Andreas Herzog im Interview

»Wir haben kein Wunderteam«

Was Andreas Herzog wohl am Dienstag macht? Fährt er in die Sommerfrische, oder muss der Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft sich fürs Viertelfinale rüsten? Wir sprachen mit ihm über seine Wochenplanung. Andreas Herzog im InterviewImago

Herr Herzog, was machen Sie am Dienstag: in den Urlaub fahren oder als Assistent von Josef Hickersberger die ÖFB-Elf auf das EM-Viertelfinale vorbereiten?

Ich hoffe natürlich Letzteres. Aber das deutsche Team ist klarer Favorit im Kampf um den Einzug ins Viertelfinale. Deutschland war ja eigentlich auch der Favorit auf Platz eins in unserer Gruppe. Nach der Niederlage gegen Kroatien steht die Mannschaft von Jogi Löw jetzt unter einem irrsinnigen Druck.

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Die Erwartungshaltung der österreichischen Fußball-Fans ist mittlerweile auch erstaunlich hoch.

Das kann man nicht miteinander vergleichen. Noch vor ein paar Wochen hieß es: In der Weltrangliste auf Platz 102 - was wollen die eigentlich bei einer EM. Deshalb lautete zunächst einmal unser Ziel, sich halbwegs positiv zu präsentieren. Und das ist uns schon zweimal geglückt. Es ist ein kleines Erfolgserlebnis, dass wir uns überhaupt bis zum letzten Spieltag die Chance bewahrt haben, ins Viertelfinale aufsteigen zu können. Für die Schweizer war die EM bereits nach ein paar Tagen vorbei. Das ist ein Horrorszenario für ein Gastgeberland.

Mit ein paar Tagen Abstand zum Polen-Spiel, was überwiegt, die Freude über den Ausgleich in letzter Minute gegen Polen oder der Frust über die vielen vergebenen Chancen?

In der Halbzeit war der Frust groß. Aber nach dem Schlusspfiff waren wir schon glücklich, den ersten Punkt bei der EM geholt zu haben.

Vor ein paar Wochen war die österreichische Nationalmannschaft für viele eine Lachnummer - auch im eigenen Land. Inzwischen wird sie ernst genommen. Was ist passiert?


Die Mannschaft hat sich sukzessive gesteigert. Man darf nicht vergessen, dass die Spiele vor dem EM-Start nur Freundschafts- und keine Qualifikationsspiele waren. Beim Spiel gegen Deutschland im Februar haben wir in der ersten Halbzeit schon gut gespielt. Aber es fehlte noch die Konstanz. Wichtig war, dass Leistungsträger wie Stranzl, Pogatetz oder Ivanschitz bei der EM fit sind. Und dann ist sicherlich von Vorteil, dass wir die längste Vorbereitung aller Teams hatten.

Entsprechend stark präsentierte sich bislang Ihr Team in physischer Hinsicht. Wie groß ist der Kräfteverlust?

Groß. Aber die Jungs sind konditionell sehr stark.

Im Abschluss hapert es allerdings.


Das liegt an der fehlenden Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit. Aber das ist ja auch kein Wunder. Schauen Sie: ein Markus Rosenberg ist bei Werder Bremen Stammspieler und sitzt bei Schweden nur auf der Bank. Unser Martin Harnik spielt bei den Werder-Amateuren und steht in der Anfangsformation der österreichischen Nationalmannschaft. Das sagt doch viel aus.

Mal Hand aufs Herz: Hätten Sie vor einem Jahr gedacht, dass das österreichische Team beim Einzug ins EM-Viertelfinale ein Wörtchen mitreden kann?

Auf jeden Fall. Es waren harte Zeiten, wir mussten viel Kritik einstecken. Mir war damals klar, dass wir keine Wundermannschaft haben. Aber ich wusste, dass Potenzial in dem Team steckt.

Dieser Tage wird wieder viel über die deutsche Schmach von Cordoba gesprochen. Welche Bedeutung hätte für Österreichs Fußballseele ein Sieg gegen Deutschland in Wien?

Ich glaube, das hätte einen noch höheren Stellenwert als Cordoba, weil es ein Sieg bei einem großen Turnier im eigenen Land wäre.

Würde die ÖFB-Elf tatsächlich die Sensation schaffen, müsste sie im Viertelfinale nicht in Wien, sondern in Basel gegen Portugal antreten.

Das wäre sicherlich ein kleiner Wermutstropfen. Andererseits hat niemand auch nur im Entferntesten davon zu träumen gewagt, dass wir Gruppenerster werden und damit ein EM-Viertelfinalspiel in Wien erleben dürfen.

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