Andreas Görlitz über Musik

»Erste LP von Hasselhoff«

Fußball, Fußball, immer nur Fußball – dabei haben manche Profis viel mehr zu bieten. Ingolstadts Andreas Görlitz ist Gitarrist der Band »Room 77« und sprach mit uns über musikalische Jugendsünden und Groupies vor der Bühne. Andreas Görlitz über Musik

Andreas Görlitz, was war Ihre erste Platte?

Oh, das weiß ich noch ganz genau: David Hasselhoff – Everybody sunshine.


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Ein wahrer Klassiker! Mit welcher Musik sind Sie außerdem aufgewachsen?

Bis zum zwölften Lebensjahr mit der Musik meiner Eltern, da habe ich mir viel ABBA und Boney M. reingezogen. Danach hat sich dann mein eigener Musikgeschmack entwickelt.

Was waren Ihre Favoriten?

Das ist ein bisschen witzig. Es gab eine Zeit, da hab ich relativ viel Techno gehört.

Sie scherzen.

Nein. Sagt Ihnen Gigi D´Agostino etwas? Als ich mit 15, 16 Jahren in die Disco gegangen bin, war das ein Riesenkracher. Das hat man dann auch mal im Auto gehört…

Während einer Verletzungspause haben Sie das Gitarrespielen gelernt. Was war Ihre Motivation – Langeweile oder Leidenschaft?

Schwer zu sagen. Einerseits hat mich das Gitarrespielen schon immer gereizt, andererseits war ich aber bis zur Verletzung immer zu faul, um anzufangen. Ausschlaggebend war letztlich mein damaliger Reha-Trainer, der gemerkt hat, dass ich etwas frustriert war; er hat mich dazu ermutigt. Das war eine gute Ablenkung, etwas, das ich für mich gemacht habe, wo ich Energie reinstecken konnte.

Haben Sie Unterricht genommen?

Nein, ich habe mir eine Akustikgitarre und ein Lehrbuch mit CD gekauft – das Spielen habe ich mir selbst beigebracht. Ich habe jeden Tag geübt, das ging recht flott. Nach zwei, drei Monaten hatte ich dann allerdings eine Phase, in der es nicht mehr richtig weiter ging. Da habe ich mir eine E-Gitarre samt Verstärker gekauft. Das war lauter, beim Spielen hat man mehr gespürt.

Vor fünf Jahren haben Sie Ihre Band gegründet. Wie hat sich »Room 77« entwickelt?

Erstmal habe ich mich mit meinem Bruder und Freunden bei mir im Keller getroffen – ich an der Gitarre, mein Bruder als Sänger, der hat eine spitzen Stimme. Später haben wir bei unseren Eltern im »Stadl« einen Proberaum gebaut und in der Zwischenzeit die restlichen Bandmitglieder gefunden.

Die Karriere konnte losgehen…

Sozusagen. Zuerst haben wir nur Cover-Songs gespielt – U2, Green Day, so etwas in der Richtung. Das ist sehr gut, um das Zusammenspiel als Band zu üben. Später haben wir dann eigene Ideen gesammelt. In der Zwischenzeit hatte ich mich mit Studiotechnik auseinandergesetzt und konnte die Stücke semiprofessionell aufnehmen. Aus Demos wurden dann irgendwann zwei ausgereifte Songs, die wir professionell aufnehmen wollten.



Sie haben sich einen Produzenten gesucht.

Ja, das war während der Zeit in Karlsruhe. Damals habe ich in einem bestimmten Musik-Shop eingekauft und bin eines Tages mit einem Verkäufer ins Gespräch gekommen, der ein Studio in der Nähe von Karlsruhe hatte. Thomas Lichtenwalter ist bis heute unser Mitproduzent und Manager.

Wie liefen die ersten Recording-Sessions?

Ursprünglich wollten wir nur einen Song aufnehmen. Das hat uns dann aber so viel Spaß gemacht, dass wir direkt eine EP mit fünf Tracks gemacht haben. Als die im Kasten war, hat uns das immer noch nicht gereicht, also haben wir in zwei Monaten weitere fünf Songs geschrieben. So ist unser erstes Album entstanden.

Sie machen aber nicht nur Platten, sondern spielen auch live.

