02.03.2009

Anatolij Timoschtschuk im Interview

»Ich bin ein Maximalist«

Im Sommer wechselt Anatolij Timoschtschuk von Zenit St. Petersburg zum FC Bayern. Hier spricht er über Vergleiche mit Beckham und Matthäus, sein bevorstehendes Duell mit van Bommel und seine Ziele mit dem FC Bayern.

Interview: Johannes Aumüller Bild: Imago
Anatolij Alexandrowitsch, noch sind Sie gar nicht Spieler des FC Bayern, da stellt man Sie in Deutschland schon in eine Reihe mit Ausnahmefußballern. Ein Porträt über Sie in einer Fachzeitschrift trug die Überschrift: »Beckham + Matthäus = Timoschtschuk«.

In Zeitungen gibt es doch immer etwas Interessantes zu lesen. Ich beachte so etwas nicht sehr.



Aber die Vergleiche sind doch interessant. Was wäre Ihnen denn lieber: Anatolij Beckham oder Anatolij Matthäus? Immerhin tragen Sie eine Kapitänsbinde, die früher Matthäus gehörte.

Weder das eine noch das andere. Jeder Mensch ist eine eigene Persönlichkeit und bekommt das, was er verdient. Beckham ist zweifellos eine große Persönlichkeit, und Matthäus eine noch größere Persönlichkeit, deswegen sind Vergleiche schwer. Ich bin Timoschtschuk, und ich will einfach nur eine gute Arbeit abliefern.

Sie verstehen schon, dass diese Vergleiche andeuten, dass von Ihnen hier enorm viel erwartet wird.


Von mir hat man überall viel erwartet. Von mir hat man auch bei Zenit viel erwartet, weil die Ablösesumme sehr groß war. Früher in Donezk war es genauso. Deswegen ist es keine Frage, dass man von mir viel erwartet. Ich würde im Gegenteil sehr nachdenklich werden, wenn man von mir wenig erwarten würde. Das würde bedeuten, dass man meine Fähigkeiten nicht genügend schätzt und mir nicht genügend zutraut. Und natürlich mache ich alles, um die Erwartungen auch zu erfüllen.

Viele Beobachter denken, dass sich der FC Bayern vor allem auf zwei Positionen verstärken muss, um die Champions League gewinnen zu können. Das ist einmal der Rechtsverteidiger, und das ist zum anderen Ihre Position.

Das muss man sehen, wir werden hoffen, dass die recht haben, die das sagen.

Ihr direkter Kontrahent für eine Position in der Stammelf wird wohl der Niederländer Mark van Bommel. Als hier in Deutschland erstmals gemutmaßt wurde, der FC Bayern könnte Sie verpflichten, sagte van Bommel: Timoschtschuk kann gerne kommen, dann sitzt er schön auf der Bank.

Jeder kann sagen, was er will. Ich beachte solche Aussagen nie. Es gibt einen Fußballplatz, es gibt ein Spiel. Und das Spiel bestimmt, welche der Mannschaften die bessere ist und welcher der Spieler der bessere ist. Deswegen denke ich, dass es keinen Sinn macht, solche Aussagen zu kommentieren.

Van Bommel ist ein Spieler mit viel Erfahrung und ein ziemlich anerkannter Anführer der Mannschaft. Das heißt also, ein starker Konkurrent für Sie.

Ich hatte in meinem Leben genügend Konkurrenten. Das ist Teil des Fußballs, und ohne Konkurrenten kann es keinen Fußball geben. Ich denke, Konkurrenz hebt die Qualität. Und je größer die Konkurrenz ist, desto mehr steigt die Qualität. Deswegen gilt für jeden Spieler: Je mehr Konkurrenz ein Spieler hat, desto mehr versucht er, sich fußballerisch fortzuentwickeln.

Sie und van Bommel füllen die Position des »Sechsers« ziemlich unterschiedlich aus. Was sind die wichtigsten Aufgaben eines Sechsers, der auf Russisch auch »tragender« oder »stützender« Mittelfeldspieler heißt?

Ich denke, dass er in der Tat so spielen muss, wie es seine Positionsbezeichnung von ihm fordert: die Mannschaft zu tragen, zu stützen. Er muss ein verbindendes Glied zwischen Abwehr und Angriff sein. Ein Sechser braucht eine große Leistungsfähigkeit und eine große Hingabe, um seine Aufgaben gut zu erfüllen. Deswegen sagt man auch: »Sag mir, wer im Zentrum deiner Mannschaft spielt und ich sage dir, wie deine Mannschaft ist.« 60 oder 70 Prozent des Erfolgs einer Mannschaft hängen davon ab, dass sie die Mitte des Spielfelds stärker ist. Deswegen liegt viel an der Mittefeldreihe, jede Mannschaft baut sich vom Mittelfeld aus auf.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Position vor der Abwehr zu besetzen. Entweder mit zwei Spielern, wie es beim FC Bayern van Bommel oder Zé Roberto tun, oder nur mit einem Spieler, wie Sie es bei Zenit machen und was in der Offensive für mehr Alternativen sorgt. Was ist besser?


Ich denke, dass Flexibilität nötig ist. Zé Roberto ist mehr ein attackierender Spieler, hilft aber auch in der Abwehr. Wenn du mehr solcher flexiblen Spieler hast, hilft das der Mannschaft. Im heutigen Fußball hängt von diesen Spielern viel ab.

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