Amateure in der Krise

»Das System ist krank«

Der Oberligist Eintracht Rheine schlägt Alarm: Der nächste Liga-Konkurrent ist pleite und weitere werden folgen. Ist der Amateurfußball noch zu retten? 

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Sebastian Kockmann, als sportlicher Leiter bei Eintracht Rheine haben Sie nach der Insolvenz des FC Gütersloh einen besorgten Kommentar auf der Website ihres Clubs veröffentlicht. Können Sie die Probleme, die Sie schildern, noch mal etwas ausführlicher darlegen?

Die Schere zwischen Amateur- und Profifußball klafft immer weiter auseinander: Die neuen Fernsehgelder von 4,5 Milliarden Euro werden auf wenige Vereine in Deutschland verteilt, während ein Verein wie der FC Gütersloh mit einer Liquiditätslücke von 60.000 Euro Insolvenz anmelden muss. Das System ist krank, da sind viele Entwicklungen in die falsche Richtung, die total ungebremst ablaufen.

Wie viele Vereine mussten dem Druck nachgeben und sich ab- beziehungsweise Insolvenz anmelden?

Gerade im vergangenen Jahr hat sich der VfB Hüls aus der Oberliga zurückgezogen und in der Bezirksliga neu angefangen. Dann ist da der FC Gütersloh als ganz aktuelles Beispiel. Von anderen Vereinen weiß man, dass der Aufwand eigentlich nicht mehr zu stemmen ist. In den nächsten Jahren wird es also weitere Clubs geben, die der Entwicklung zum Opfer fallen.

Wie gehen Sie beim FC Eintracht Rheine mit den Problemen in der Liga um?

Letztendlich können wir uns den Entwicklungen auch nicht entziehen. Allerdings haben wir eine Prämisse: Wir geben nicht mehr Geld aus, als wir einnehmen. Auch mit der Konsequenz, dass wir sportlich dort stehen, wo wir momentan sind: im grauen Mittelfeld.

Im Kommentar haben sie geschrieben, »der Amateursport bleibt brutal auf der Strecke«. In welcher Hinsicht?

Auf Facebook haben die Vereine vielleicht zweitausend Follower, aber bei Heimspielen im Schnitt 150 Zuschauer. Stattdessen explodieren die Zuschauerzahlen in der Bundesliga und die Abonnements der Pay-TV Sender. Das Konsumentenverhalten trägt dazu bei, dass der Amateursport, die Basis des Bundesliga-Erfolgs, kaum noch Unterstützung erfährt.

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