Andreas Herzog über Marko Arnautovic

»Einer wie Basler«

Österreichs U-21-Trainer Andreas Herzog gehört zu den großen Bewunderen von Bremens Marko Arnautovic. Wir sprachen mit dem Ex-Werderaner über Macken, Erziehungsmaßnamen und das besondere hanseatische Umfeld. Andreas Herzog über Marko Arnautovic

Andreas Herzog, während der Vorbereitung zauberte Marco Arnautović Sorgenfalten auf die Stirn der Bremer, zum Saisonstart zaubert er nur noch auf dem Platz. Was darf man nun von ihm erwarten?

Er ist schon ein Typ, der polarisiert – keine Frage. Er ist genial am Ball und vereint einfach alles, was man im modernen Fußball braucht. Aber sagen wir es mal so: Er weiß aufgrund seiner Jugend hin und wieder noch nicht genau, wie er in der ein oder anderen Situation handeln sollte.

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In Deutschland hieß es schnell, Arnautović sei ein schwieriger Charakter, Torsten Frings kritisierte öffentlich sein Auftreten. Ist er tatsächlich so arrogant, wie er nach außen wirkt?

Nein. Wenn er arrogant wäre, dann würde er das auch den Mitspielern zeigen. Er ist von Inter Mailand zur österreichischen U 21 gekommen und war bei uns auf Anhieb ein gut integriertes Mitglied der Truppe. Er hat natürlich auch einen Vorbild-Status, weil alle meine Spieler einmal zu den Vereinen kommen wollen, bei denen er schon war. Aber das Wichtigste ist, dass er sportlich sehr gut war. Das ist für mich entscheidend.

Seit wann verfolgen Sie Arnautović schon und welche Entwicklung können Sie feststellen?

Ich kenne ihn seit der U-19-Europameisterschaft 2007 in Österreich. Da war er leider nicht so gut und ist dann ja auch ausgeschlossen worden (Arnautović sah im zweiten Gruppenspiel die rote Karte, Österreich schied anschließend aus, d. Red.). Damals waren die Erwartungen an ihn sehr hoch und kurz vorher war er zudem gesundheitlich angeschlagen. Als ich ihn das nächste Mal gesehen habe, war ich sogar ein bisschen enttäuscht – da habe ich zwar gemerkt, dass er ein Riesentalent ist, aber überzeugt hat er mich nicht. Dann habe ich ihn als Assistent der A-Nationalmannschaft in der CL-Qualifikation gegen Arsenal London beobachtet und war schwer von ihm beeindruckt. Diese Meinung habe ich bis jetzt immer noch.

Im »Standard« bezeichneten Sie Arnautović als das »größte österreichische Talent der letzten Jahrzehnte«. Haben Sie keine Angst, dass solch ein Lob seinem Selbstbild schaden könnte?

Das ist doch Sache des Spielers. Ich kann ihn genauso gut hart kritisieren. Das bringt ihm nichts, mein Lob bringt ihm auch nichts. Ich habe einfach meine Meinung gesagt, und wenn er erfolgreich sein will, dann muss er mit so etwas umgehen können. In Österreich bin ich für die Aussage kritisiert worden. Ich habe aber nicht gesagt, dass Marko der größte Spieler ist, der je da war. Ich habe gesagt, dass er das größte Potential hat, das je da war. Und dazu stehe ich weiterhin.

Sie betonen sein enormes Potential. Wo sehen Sie die größten Reserven?

Man darf nicht vergessen, dass er bei Inter Mailand ein Jahr nicht gespielt hat. Erst war er verletzt und dann Ersatzspieler, dadurch hat er nicht die Spielpraxis, die man in diesem Alter braucht. Ich würde vielleicht sagen, dass er noch torgefährlicher werden müsste. Aber am vergangenen Wochenende hat er zwei Tore geschossen. Seine wunderschönen Dribblings, die zum Teil ein bisschen arrogant wirken, müsste er vielleicht etwas abstellen ­– aber wenn er trifft, dann ist das alles in Ordnung.


Sie kennen Bremen aus Ihrer Zeit als Spieler. Herrschen bei Werder die Bedingungen, die Arnautović in dieser Phase seiner Karriere braucht? Oder besteht die Gefahr, dass er sich im beschaulichen Bremen langweilt?

Für mich ist sein Wechsel zu Werder die ideale Lösung. Bremen ist für einen jungen Spieler ein sehr guter Verein, wo er auf Top-Niveau weiter ausgebildet wird. Für sein Alter und seine Entwicklungsstufe ist er dort sicherlich am besten aufgehoben. Ich habe zu ihm gesagt: »Pass auf, wenn du es unter Thomas Schaaf bei Werder nicht schaffst, dann wird es für dich in Zukunft ganz, ganz schwer werden – trotz deines außergewöhnlichen Potentials«.

Sie haben noch mit Thomas Schaaf und Klaus Allofs zusammengespielt. Viele trauen den Bremer Machern zu, dass sie Arnautović prägen können. Was zeichnet diese beiden aus?

Sie sind absolute Fachleute, haben ihre Meinungen und ihre Art miteinander zu arbeiten. Beide sind in Bremen schon sehr lange am Ruder, das zeugt von einer sehr guten Zusammenarbeit. Bei Werder geht man miteinander durch dick und dünn – das ist für Marko natürlich eine gute Geschichte. Ich bin davon überzeugt, dass er sich durchsetzen wird.

Wie gehen Sie als Trainer mit einem Spieler wie Arnautović um? Setzten sie auf Toleranz oder Härte?

Natürlich ist Marko ein sehr extrovertierter Spieler, mit dem man vielleicht manchmal ein bisschen mehr reden muss. Jeder Spieler braucht eine andere Behandlung, dafür braucht man ein Gespür. Bei ihm würde man mit extremer Strenge allein nicht viel erreichen. Jeder Spieler hat gewisse Freiheiten und zwar ganz unterschiedliche. Aber wenn man miteinander erfolgreich sein will, braucht man von jedem Spieler die Stärken – die Schwächen müssen von den anderen dann ein bisschen kaschiert werden. Das ist das, was Otto Rehagel perfekt konnte und ihn als Trainer erfolgreich gemacht hat. Auch Marko muss wissen: Das sind die Regeln, soweit kann ich gehen, aber nicht darüber. Das wird sonst mühsam. 

Auch Sie haben als Aktiver Erfahrungen mit besonderen Typen gemacht...

Mit dem Mario Basler war es dasselbe in grün. Der Mario hat seine Freiheiten gehabt, ganz logisch. Das Entscheidende ist aber doch immer, dass du Leistung bringst. Beim Mario war es einige Male ziemlich eng, im entscheidenden Moment hat er dann aber immer wichtige Tore gemacht. Das wird der Marko auch lernen: zunächst die Leistung sprechen lassen und alles andere ein bisschen ruhiger angehen. Aber das kommt alles von alleine.

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