Als Sky einen Kreisligisten überraschte

»Die Jungs durften nicht mal auf's Klo«

Sommerpause. Samstagabend. Ein Freundschaftsspiel zwischen Kreisligisten. Plötzlich: Bundesliga-Atmosphäre. Hunderte Fans feuern ihre Idole an, der Sender Sky ist mit Reportern vor Ort. Fritz Eisenschenk, Leiter der Fußballabteilung des SV Lohhof, spricht über die ungewöhnlichen Vorgänge auf seiner Sportanlage.

Fritz Eisenschenk, beim Testspiel des SV Lohhof gegen SSV Dillingen wurden die Spieler von einer bundesligawürdigen Fernsehübertragung inklusive Fans, Kommentator und Kameras überrascht. Wie kam es dazu?
Etwa drei Wochen vor dem Spiel fragte Sky bei mir an, ob wir zu einer solchen Zusammenarbeit bereit wären. Der Sender wollte während der Sommerpause mal etwas anderes machen, um die Zeit bis zur Saison zu überbrücken. Außerdem sollte auch der Amateurfußball mal seine große Bühne bekommen. Und da bei uns die Infrastruktur vorhanden ist und wir das Testspiel gegen Dillingen sowieso auf dem Plan hatten, sprach Nichts dagegen.

Im Video sehen die Spieler komplett überrumpelt aus, manche sprechen hingegen von einem gewissen schauspielerischen Talent. Mal ehrlich, wer wusste wirklich vorher Bescheid?
Drei weitere Kollegen aus dem Verein und ich wussten Bescheid. Ich habe nur punktuell einige Leute informiert, die es unbedingt wissen mussten. Der Kommentator brauchte zum Beispiel die Namen und Informationen der Spieler. Außerdem mussten die Spieler direkt vor dem Spiel länger als sonst in der Kabine bleiben.

Der Umbau dauerte knapp 30 Minuten. Unter welchem Vorwand wurden die Spieler so lange in der Kabine gehalten?
Das haben der Trainer und der sportliche Leiter toll gelöst. Sie haben ein langes Resümee der bisherigen Vorbereitung gezogen und die Spieler nicht einmal auf die Toilette gehen lassen – die hätten ja direkt in einen Sky Mitarbeiter laufen können! Während dieser 30 Minuten wurde dann blitzschnell im Stadion alles aufgebaut. Ein wenig Sorge hatte ich wegen des Kamerakrans, der war nämlich schon vorher im Stadion. Aber den hat gar keiner bemerkt. Die Spieler, aber auch der Vorstand und die meisten Mitarbeiter wurden also total überrascht.

Und wenn sich doch jemand gewundert hätte?
Ach, da hatte ich eine gute Ausrede parat: Unser Flutlicht war erst wenige Wochen zuvor erneuert worden. Den Kran hätte ich damit schon irgendwie erklärt, dass da etwas nachgebessert werden muss.

Wie haben die Teams die erste Überraschung erlebt?
Anfangs waren die Jungs natürlich total irritiert. Die wussten gar nicht, was los ist und waren auch etwas abgelenkt. Kein Wunder, da waren auf einmal überall Kameras, andere Werbeanden und schließlich kamen auch nich über 600 Zuschauer um die Ecke, die richtig Stimmung gemacht haben.

Wie viele Zuschauer hätten Sie normalerweise erwartet?
Bei einem Testspiel in der Kreisklasse? Ein paar Angehörige, ein paar Rentner. In der Liga haben wir Zuschauerzahlen zwischen 50 und 250. Dann muss es aber ein größeres Lokalderby geben.

So erlebten beide Teams einen Gänsehautmoment.
Sicher hat jeder an diesem Tag sein ganz persönliches Highlight erlebt. Das ganze Drumherum war der Wahnsin. Wann pfeift Dr. Markus Merk schon Mal ein Spiel von uns an? Die professionelle Struktur war natürlich beeindruckend für unsere jungen Burschen. Einer wurde zum Beispiel von einer jungen Reporterin direkt nach dem Spiel interviewt. Zwei Stunden später war der immer noch total geschafft. Er wusste nicht mal mehr, was er ihr überhaupt erzählt hat. Wir haben ihn dann den ganzen Abend damit aufgezogen.

Im Internet ist das Video äußerst beliebt. Steht Ihr Telefon überhaupt noch still?
Bisher gibt es recht wenig Resonanz von außen. Aber ich glaube, die große Welle kommt erst nach der eigentlichen Ausstrahlung auf Sky. Natürlich habe ich auch mal bei  Youtube geschaut. Die Zahl der Klicks konnte ich trotzdem nicht glauben. Über 40.000 Leute kennen jetzt unseren kleinen Verein. Unglaublich.

Und wie sind die Reaktionen im direkten Umfeld?
Es war ein bisschen schade, dass viele ältere Vereinsmitglieder das Spiel nicht gesehen haben, weil wir im Vorfeld nichts verraten durften. Ich hatte natürlich versucht, vorab ein bisschen mehr Werbung zu machen als üblich, aber ich wollte den Überraschungseffekt nicht zerstören. Als die Angehörigen der Spieler dann den Aufbau mitbekamen, ging sofort das große Telefonieren los. Als den Leuten klar wurde, was hier los war, wurden sämtliche Familien rangeordert.
 
Könnten man sich denn daran gewöhnen, dass alles etwas größer ist? Oder sehnt man sich schnell zurück in die beschauliche Kreisliga?
Nun, ich habe hier über die Jahre hinweg viel erlebt. Bayernliga, Regionalliga, eben den höheren Amateursport. Das ist finanziell oft nicht durchzustehen und man muss vernünftig wirtschaften. Wir haben vor gut zehn Jahren ganz von vorn angefangen, eine gute Jugendarbeit und komplett neue Infrastruktur aufgebaut. Aber mittlerweile blicken wir schon wieder nach oben: Die Bezirksklasse könnte ich mir schon wieder vorstellen.

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