29.09.2012

André Schürrle über Chelsea, Cro und Usain Bolt

»Zu schnell? Gibt es nicht!«

Für unsere Reportage »Komm in die Gänge« (11FREUNDE #132) trafen wir uns mit Nationalspieler André Schürrle. Lest hier das Interview über seine Highspeed-Karriere, Usain Bolt und einen geplatzten Wechsel zu Chelsea.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

André Schürrle, wie viele Punkte haben Sie in Flensburg?   
Eine überschaubare Anzahl – es müssten drei sein.

Die Sorge Ihrer Mutter, dass Sie ständig zu schnell Autofahren, ist also nicht unbegründet?
Ich sage ihr immer, dass ich die Punkte vom Falschparken habe. (lacht) Aber es stimmt schon: Ich fahre ab und zu mal über dem Limit. Aber dabei achte ich auch immer auf die Sicherheit. Da muss sie sich also keine Sorgen machen.

Auch, wenn man sich ihre Karriere anschaut, bekommt man den Eindruck, dass Tempo das zentrale Thema ihres Lebens ist.
Mein Spiel definiert sich über die Geschwindigkeit und wenn ich zurückblicke, wo ich noch vor drei Jahren stand, wundere ich mich schon manchmal, wie schnell das alles geht. Aber das passt zu mir: Ich liebe Geschwindigkeit auf und abseits des Platzes.

Gibt es da auch Grenzen? Oder sehen wir André Schürrle bald beim Skydiven aus einem Flugzeug?
Natürlich reizen mich auch solche Sachen und ich kann die Risiken ganz gut einschätzen. Aber das wäre mir dann doch zu extrem.

Gab es auch mal Momente in den letzten Monaten, in denen Sie dachten: Achtung, jetzt wird es langsam zu schnell?
Zu schnell gibt es für mich nicht. Ich habe mir immer gewünscht, irgendwann mal bei der Nationalmannschaft zu spielen und in der Champions League aufzulaufen. Aus Sicht eines Fußballprofis kann es da nicht schnell genug gehen.

Und aus Sicht des Menschen André Schürrle?
Mir ist bewusst, dass mir als Profi ein relativ kleines Zeitfenster bleibt, in dem ich etwas erreichen kann. Diese Jahre will ich so intensiv wie möglich nutzen. Ich will die Welt sehen, Titel gewinnen und möglichst einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Also habe ich eine Menge vor.

Wird dieses Zeitfenster im heutigen Fußball immer kleiner?
Natürlich. Früher brauchte man 100 Ligaspiele, um überhaupt ein Thema für die Nationalmannschaft zu sein. Ich wurde bereits nach vier Einsätzen über 90 Minuten das erste Mal eingeladen. Profikarrieren beginnen einfach früher, der Fußball ist intensiver geworden. Zudem gibt es ein größeres Bewusstsein, dass morgen schon alles wieder vorbei sein kann.

Ist es deswegen mutig, irgendwann alles auf die Karte Profifußball zu setzen?
In gewisser Weise schon. Man hat niemals Gewissheit, ob man ganz oben ankommt. Dazu gehört neben Talent und Fleiß eben auch Glück. Aber auf Glück sollte man sich niemals verlassen.

Sie begeistern die Statistiker mit Sensationswerten: Sie legen 600 Meter pro Spiel im Vollsprint zurück, Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit liegt beständig über 24 Km/h, dazu kommen mindestens 13 Kilometer Gesamtlaufleistung. Interessieren Sie solche Daten überhaupt?
Natürlich, ich gucke mir die Statistiken nach jedem Spiel ganz genau an. Gerade die Sprintwerte sind für mich sehr wichtig. Und wenn ich merke, dass es in einem Spiel deutlich nach unten ausschlägt, sehe ich das als Warnsignal. Aber man sollte diese Werte auch richtig einordnen können.

Wie meinen Sie das?
Statistik hin oder her, es geht am Ende doch darum, dass ich die richtigen Wege laufe. Was bringt es, wenn ich 90 Minuten die Linie hoch und runter sprinte, während das Spiel nur durch die Mitte läuft?

Woher kommt diese Lust an der Geschwindigkeit?
Vielleicht ist das Veranlagung. Schon mein Vater hatte immer eine Faszination für Schnelligkeit. Er ist beispielsweise auch immer sehr schnell Auto gefahren. Aber nur, wenn meine Mutter nicht dabei war. Dann habe ich meist auf dem Beifahrersitz gesessen und hatte richtig Spaß.

Dann ist ein Großereignis wie das 100 Meter-Olympia-Finale der Männer sicher ein Pflichttermin für Sie.
Na klar. Ich hab das mit zwei Freunden in einem Restaurant verfolgt. Eigentlich lief da überhaupt kein Fernseher, aber wir haben den Kellner gefragt, ob er ihn für uns anschalten kann. Sofort saßen zwanzig Leute um uns herum und alle haben zusammen mitgefiebert.

Sind Sie in diesen Momenten Fan?
Zuallererst genieße ich die Show. Diese Anspannung vor dem Start, die coolen Posen, das finde ich fantastisch. Die Jungs wissen genau, dass Millionen Menschen zuschauen und trotzdem machen die ihre Späße. Da kann man lernen, dass man seinen Sport nicht allzu verbissen sehen sollte. Und dann kommt dieser Moment vor dem Start, die ganze Welt hält den Atem an – und nach dem Schuss explodiert dann alles.

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