Ja, allerdings nicht besonders häufig. Unser erster Auftritt mit »Room 77« war in Karlsruhe, damals selbst organisiert. Es waren ein paar Freunde und Kollegen aus der Mannschaft da. Mittlerweile haben wir ungefähr 15 Gigs absolviert.

Vor kurzem waren Sie sogar Vorband von AC/DC. Wie kamen Sie zu dieser Ehre?

Wir haben mit ein paar Bayern-Spielern das Video zu unserer Single »Hope« gedreht – ein Song für das SOS-Kinderdorf. Wolfgang Nadvornik, ein Freund von mir, der bei dem Video Regie geführt hat, kannte den Tourveranstalter und hat uns ins Gespräch gebracht. Der Tourveranstalter wiederum fand unser Engagement toll – und schon standen wir vor AC/DC auf der Bühne.

Sie haben außerdem ein Festival mit den Donots organisiert? Nicht gerade ein kleiner Fisch in der Rocklandschaft. Wie haben Sie den an Land gezogen?

Durch Eigeninitiative. Ich habe die Band angeschrieben, anschließend gab es einen regen Email-Verkehr: Die wollten natürlich erstmal mehr Geld, was wir allerdings nicht zahlen konnten. Irgendwann wussten die, dass ich Andi Görlitz bin – das hat es vielleicht ein bisschen einfacher gemacht. Aber es war nicht so, dass die Band mir einen Gefallen getan hätten. Wir haben die Donots regulär gebucht.

Gab es auch mal einen Pannen-Auftritt?

Sicher! Irgendwann hat mich mal jemand für ein »In-Ear-System« (ein Kopfhörer-System für Bands, das den Sound auf der Bühne verbessern soll, Anm. d. Red.) begeistert. Ich habe dann so ein System für die ganze Band gekauft, allerdings nicht daran gedacht, dass man dafür einen professionellen Mischer braucht. Anstatt dessen habe ich einen Kumpel gefragt, der überhaupt keine Ahnung von Mischpulten hatte.

Keine gute Idee.

Wirklich nicht. Während des Auftritts ging in unseren Ohren alles drunter und drüber. Der Auftritt war fürchterlich, danach waren wir eine Woche lang richtig deprimiert. Aber auch solche Erfahrungen muss man machen…



Andreas Görlitz, Hand aufs Herz – wie läuft das mit den Groupies? Rennen die Damen Ihnen die Türen ein?

Nein, das geht noch (lacht). Dadurch, dass sich die Kollegen immer nach mir richten müssen, sind unsere Auftritte häufig sehr kurzfristig. Daher ist der Ansturm immer unterschiedlich.

Wie kommt Ihre Platte in der Musikbranche an?

In einigen »Fachzeitschriften« gab es recht positive Kritiken. Live haben wir allerdings noch Steigerungspotential. Gemessen an unserer geringe Auftrittserfahrung, hören wir uns aber schon sehr professionell an.

Und beim Publikum?

Gut! Einige Zuschauer kommen natürlich nur, weil sie sehen wollen, wie sich der Fußballer auf der Bühne anstellt; andere interessieren sich wirklich für die Musik.

Sind Ihre Kollegen von dem »Promi« Andreas Görlitz genervt?

Nein, überhaupt nicht! Wir sind alle wirklich gut befreundet. Die Jungs haben auch Vorteile durch meine Bekanntheit, wir hatten dadurch schon richtig tolle Auftritte.

Ist Fußball in der Band ein Thema?

Eher weniger. Wenn sie Zeit haben, schauen sich die Jungs meine Spiele an. Außerdem spielen wir in den Bandpausen ein bisschen »Ball-Hochhalten«, allerdings mehr schlecht als recht. Wirklich fußballbegeistert sind meine Kollegen aber nicht.

Sehen Sie Parallelen zwischen Fußball und Musik?

In beiden Bereichen will man sich ständig verbessern. Und wenn man wirklich gut werden will, muss man hart arbeiten und viel Zeit investieren. Es kommt einem nichts zugeflogen, man muss sich ständig weiterentwickeln.

Können Sie sich vorstellen den Fußball für die Musik aufzugeben?

Nein, auf keinen Fall. Momentan ist die Musik ein ernstes Hobby für mich, aber der Fußball und der FC Ingolstadt stehen klar im Vordergrund, dem ordne ich alles unter.

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