20.03.2007

Andreas Hinkel im Interview

„Ein komisches Spiel“

Nach dem Abbruch des spanischen Pokal-Viertelfinales vor zwei Wochen stehen sich Real Betis und FC Sevilla heute nochmals gegenüber – und das nur 33 Minuten lang. Wir sprachen mit Andreas Hinkel über die ungewöhnliche Partie.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Herr Hinkel, der FC Sevilla liegt mit 1:0 gegen Real Betis Pokal-Viertelfinale vorne. Und es sind nicht 90, sondern nur noch 33 Minuten zu spielen. Ihr Team wird wohl heute mit einem Torwart und zehn Abwehrspielern auflaufen?

Keine Ahnung, die Taktik mache ich ja nicht. Da müssen Sie schon meinen Trainer fragen, was er sich für dieses komische Spiel hat einfallen lassen.

Was dachten Sie, als vor drei Wochen Ihr Trainer von einer Plastikflasche im Nacken getroffen wurde, bewusstlos am Boden lag und der Schiedsrichter daraufhin die Partie in der 57. Minute abbrach?

Dass wir zum Sieger erklärt werden und im Halbfinale stehen. Aber dann hat mir unser Torwart Andrés Palop noch in der Kabine von einer vergleichbaren Situation erzählt. Als er noch bei Valencia spielte, hat der Schiri vier Minuten vor Schluss mal eine Pokalpartie abbrechen müssen. Kaum zu glauben, aber die vier Minuten wurden zwei Wochen später nachgeholt. Hier in Spanien ist alles möglich, dachte ich mir, als ich das von Andrés hörte.



Sevilla ist aufgrund der Rivalität zwischen dem FC und Real Betis eine geteilte Fußballstadt. Vieles muss für Sie als braven Schwaben doch befremdlich wirken?

Es spielen sich wirklich unglaubliche Dinge ab. Vor dem Pokalspiel hat jemand unsere Kabine mit Natronlauge und Ammoniak behandelt. Das hat wahnsinnig gestunken. Unseren Zeugwart, der als erster reingehen wollte, hat es fast umgehauen. Aber so etwas passiert hier eben. Damit muss man leben. Ein paar von meinen Mitspielern sind überzeugt davon, dass die Betis-Fans es eher verkraften würden, wenn ihr Verein absteigt, als wenn wir Meister werden. Keine Ahnung, ob das wirklich so ist. Auf jeden Fall hat es den Betis-Anhängern nicht gepasst, dass wir im Uefa-Cup gegen Donezk doch noch weitergekommen sind.

Auch das war ein verrücktes Spiel, mit einem Kopfballtor von Torhüter Palop in der Nachspielzeit. Sie mussten das glückliche Ende von der Bank aus verfolgen.

Ich habe eine Stunde lang auf der rechten Seite hinter Daniel Alves meinen Part erledigt und ein ordentliches Spiel gemacht. Wir mussten mehr Druck nach vorne machen, um weiter zu kommen. Daher brachte der Trainer einen offensiven Mann für mich.

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