28.12.2007

André Trulsen im Interview

„Strapse und kurze Hosen“

André Trulsens gute Stube ist das Millerntor. Dort empfängt der frühere Spieler und heutige Trainer des FC St. Pauli seine Gäste. Doch richtig ungezwungen ging es nur im Klubheim bei Brigitte zu. Hier plaudert Trulsen aus dem Nähkästchen.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
André Trulsen, Sie kennen den FC St. Pauli seit 1986. Was für Sie die schönste Zeit am Millerntor?

Die Anfangszeit als Spieler. Damals waren wir ein junges Team, das in die 2. Liga aufstieg und fast ausschließlich aus Hamburgern bestand. Mit dem sportlichen Erfolg entstand ein enormes Wir-Gefühl und die St. Pauli-Tugenden traten zutage: Einsatz, Leidenschaft, Kampfkraft, Herz.



Beschreiben Sie doch mal den Zusammenhalt im Team damals.

Das kann man mit der heutigen Zeit gar nicht mehr vergleichen. Damals war das Klubheim mit Wirtin Brigitte gleich nach dem Spiel der erste Anlaufpunkt. Das traf man die Fans im Ligaraum. Und besonders die Küche war für viele Spieler der Anziehungspunkt.

Was war in der Küche los?


Da wurde auch mal ein Bierchen mehr getrunken oder eine geraucht. Da gab es so eine Art Klüngel, fünf, sechs Spieler, die regelmäßig in der Küche abhingen. Ein paar Fans, die die Spieler kannten, kamen dann auch mal dort hin und hinterher zogen wir gemeinsam auf den Kiez.

Und da wurde dann ordentlich gezecht?

Wir hatten immer unsere Anlaufstellen, wie die »Blaue Nacht« mit ihrem Wirt Easy. So etwas wäre heute gar nicht mehr möglich, wo alle Spieler permanent wissenschaftlich ausgewertet werden und sich medizinischen Tests unterziehen müssen.

Gingen Sie damals in die Küche zum Biertrinken, weil es im Klubraum verpönt war?

Verpönt nicht. Es wurde nichts gesagt, wenn man mit einem Fan gesprochen hat und dabei ein Gläschen in der Hand hatte. Aber in der Küche konnten wir ausgelassener trinken und rauchen, weil es nicht gleich für jeden zu sehen war.

Steht die Wirtin Brigitte immer noch hinterm Tresen?


Nein, die ist vor drei Jahren ausgeschieden und hat jetzt eine Eckkneipe auf der Reeperbahn. Manchmal treffen sich auch ein paar Leute von damals noch bei ihr. Brigitte war schon eine Kultfigur – nicht nur für die Fans, auch für die Mannschaft.

So etwas wie die Mutter der Kompanie?


So ungefähr. Sie war schlagkräftig und rigoros. An manchen Tagen trug sie Strapse und kurze Hosen. Ein richtiges Pauli-Original. Und wenn ihr einer dumm kam, hat sie dem auch mal eine geknallt. Als es dann mit dem Bier auf der Tribüne anfing, ist sie mit dem Tablett dort herumgelaufen und hat die Gläser verteilt. Ich weiß gar nicht, ob man dafür überhaupt bezahlen musste.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden