17.06.2014

Amine Aoudia über Algeriens WM-Chancen und die Schmach von Gijon

»Wir überstehen die Vorrunde!«

Als der Algerier Amine Aoudia im vergangenen Jahr seinen Wechsel nach Deutschland verkündete, erntete er in seiner Heimat viel Unverständnis. Doch der Stürmer wusste bei Dynamo Dresden zu gefallen – bis er sich das Kreuzband riss. Jetzt muss er die WM vom Sofa aus gucken.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago

Amine Aoudia, haben Sie den Schock schon überwunden, dass Sie bei der WM nicht dabei sein werden?

Natürlich war ich im ersten Moment sehr enttäuscht, dass ich die WM aufgrund meiner schweren Knieverletzung verpassen werde. Aber ich bin Fußballprofi, und das Risiko einer Verletzung ist immer und zu jederzeit ein fester Bestandteil im Leben eines Leistungssportlers. Ich habe ein tiefes Gottvertrauen in mir und nehme das Positive aus dieser Erfahrung mit.

Wo verfolgen Sie das Turnier?
Nach einiger Überlegung habe ich mich dagegen entschieden, nach Brasilien zu reisen. Ich werde konzentriert und fokussiert in Dresden mein Reha-Programm durchziehen.

Mit Vahid Halilhodžić haben Sie einen sehr erfahrenen Nationaltrainer. Was war der beste Tipp, den Sie von ihm erhalten haben?
Mein Nationaltrainer war und ist ein großer Förderer von mir. Er mag mich als Mensch und schätzt meine Qualitäten als Spieler. Er ruft mich oft an oder schreibt mir eine SMS und motiviert mich – auch jetzt, da ich verletzt bin und nicht mit zur WM fahren kann. Er sagt mir immer wieder, dass ich mir Zeit lassen soll und auch etwas Geduld brauche, um wieder richtig fit zu werden. Aber er glaubt an mich und meine Rückkehr ins Nationalteam. Für diese Wertschätzung bin ich ihm unheimlich dankbar.

Tragen die Algerier den Deutschen die »Schande von Gijon« noch nach?
(lacht) Nein, so ticken wir Algerier nicht. Wissen Sie, woran sich die Menschen in Algerien vor allem erinnern? Das ist der sensationelle Auftaktsieg in der Gruppenphase gegen den damals amtierenden Europameister! Wir haben den haushohen Favoriten Deutschland mit 2:1 geschlagen. Das war unglaublich! Darauf sind wir Algerier noch heute sehr stolz. Was im letzten Spiel zwischen Deutschland und Österreich passiert ist, war natürlich bitter für Algerien, aber aus der Sicht der beiden anderen Mannschaften nachvollziehbar, weil sie wussten, dass die 1:0-Führung von Deutschland beiden Nationen zum Weiterkommen reichen würde. Letztendlich wurden daraus die richtigen Konsequenzen gezogen, denn seitdem finden die letzten Spiele in der Gruppenphase alle zeitgleich statt. Und das ist gut für den Fußball.

Madjid Bougherra gilt als herausragender Spieler in der aktuellen Mannschaft. Wer gehört außerdem zu den Wortführern innerhalb der Mannschaft?


Sicher gehört Madjid als Kapitän zu den unumstrittenen Führungsspielern in unserem Nationalteam. Er hat unheimlich viel Erfahrung, geht mit Leistung voran und ist auf und neben dem Platz ein echter Leader, der die anderen Spieler auch mal mitreißen kann. Aber unsere Nationalmannschaft ist ein eingeschworenes Team, das sich als Gemeinschaft versteht, und es ist niemandem verboten, auch mal seine Meinung zu sagen.

Wie haben Sie gefeiert, nachdem Algeriens Qualifikation für die WM gegen Burkina Faso gesichert war?
Das war eine nationale Party in Algerien! Mehr brauche ich dazu eigentlich nicht zu sagen. Meine Landsleute sind verrückt nach Fußball, sie lieben diesen Sport und verehren ihre Nationalmannschaft.

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