12.03.2008

Andreas Brehme im Interview

»Jäggi war der Untergang«

Die alte Garde um Fritz Walter schwor sich, niemals ein Amt beim FCK zu bekleiden. Andreas Brehme traute sich – und wurde zum unglücklichsten Trainer der Vereinsgeschichte. Doch das war nur der Anfang von Ende. Hier blickt er zurück.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: imago
In der Folge wurde Otto Rehhagel sehr viel Macht übertragen. Zuviel?

Auf gar keinen Fall. Der Erfolg hat ihm doch recht gegeben. Dass wir nun Serienmeister werden, das konnte doch niemand von ihm verlangen. Unser Ziel musste es sein, uns für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Und das ist uns ja auch gelungen.

Man las ihm jeden Wunsch von den Augen ab, verpflichtete z. B. den Weltstar Djorkaeff. War zumindest dieser Transfer ein Fehler?

Er war immerhin ein Weltklassespieler – und hat das auch manchmal beim FCK gezeigt.

Brach der FCK aber durch solche Transfers nicht mit seiner Tradition?

Das Problem war nicht der Transfer an sich. Das Problem war, dass Djorkaeff sich geweigert hat, Deutsch zu lernen. Man kann nicht zwei Jahre in einem Land leben, ohne mit den Kollegen kommunizieren zu können. Das geht nicht!

Der Djorkaeff Transfer legt den Verdacht nahe: War nach der sensationellen Meisterschaft der Größenwahn ausgebrochen?

Die Leute haben gedacht, dass es immer so weiter geht und den FCK schon auf einer Stufe mit Bayern München gesehen. Man hätte den Bayern Paroli bieten können, wenn sie mal schwächeln. Dass man sich auf Augenhöhe gesehen hat, das war der Fehler.

Hätte jemand auf die Euphoriebremse treten müssen?


Ich habe das immer gesagt – als Spieler und auch als Trainer. Wenn vor der Saison eine Pressekonferenz stattfand kam von den 100 Journalisten immer die gleiche Frage: Wer wird Meister? Dann habe ich gesagt: Das spielen Bayern und Dortmund unter sich aus. Danach kommen Leverkusen, Stuttgart, der HSV und vielleicht auch wir. Mit Glück spielen wir am Ende international.

Das reichte einigen nicht.

Nein. Im Aufsichtsrat saßen Leute wie Hubert Keßler, die sagten: „Wir sind genauso gut bestückt wie die Bayern.“ Da muss ich mir an den Kopf packen. Damit macht man die Leute verrückt – und die Spieler erst recht.

Wird man beim FCK als Realist automatisch zum Miesmacher?

So ist es. Dabei habe ich doch lang genug beim FCK gespielt, um den Verein zu kennen. Gegenwärtig haben sie jedenfalls kaum noch einen im Vorstand, der sich mit Fußball auskennt. Du brauchst da Leute, die den Ball dreimal hochhalten können. Die da jetzt sitzen können das noch nicht mal mit der Hand.

Ab dem Jahr 2000 schwand aufgrund ausbleibender Erfolge Rehhagels Macht, und er trat schließlich zurück. Sie kehrten ein zweites Mal zurück, wurden Team-Manager, Reinhard Stumpf Trainer. Große Fußstapfen, in die Sie da traten, Herr Brehme.

Auf alle Fälle! Der Verein stand auf einem Abstiegsplatz. Und wenn man mit dem Herzen an dem Verein hängt, nimmt man diese Aufgabe schon sehr ernst.

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