Andreas Herzog im Interview

„Drei Arschwackler reichen nicht“

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Heft #64 03 / 2007
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Andi Herzog, die NASL wurde aufgrund ihres Mangels an Klasse spöttisch als „Operettenliga“ bezeichnet. Lässt sich das Niveau in der seit 1996 existieren Major Soccer League (MSL) mit den Ligen in Europa vergleichen?

Mit den kleineren Ligen in Europa ganz sicher. Aber um mit den dominierenden Ligen wie England, Spanien und Deutschland mitzuhalten, fehlt dem US-Soccer schlicht und einfach das Budget.

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Mussten Sie sich umstellen, um in der MSL zurecht zu kommen?

Nein, Fußball wird dort heute genauso gespielt wie in Europa. Das einzige, was im Vergleich seltsam anmutet, sind die gigantischen Spielstätten. Die meisten Vereine spielen in Football-Arenen, die für 80.000 Menschen und mehr ausgelegt sind, aber selten kommen mehr als 15.000 Fans.

Wie ist das Prozedere um die Spiele herum?

Deutlich aufwändiger als in Europa, eher wie bei einem Länderspiel. Die Nationalhymne wird gespielt, und die Spieler werden einzeln vorgestellt. Es kam mitunter vor, dass zwischen Aufwärmen und Anpfiff fast eine halbe Stunde verging. Dabei kommt man als Profi schnell aus dem Rhythmus.

Wie populär waren Sie als Topstar aus Europa in den USA?

Auf der Straße hat mich kein Mensch erkannt, was ich zunächst als Vorteil empfand. Leider wirkt sich dieser Mangel an Begeisterung auch auf die Atmosphäre in den Stadien aus: Gesänge wie in europäischen Arenen hört man so gut wie nie, dafür gibt es aber auch keine Gewalt.

Ihr Ex-Verein, die Los Angeles Galaxy, hat gerade David Beckham unter Vertrag genommen. Passt der Glamour-Boy in die Filmstadt?

Er findet ein perfektes Umfeld vor: wunderbare Trainingsbedingungen, ein Traumstadion, viele Stars, ideale Lebensumstände – insbesondere auch für seine Frau (lacht). Für einen Mann mit seiner Strahlkraft hätte sich sonst nur noch eine US-Stadt angeboten: New York.

Charakterlich kommt ihm der Wechsel also entgegen, sportlich auch?

Er wird sich beweisen müssen. Die Erwartungen sind extrem hoch, und die US-Spieler sind taktisch und was die Fitness anbetrifft in Topform. Es reicht längst nicht mehr wie zu Pelés Zeiten, dass einer dreimal mit dem Arsch wackelt und schon hat er fünf Gegner umdribbelt.

Die Spieler der New York Cosmos verkehrten regelmäßig im legendären New Yorker Club „Studio54“. Gibt es etwas Vergleichbares für die heutigen Kicker der Los Angeles Galaxy?

Nein. Ich hab nur einige Mal an Treffen der Exil-Österreicher in Arnold Schwarzeneggers Restaurant „Schatzi On Main“ teilgenommen, die immer am ersten Montag im Monat stattfinden. Dort gab es dann Schnitzel und einen Heurigen – und einige Showgrößen zum Beispiel aus der Serie „Seinfeld“ waren auch da.

Und Arnie höchstpersönlich?

Nein, nur sein Neffe.

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Bisher erschienen: Gerd Müller www.11freunde.de/international/100398, Bernd Hölzenbein www.11freunde.de/international/100399, Karl-Heinz Granitza www.11freunde.de/international/100459 und Klaus Toppmöller www.11freunde.de/international/100461 über ihre Zeit in der NASL.

In der Flimmerkiste: Schlüsselszenen aus der Geschichte des US-amerikanischen Fußballs www.11freunde.de/flimmerkiste .

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