04.08.2007

Andreas Görlitz im Interview

„Ich habe viel dazu gelernt“

Andreas Görlitz wurde einst als Riesentalent auf der rechten Verteidigerposition gefeiert. Doch seine Münchner Zeit war von schweren Verletzungen geprägt. Nun wagt er in Karlsruhe den Neuanfang. Was traut er sich noch zu?

Interview: Christoph Ries Bild: Imago
Herr Görlitz, Sie waren über zwei Jahre verletzt und mussten etliche Operationen über sich ergehen lassen. Was bedeutet Glück für Sie?

Nach so einer langen Verletzungszeit wieder spielen zu dürfen, hat nicht nur mit Glück zu tun. Es ist auch die Folge harter Arbeit. Bis zu einem bestimmten Level kann man Glück provozieren. Aber es nicht alles Zufall, was danach aussieht. Mein erstes Spiel nach der Verletzung war trotzdem ein Glücksmoment, keine Frage!

Warum ist Karlsruhe der richtige Ort für einen Neuanfang?

Der Wechsel zum KSC war eine Bauchentscheidung. Ich kannte den Verein ja kaum, mal abgesehen von dem, was ich über die Medien und von anderen Spielern mitbekommen habe. Im Nachhinein kann ich jetzt schon sagen, dass es die richtige Entscheidung war, weil hier einfach alles zusammen passt. Vom ersten Tag an gab es nie Probleme, weder privat noch sportlich. Auch das bedeutet Glück für mich.



Hat auch die geringere Medienpräsenz im Badischen ihren Teil dazu beigetragen?


Zuallererst stand die Frage im Raum, ob ich in München bleibe oder zu einem anderen Verein wechsele. Was die Medienpräsenz angeht, ist der FC Bayern zweifellos das Nonplusultra in Deutschland. Von daher war klar, dass ein Wechsel automatisch weniger Aufmerksamkeit für mich bedeutet. Trotzdem spüre, dass auch in Karlsruhe ein großes Interesse besteht - speziell an meiner Person. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich vom FC Bayern komme.

Nach Ihrem Kreuzbandriss im November 2004 durften Sie zweieinhalb Jahre kaum Fußball spielen. Warum hat die Reha so lange gedauert?

Es waren mehrere kleinere Verletzungen, die sich summiert haben, angefangen im November 2004 mit dem Kreuzbandriss, bei dem auch der Meniskus und ein Knorpel betroffen waren. Danach schien eigentlich alles wieder in Ordnung. Aber gleich im ersten Training hab ich mich erneut verletzt. Ein Teil vom Meniskus war eingerissen. Danach wieder Reha, noch ein Meniskusschaden, und noch mal Reha. So ging es das drei, vier Monate lang. Immer mal wieder stand eine OP an...

Waren Sie zu ehrgeizig?

Vielleicht kam mein erstes Comeback, sagen wir mal, um zehn Prozent zu früh. Die Naht, mit der der Meniskus genäht wurde, hielt den hohen Anforderungen eines Profis nicht stand. Sie ist immer wieder eingerissen, da konnte ich nichts machen. Die Ärzte hatten nur zwei Stiche gesetzt.

Gab es Momente, in denen Sie die Hoffnung aufgegeben hatten?

Ich hatte nur eine schwierige Phase, ganz am Ende, als die fünfte Operation anstand. Wenn du fünfmal operiert wirst, fängst du schon mal an, dir Gedanken zu machen. Da fragst du dich: Wird das noch mal was mit dem Profifußball? Diese Phase ging aber nach ein, zwei Wochen wieder vorbei. Glücklicherweise habe ich mich nach jedem Eingriff ein Stück sicherer gefühlt. Ich wollte immer positiv denken und wusste: jetzt eine reibungslose Reha, und ich bin wieder dabei.

Wie haben sich Ihre Teamkollegen in München verhalten? Hat jemand mal angerufen und gefragt, wie es Ihnen geht?

Während meiner Reha-Zeit war ich fast täglich auf dem Trainingsgelände der Bayern und habe mit den anderen Spielern gequatscht. Die wollten immer wissen, wie es mir geht. Die kennen ja das Gefühl, nur auf der Tribüne zu sitzen und nicht spielen zu dürfen.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus dieser Zeit für sich persönlich mitgenommen?

Man muss Geduld haben. Der Körper braucht seine Zeit, man kann nichts erzwingen. Ich habe nie große Ansprüche gestellt, auch vor der Verletzung nicht. Das Ziel, Nationalspieler zu werden, hatte ich beispielsweise nie. Das kam einfach so. Ich habe es immer so genommen, wie es kam. Heute weiß ich: Wenn es gut läuft, darfst du nicht anfangen, den großen Zampano zu spielen. Dafür ist nicht alles immer gleich schlecht, wenn es mal nicht so gut läuft. Ich habe gelernt, abzuwägen und realistische Ansprüche an mich selbst zu stellen.

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