Andrea Petkovic im Interview

»Fußballer sind behüteter«

Andrea Petkovic spielt heute ihr Halbfinal-Match bei den French Open. Was die Dame mit Fußball zu tun hat? Mehr als man denkt. In unserer Ausgabe 122 erzählte sie uns von ihrer Liebe zu Eintracht Frankfurt, ihrem Austausch mit Maik Franz und einer Ansage von Bastian Schweinsteiger.

Heft#122 01/2012
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Andrea Petkovic, Sie stammen aus der Nähe von Darmstadt und fiebern mit Eintracht Frankfurt. Wie kommt es dazu?
Mein Trainingsplatz lag zwar neben dem Böllenfalltor in Darmstadt, aber das Waldstadion war einfach noch mal eine Nummer größer. Die Jungs aus meiner Klasse waren alle Lilien-Fans, doch ich bin schon als Kind ständig nach Frankfurt gefahren, das fing zu der Zeit von Jay-Jay Okocha an.

Das waren die großen Tage der Eintracht, von denen viele Fans heute schwärmen.
Ja, danach ging es bergab. Doch gerade diese Underdogmentalität hat mich fasziniert. Die Eintracht hat ständig eins drüber bekommen, doch bis zum Schluss gekämpft. Und die Fans haben nie die Hoffnung verloren und weitergesungen. Spätestens da habe ich mein Herz an die SGE verloren.

Sie sind ständig auf der ganzen Welt unterwegs.
Kann man da die Bundesliga überhaupt noch verfolgen? Es ist schwierig, gerade wegen der Zeitunterschiede. Doch im Abstiegskampf der letzten Saison habe ich mitgefiebert, egal wo ich war. Ich werde nie vergessen, wie ich mir in Amerika den Wecker morgens um sechs Uhr gestellt habe, um einen Livestream zu sehen: vom trostlosen 0:0 gegen Kaiserslautern.

Spielt Fußball in der Tenniswelt eine Rolle?
Total. Wir waren in Cincinnati und plötzlich kam aus der Kabine der Männer ein Riesen-Gebrüll. Da spielte gerade Real Madrid gegen Barcelona, und alle sind durchgedreht.
Es gab viele Madrid-Fans, darunter natürlich Rafael Nadal, drei Barcelona-Fans - und alle hatten auf ihren Laptops einen Stream laufen. Die sind wie geisteskrank hin und her gelaufen, weil abwechselnd der Stream abgestürzt ist.

Sehen Sie Parallelen zwischen beiden Sport arten?
Ich denke, dass man bei allen Ballsportarten ein gutes Gefühl für den Ball entwickelt - egal für welchen. Fast alle Tennisspieler können ausgezeichnet Fußball spielen, zumindest die Männer. Ich habe auch genügend Fußballer Tennis spielen sehen - wie Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer, die sind nicht mal schlecht.

Wie steht es um Ihre fußballerischen Fähigkeiten?

Mies. Ich bin nicht für den Mannschaftssport gemacht und lieber selbst verantwortlich für die Ergebnisse, mir liegt das Eins-gegen-eins mehr.



Boris Becker hat mal gesagt: »Im Tennis jemanden zu besiegen, ist härter als im Fußball, weil man den Gegner emotional, körperlich und mental in die Knie zwingt.«
Stimmt, 70 Prozent der Spiele sind echte Psychokriege. Man saugt jede negative Regung des Gegenübers auf wie ein Schwamm, daran laben wir uns. Provoziert wird auch ohne Ende, ich habe mal mit 15 Jahren gegen eine Russin gespielt, die mich schon auf dem Weg zum Platz beschimpft hat. Ich glaube, im Fußball gibt es das auch.

Die früheren Manndecker hatten für jeden Stürmer den passenden Spruch.

Ich kenne Maik Franz sehr gut, wir haben den gleichen Mentaltrainer. Er hat das auch drauf, aber ok, Profisport ist kein Ponyhof. Man will den anderen zerstören, da gehören manchmal unlautere Mittel dazu. Maik ist außerhalb des Platzes total relaxed, auf dem Feld erkennt man ihn kaum wieder. Das ist bei mir ähnlich. Im Wettkampf nimmt man manchmal andere Persönlichkeiten an.

Im Fußballteam pusht einer den anderen, wie macht man das beim Tennis?
Ich versuche immer, eine Verbindung zum Publikum herzustellen, damit man die Energie behält. Das muss nicht immer positiv sein. Ich habe mal bei einem Turnier in Belgien drei Mal hintereinander gegen Belgierinnen gespielt. Das Publikum war gegen mich, aber das hat mich angespornt.

Oliver Kahn empfand das auch immer als Motivation.
Ja, da ist etwas dran. Ich muss sagen: Den Torhütern fühle ich mich sehr verbunden. Die ticken irgendwie wie ich. Ich mochte Oliver Kahn sehr, er war ehrlich.

Ist der Druck im Tennis höher als im Fußball?
Fußballer sind behüteter, weil der Verein alles übernimmt. Für jüngere Tennisspieler ist der Druck gewaltig, sie gehen ein finanzielles Risiko ein. Viele Talente geben auf, weil sie dadurch verkrampfen.

Wie war es bei Ihnen?
Als 2008 mein Kreuzband riss, brachen über acht Monate meine Einnahmen komplett weg. Doch in der Reha habe ich gemerkt, wie sehr mir Tennis fehlte und angefangen, für den Sport zu leben.

Sie absolvieren bis zu vier Konditions- und zwei Tenniseinheiten am Tag. Felix Magath würde Sie lieben.
Mit Magath habe ich noch nicht gesprochen, aber ich habe Kontakt zu Bruno Labbadia, der kommt auch aus Darmstadt. Bruno findet, dass man aus den Profis mehr herausholen könnte, aber das System Fußball ist nur auf einige wenige Trainingseinheiten angelegt. Dafür jammern die Fußballer zu viel und lehnen sich manchmal zu weit aus dem Fenster.

Wie meinen Sie das?
Bastian Schweinsteiger hat mich zu einer Partie Tennis herausgefordert und schon getönt, mich auch mit gebrochenem Schlüsselbein zu schlagen.
Da werde ich ihn wohl in die Schranken weisen müssen.

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