Als Sebastian Schindzielorz den deutschen Fußball retten sollte

»Ich war ein schnelles Versprechen«

Vor zehn Jahren galt Sebastian Schindzielorz als eines der größten Nachwuchstalente des deutschen Fußballs. Heute spielt er beim VfL Wolfsburg II. Wir sprachen mit ihm über Wolke Sieben und Ennatz Dietz. Als Sebastian Schindzielorz den deutschen Fußball retten sollte
Heft#120 11/2011
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Sebastian Schindzielorz, Sie waren gerade mal 18 Jahre alt, als Sie 1998 mit einem Paukenschlag die große Bühne des deutschen Profifußballs betraten.

Sebastian Schindzielorz: Im September 1998 spielten wir mit dem VfL Bochum in der 2. Runde des DFB-Pokals gegen den amtierenden Deutschen Meister aus Kaiserslautern und gewannen im Elfmeterschießen. Ich verwandelte den entscheidenden Strafstoß. Vier Tage später spielten wir wieder gegen Kaiserslautern, diesmal auf dem Betzenberg. Wir gewannen 3:2 und ich galt plötzlich als eines der größten Nachwuchstalente im Ruhrgebiet.

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Und schwebten auf Wolke Sieben?

Sebastian Schindzielorz: Selbst wenn ich auch nur versucht hätte abzuheben, dann wäre ich schneller auf den Boden der Tatsachen gelandet, als mir lieb gewesen wäre. Beim VfL kommt es nicht gut an, wenn ein 18-jähriger Jüngling plötzlich meint, er wäre der große Star. Außerdem hatte ich mit Bernhard Dietz einen Lehrmeister und Förderer an meiner Seite, der wie kein Zweiter für Bodenständigkeit steht. Ich hatte also gar keine Chance Wolke Sieben zu erreichen.

Während Sie zwischen 1998 und 2003 zu einem festen Bestandteil der Bochumer Mannschaft wurden und für die U21 spielten, versaute sich der deutsche Fußball mit der EM 2000 seinen Ruf. Plötzlich schrie das ganze Land nach gut ausgebildeten deutschen Nachwuchstalenten. Haben Sie den Druck der Öffentlichkeit gespürt?

Sebastian Schindzielorz: Durchaus. Vor allem die Europameisterschaft hat den Menschen bewusst gemacht, wie wenige internationale Spitzenleute in den vergangenen Jahren ausgebildet worden waren. Der DFB hat ja dann auch schnell reagiert und die Jugendförderprogramme ins Leben gerufen von denen wir heute – siehe die aktuelle Nationalmannschaft – profitieren. Damals aber war meine Generation das schnelle Versprechen auf eine bessere Zukunft.

Für den VfL Bochum absolvierten Sie insgesamt 136 Spiele. Warum haben Sie den Verein dann 2003 in Richtung Köln verlassen?

Sebastian Schindzielorz: Ich hatte ein gutes Angebot vorliegen und war auch von der Stadt und dem Konzept beim 1. FC Köln überzeugt. Leider verletzte ich mich ziemlich bald nach meinem Wechsel. Das war eine schlimme Zeit. Ich musste gleich mehrfach operiert werden und es hat lange gedauert bis ich wieder auf die Beine gekommen bin. Das war damals nicht einfach für mich.

Wenn Sie jetzt noch einmal die Wahl hätten – würden Sie sich dann wieder für den Beruf des Fußballers entscheiden?

Sebastian Schindzielorz: Auf jeden Fall! Es war schon immer mein Traum Fußballer zu werden und diesen Traum darf ich leben. Das ist trotz aller Rückschläge immer noch ein Luxus.

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In der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE lest Ihr die Geschichte von Manuel Benthin und Andreas Voss, zwei U-21-Nationalelfkollegen von Sebastian Schindzielorz, die einst auszogen um die Fußball-Welt zu erobern – und letztlich doch scheiterten.

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