04.08.2007

Andreas Görlitz im Interview

„Ich habe viel dazu gelernt“

Andreas Görlitz wurde einst als Riesentalent auf der rechten Verteidigerposition gefeiert. Doch seine Münchner Zeit war von schweren Verletzungen geprägt. Nun wagt er in Karlsruhe den Neuanfang. Was traut er sich noch zu?

Interview: Christoph Ries Bild: Imago
Was unterscheidet Andreas Görlitz heute vom 21-jährigen Nachwuchstalent des FC Bayern damals?

Ich habe durch die Verletzung viel dazu gelernt. Diese Zeit hat mich persönlich sehr geprägt. Wenn alles positiv läuft, macht man sich eben weniger Gedanken. Ich habe gelernt, Kleinigkeiten mehr zu schätzen und zu respektieren. Auch wenn ich verletzt war, ging es mir trotzdem gut, weil meine Familie gesund war, weil ich gesund war – von meinem Knie mal abgesehen. Wenn man sich damit ein bisschen auseinandersetzt, merkt man schnell, dass es deutlich schlimmere Sachen gibt als eine Verletzung. Das ist nichts, was einen umbringt. Man darf den Blickwinkel auf die Prioritäten des Lebens nicht verlieren. Es gibt viele Leute, denen es deutlich schlechter geht als uns.

Der FC Bayern ist dazu verdammt, Meister zu werden. Sind Sie froh, diesem Druck entgangen zu sein?

Positiver Druck kann nie schlecht sein. Es zeugt von einem gewissen Respekt, wenn jeder von dir erwartet, dass du Meister wirst. Für Neuzugänge wie mich ist es natürlich leichter, wenn erst mal nicht so viel erwartet wird. Wobei das im Falle des KSC kaum zutreffend ist. Auch hier sind die Erwartungen an uns gestiegen. Wir wollen das Niveau aus der letzten Saison bestätigen und uns weiter verbessern. Einen gewissen Druck haben wir hier in Karlsruhe also auch, gerade weil die Fans nach dem Aufstieg so euphorisch sind.

Sie tragen in Karlsruhe ihre Lieblings-Rückennummer »77« (Name der Band von Andreas Görlitz, d. Red.). In München war es die 18. Bietet der KSC jungen Spielern mehr Freiräume für die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit als der FC Bayern?

Gleich bei meinem ersten Gespräch mit dem KSC hat mich Manager Rolf Dohmen gefragt, welche Rückennummer ich haben möchte. Also habe ich mich für meine Lieblingsnummer entschieden. Wenn ich nach der Saison zurück nach München gehe, werde ich auch wieder um die 77 bitten. Ob ich sie auch kriege, ist eine andere Frage. Damit beschäftige ich mich aber jetzt noch nicht.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie dem Heimspiel gegen die Bayern entgegen?

Grundsätzlich freue ich mich auf alle Spiele, nicht nur auf das gegen die Bayern. Das Derby gegen Stuttgart wird wahrscheinlich noch brisanter als das Bayern-Spiel. Generell sind die Spiele gegen die großen Teams einfacher für uns. Auf das Wiedersehen mit meinen alten Kollegen freue ich mich natürlich besonders. Mal sehen, wer am Ende die Punkte mitnimmt...

Was muss passieren, damit Ihre Chancen auf einen Stammplatz in München größer sind als vor dem Ausleihgeschäft?

Ich will möglichst viele Spiele machen und mich im Training weiter entwickeln. Alles andere wird man sehen. Es geht mir darum, meine Qualitäten verbessern. Wenn ich mein altes Niveau von 2004 wieder erreiche, werden auch meine Chancen in München wieder steigen.

Ist die WM 2010 langfristig ein realistisches Ziel für Sie?

Das sind ja noch drei Jahre! So weit blicke ich nicht.

Auf ihrer Homepage prangt immer noch das Bayern-Logo. Werden Sie das Design wegen einer Saison ändern lassen?

Wenn sich jemand findet, der mir umsonst ein KSC-Design für die Seite entwirft, gerne!

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