist vielleicht der weltbeste Außenverteidiger. Und trotzdem bin ich regelmäßig in der ersten Saison zum Einsatz gekommen. Im Sommer bot dann Chelsea angeblich 30 Millionen Euro für Dani. Aber auch diesmal ließ ihn Sevilla nicht ziehen. Das war für mich letztendlich das Zeichen dafür, dass sich meine Wege und die des FC Sevilla trennen müssen. Wenn sie Dani bei so einem Angebot nicht hergeben, wann dann, fragte ich mich.

Tut es weh, dass Sie in der deutschen Öffentlichkeit als ein in Spanien gescheiterter Spieler angesehen werden?


Ich habe mir bereits vor einiger Zeit angewöhnt, nichts zu lesen, was in den Zeitungen über mich steht. Man sollte versuchen, sich über sich selbst Gedanken zu machen und zu schauen, wo man steht und was man geleistet hat.

Was nehmen Sie aus der Zeit in Andalusien mit?

Generell war es eine sehr schöne Zeit. Meine Freundin und ich fühlten uns in Sevilla sehr wohl. Wir haben viele Freunde gefunden. Ich habe mich in Spanien weiterentwickelt.

Auch in fußballerischer Hinsicht?

Auf jeden Fall. Man lernt sehr viel, wenn man mit solchen Weltklasseleuten tagtäglich trainiert. Alle Spieler sind extrem ballsicher und können einen sehr hohen Rhythmus gehen. Das kann man nicht mit der Bundesliga vergleichen.

Dort hätten Sie bei Borussia Dortmund Ihre neu gewonnenen Fähigkeiten ausspielen können. Warum entschieden Sie sich gegen den BVB?


Es war keine Entscheidung gegen Dortmund, sondern eine für Celtic Glasgow.

Klingt höflich, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc stinksauer war.


Ich kann mich gut in ihn hineinversetzen. Ich glaube, eine Falschmeldung war hauptsächlich für seinen Ärger verantwortlich. Als ich nach Glasgow flog, um mir die Sache dort anzuschauen, stand im Live-Ticker schon, ich hätte bei Celtic einen Vertrag unterschrieben. Aber ich hatte zu dem Zeitpunkt weder bei Dortmund noch bei Celtic irgendetwas unterschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war nichts entschieden. Es ist doch mein gutes Recht, mir verschiedene Optionen offen zu halten. Immerhin war es eine sehr, sehr wichtige Entscheidung für meine weitere Karriere.

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