03.06.2011

André Schürrle über Partys und die Nationalelf

»Disko konnte ich mir nicht oft erlauben«

Es läuft auch in der Nationalelf: Der Mainzer André Schürrle erzielte jüngst gegen Uruguay sein erstes Länderspieltor. Vor der Partie gegen Österreich spricht er über die Lust am Rennen, zehn Millionen Euro und Opfer, die ein Profi bringen muss.

Interview: Michael Rosentritt Bild: Imago
André Schürrle, wie fühlt man sich als Nationalspieler?

André Schürrle: Ob Sie es glauben oder nicht, ich muss mir auch immer mal wieder klarmachen, was das bedeutet. Das Spiel gegen Uruguay war ja erst mein drittes Spiel für Deutschland. Es dauert, ehe man wirklich sagen kann, dass man zum Team gehört. Ich bekomme jetzt langsam das Gefühl, Nationalspieler zu sein, und es ist ein tolles Gefühl. Aber es ist halt alles noch etwas neu für mich.



Ein Gefühl wie nach einem erfolgreichen Torschuss?

André Schürrle: Besser, viel besser. Obwohl: Ich schieße ja gerne Tore. Und na klar war das Tor gegen Uruguay ein ganz besonderes. Ein unvergesslicher Moment.

In Ihrer noch frischen Karriere muss es ja nur so wimmeln von solchen Momenten.

André Schürrle: Na ja, meine Entwicklung in den zwei zurückliegenden Jahren verlief sehr schnell. Da waren für mich schon kleine Meilensteine dabei. Vor allem die deutsche A-Jugendmeisterschaft mit dem FSV Mainz. Dann ging es direkt hoch zu den Profis, die ersten Einsätze, die ersten Tore. Dann die erste Nominierung für die Nationalmannschaft. Ich war natürlich aufgeregt. Ich habe mich gefragt: Was erwartet dich dort? Was für ein Gefühl wird es sein, als Nationalspieler aufzulaufen?

Sie gelten inzwischen als Paradebeispiel für eine Entwicklung, die es vor wenigen Jahren so nicht gegeben hat. Aus dem Nachwuchs drängen immer mehr Talente nach. Woran liegt das?

André Schürrle: Vor allem ist wohl die Ausbildung in den Leistungszentren sehr viel besser, professioneller geworden. Überall arbeiten sehr viele gute Leute. Und die deutschen Klubs investieren ja seit ein paar Jahren sehr viel Geld in den Nachwuchs. Das zahlt sich aus.

Sagen Sie uns doch mal, was man mitbringen muss, um Nationalspieler zu werden.

André Schürrle: Schwierige Frage. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Vielleicht beim Bundestrainer?

André Schürrle: Gute Idee. Joachim Löw stellt natürlich gewisse Ansprüche. Die Nationalmannschaft hat eine Spielphilosophie, die sich weiterentwickelt. Ganz oben stehen die fußballerischen Qualitäten, das betont der Bundestrainer ja immer wieder. Die deutsche Mannschaft bewegt sich in der Weltspitze. Wer da rein will, muss also entsprechende Fähigkeiten und Fertigkeiten haben. Ich meine das schnelle Umschalten, das Offensivspiel insgesamt.

Haben Sie Ihren Spielstil dem der Nationalmannschaft angepasst?

André Schürrle: Nein. Es war immer schon meine Art, so Fußball zu spielen. Also im Spiel mit Tempo ein gewisses Risiko einzugehen. Ich glaube, das passt ganz gut hier her.

Tempo spielt in Ihrer Karriere eine zentrale Rolle. Sie sollen pro Spiel 600 Meter in einem Tempo von 24 km/h und etwa 13 Kilometer insgesamt zurücklegen – das sind Topwerte. Was war denn zuerst da: Ihre Lust am Rennen oder das gute Kicken?

André Schürrle: Ganz klar, die Lust am Rennen, die Schnelligkeit. Es war schon immer so, dass ich einer der Schnellsten war. Dass mein Laufaufwand insgesamt gestiegen ist, das hängt wiederum mit Thomas Tuchel zusammen.

Ihrem Trainer beim FSV Mainz.

André Schürrle: Ja, er sagte mir, dass es mein Spiel sei, so viel zu laufen, um so in Toraktionen zu kommen. Das passt zu mir, ich bin ein Typ, der sich gerne voll verausgabt. Aber speziell trainiert habe ich meine Schnelligkeit nie. Man sieht es ja als Junge schon in den Duellen, dass man ganz gut unterwegs ist.

Aus Ihnen hätte auch ein guter Sprinter werden können.

André Schürrle: Oh nein, das kam für mich nie in Frage. Meine Schwester war Leichtathletin, daher hatte ich den Vergleich. Als kleiner Junge hatte ich immer nur den Fußball vor Augen. Ich wollte so werden wie die großen Stars. Jeder, der in der Nationalmannschaft ist, hatte den Traum vom Profifußball. Den Traum, in Stadien vor so vielen Menschen zu spielen und die Fans mit seinen Toren zu begeistern.

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