28.12.2007

André Trulsen im Interview

„Strapse und kurze Hosen“

André Trulsens gute Stube ist das Millerntor. Dort empfängt der frühere Spieler und heutige Trainer des FC St. Pauli seine Gäste. Doch richtig ungezwungen ging es nur im Klubheim bei Brigitte zu. Hier plaudert Trulsen aus dem Nähkästchen.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Hatten Sie als Spieler damals Kontakt zur autonomen Szene? Traf sich die auch in der »Blauen Nacht«?

Die nicht. Die hatten ihren eigenen Bereich, den ich so nicht kannte. Das habe ich nur ein wenig über Volker Ippig mitbekommen...

...der sagte, er sei im Training immer als »Gestörter« bezeichnet worden.

So wie er herumgelaufen ist, wurde er natürlich in eine Schublade gesteckt. Aber er hat sein Image auch kultiviert und forciert mit seinen langen Haaren und den Springerstiefeln.

Haben Sie ihm mal gesagt, dass er sich mal die Haare schneiden soll?


Nein, dafür war er viel zu selbstbewusst. Er war ein Typ, die genau bei uns reinpasste. Und durch ihn hatte die Öffentlichkeit was zu reden. Das wurde über eine Spielerperson nach außen getragen und über die Fanszene transportiert. Die konnten ihresgleichen in Volker auf dem Platz wieder finden, was letztlich auch dem Verein zu Gute kam.

Welcher Trainer, unter dem Sie gespielt haben, hat am Besten zum Millerntor gepasst?

Andreas Bergmann hat sich voll und ganz mit dem Klub und den Fans identifiziert. Er hat sich viel Zeit genommen, um auch das Umfeld mit einzubeziehen. Auch Helmut Schulte war bei den Fans auch sehr angesehen, weil er immer ein offenes Ohr für sie hatte.

Uli Maslo, mit dem Sie 1995 in die Bundesliga aufstiegen, fiel es schwerer.

Er hatte das Problem, dass die Fans am Anfang sehr wenig von ihm wussten. Hinzu kam, dass er Probleme mit seiner Außendarstellung hatte…

…sie meinen, weil er unter anderem im »Sportstudio« verkündete, er sei »stolz ein Deutscher zu sein.«

Das kam dazu, aber er wollte auch partout auf Viererkette umstellen, obwohl wir nicht die richtigen Typen dafür hatten. Aber rückblickend muss ich sagen, dass sich die Mannschaft unter keinem Trainer so weiter entwickelt hat, wie unter Maslo. Denn als das System klar erkennbar war, haben wir guten Fußball gespielt.

Wann wurde Ihnen erstmals bewusst, dass der FC St. Pauli ein besonderer Klub ist?

Es war ein langer Prozess. Ich war vom SV Lurup 1986 zum FC St. Pauli gekommen und hatte vorher im Schnitt vor 500 Zuschauern gespielt. Dann habe ich die Aufstiegsspiele zur 2. Liga als Zuschauer auf der Tribüne miterlebt und die Superstimmung mitbekommen. Dann waren wir kontinuierlich fünf Jahre am Stück erfolgreich, die nicht nur die Mannschaft für die Außendarstellung nutzte, sondern auch die Fans mit vielen außergewöhnlichen Aktionen, die von den Medien aufgegriffen wurden.

Was machte die Fans in dieser Periode aus?

Die Fans wurden in der Berichterstattung auch durch das aufkommende Privatfernsehen als stimmungsvoll, kreativ und friedlich präsentiert, weil sie die Mannschaft mit Gesang und auch lustigen Provokationen unterstützen – aber nie gewalttätig wurden.

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