01.09.2010

Andreas Herzog über Marko Arnautovic

»Einer wie Basler«

Österreichs U-21-Trainer Andreas Herzog gehört zu den großen Bewunderen von Bremens Marko Arnautovic. Wir sprachen mit dem Ex-Werderaner über Macken, Erziehungsmaßnamen und das besondere hanseatische Umfeld.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Andreas Herzog, während der Vorbereitung zauberte Marco Arnautović Sorgenfalten auf die Stirn der Bremer, zum Saisonstart zaubert er nur noch auf dem Platz. Was darf man nun von ihm erwarten?

Er ist schon ein Typ, der polarisiert – keine Frage. Er ist genial am Ball und vereint einfach alles, was man im modernen Fußball braucht. Aber sagen wir es mal so: Er weiß aufgrund seiner Jugend hin und wieder noch nicht genau, wie er in der ein oder anderen Situation handeln sollte.



In Deutschland hieß es schnell, Arnautović sei ein schwieriger Charakter, Torsten Frings kritisierte öffentlich sein Auftreten. Ist er tatsächlich so arrogant, wie er nach außen wirkt?

Nein. Wenn er arrogant wäre, dann würde er das auch den Mitspielern zeigen. Er ist von Inter Mailand zur österreichischen U 21 gekommen und war bei uns auf Anhieb ein gut integriertes Mitglied der Truppe. Er hat natürlich auch einen Vorbild-Status, weil alle meine Spieler einmal zu den Vereinen kommen wollen, bei denen er schon war. Aber das Wichtigste ist, dass er sportlich sehr gut war. Das ist für mich entscheidend.

Seit wann verfolgen Sie Arnautović schon und welche Entwicklung können Sie feststellen?

Ich kenne ihn seit der U-19-Europameisterschaft 2007 in Österreich. Da war er leider nicht so gut und ist dann ja auch ausgeschlossen worden (Arnautović sah im zweiten Gruppenspiel die rote Karte, Österreich schied anschließend aus, d. Red.). Damals waren die Erwartungen an ihn sehr hoch und kurz vorher war er zudem gesundheitlich angeschlagen. Als ich ihn das nächste Mal gesehen habe, war ich sogar ein bisschen enttäuscht – da habe ich zwar gemerkt, dass er ein Riesentalent ist, aber überzeugt hat er mich nicht. Dann habe ich ihn als Assistent der A-Nationalmannschaft in der CL-Qualifikation gegen Arsenal London beobachtet und war schwer von ihm beeindruckt. Diese Meinung habe ich bis jetzt immer noch.

Im »Standard« bezeichneten Sie Arnautović als das »größte österreichische Talent der letzten Jahrzehnte«. Haben Sie keine Angst, dass solch ein Lob seinem Selbstbild schaden könnte?

Das ist doch Sache des Spielers. Ich kann ihn genauso gut hart kritisieren. Das bringt ihm nichts, mein Lob bringt ihm auch nichts. Ich habe einfach meine Meinung gesagt, und wenn er erfolgreich sein will, dann muss er mit so etwas umgehen können. In Österreich bin ich für die Aussage kritisiert worden. Ich habe aber nicht gesagt, dass Marko der größte Spieler ist, der je da war. Ich habe gesagt, dass er das größte Potential hat, das je da war. Und dazu stehe ich weiterhin.

Sie betonen sein enormes Potential. Wo sehen Sie die größten Reserven?

Man darf nicht vergessen, dass er bei Inter Mailand ein Jahr nicht gespielt hat. Erst war er verletzt und dann Ersatzspieler, dadurch hat er nicht die Spielpraxis, die man in diesem Alter braucht. Ich würde vielleicht sagen, dass er noch torgefährlicher werden müsste. Aber am vergangenen Wochenende hat er zwei Tore geschossen. Seine wunderschönen Dribblings, die zum Teil ein bisschen arrogant wirken, müsste er vielleicht etwas abstellen ­– aber wenn er trifft, dann ist das alles in Ordnung.
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