11.09.2009

Als Roy Präger drei Mal traf

»Präger, Du Arschloch!«

Saison 1999/2000, 4. Spieltag: Hamburg empfängt  die Hertha. HSV-Neuzugang Roy Präger glühen schon vorher die Augen, er scheint zu allem bereit. 74 Minuten und drei Tore später wird er ausgewechselt. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Roy Präger, darf man fragen, in welchen Zaubertrank Sie vor dem Spiel gegen die Hertha aus Berlin gefallen waren?

Nix Zaubertrank, ich war ganz gut motiviert durch die Hertha-Fans.

Warum?

Nun ja, die Berliner Zuschauer und meine Person hatten schon damals eine ganz intensive Vergangenheit. Gegen Hertha habe ich eigentlich immer ein Tor gemacht und dann auch noch die wichtigen. Das haben die mir krumm genommen und mich schon vor dem Spiel mit »Präger, du Arschloch« begrüßt.

 

Und das hat Sie dazu veranlasst, in knapp 40 Minuten drei Tore zu schießen?

Das und die Euphorie aus den Spielen davor. In meinem ersten Spiel für den HSV habe ich gegen die Bayern getroffen, gegen Stuttgart am zweiten Spieltag wurde mir zu Unrecht ein Tor aberkannt. Ich wollte es allen beweisen, dass Hamburg mit Roy Präger einen guten Kauf gemacht hatte.

Das Spiel gegen Hertha fing gut an für Ihren neuen Klub. Nach zwei Minuten traf Bernd Hollerbach mit einem knallharten Linksschuss, und in der 24. Minute waren Sie dann das erste Mal zur Stelle...

Stopp! Vorher hatte ich schon eine Szene, der Ball war schon an Kiraly im Berliner Tor vorbei und wäre ins Tor gekullert, aber Tony Yeboah musste den Ball noch über die Linie treten. Und der stand im Abseits.  

Wie ärgerlich!

Naja, so sind Stürmer eben.  

Beim 2:0 profitierten Sie von einem wunderschönen Pass von Cardoso, der Ihnen den Ball per Außenristlupfer über die Berliner Verteidigung in den Lauf spielte...

Das war große Klasse, die Hertha-Spieler rannten aus ihrem Strafraum, ich bekomme den Ball von Rodolfo, nehme ihn perfekt an und schiebe ihn Kiraly durch die Beine. Was für eine Genugtuung!  

Anschließend sind Sie direkt vor die Kurve der Hertha-Fans gerannt und haben sich auf Knien rutschend dem Berliner Anhang präsentiert. War das eine von vornherein geplante Aktion?

Seine Tore feiert man nun mal. Zufällig fiel das Tor auf der Seite, zufällig bin ich nach rechts gelaufen, wo zufällig die Hertha-Fans standen, die mich vorher zufällig beschimpft hatten. Ganz spontan also.  

Ganz spontan fiel dann in der 41. Minute das 3:0. Marcel Reif stotterte ergriffen in sein Mikrophon: »Ein unverfroren lässiges Tor von Roy Präger!« Was haben Sie da denn gemacht?

Ich weiß noch, dass ein langer Ball aus der Mitte kam und ich im Laufduell gegen Herthas Sixten Veit die Kugel behauptet habe. Kurz bevor ich schießen wollte, kam Sixten aber noch einmal an mich heran, also habe ich die Pike benutzt und der Ball kullerte irgendwie ins Tor. Da war viel Glück dabei, kann ich ja jetzt zugeben.  

Und danach: wieder in die Kurve und den guten alten Jubel mit der Hand hinter das Ohr...

Ganz genau. Das Bild war dann später riesengroß auf Plakaten vom NDR überall in Hamburg zu sehen. Ein Poster habe ich sogar noch in meinem Zimmer hängen.  

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