Als Roy Präger drei Mal traf

»Präger, Du Arschloch!«

Saison 1999/2000, 4. Spieltag: Hamburg empfängt  die Hertha. HSV-Neuzugang Roy Präger glühen schon vorher die Augen, er scheint zu allem bereit. 74 Minuten und drei Tore später wird er ausgewechselt. Wir sprachen mit ihm. Als Roy Präger drei Mal traf

Roy Präger, darf man fragen, in welchen Zaubertrank Sie vor dem Spiel gegen die Hertha aus Berlin gefallen waren?

Nix Zaubertrank, ich war ganz gut motiviert durch die Hertha-Fans.

Warum?

Nun ja, die Berliner Zuschauer und meine Person hatten schon damals eine ganz intensive Vergangenheit. Gegen Hertha habe ich eigentlich immer ein Tor gemacht und dann auch noch die wichtigen. Das haben die mir krumm genommen und mich schon vor dem Spiel mit »Präger, du Arschloch« begrüßt.

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Und das hat Sie dazu veranlasst, in knapp 40 Minuten drei Tore zu schießen?

Das und die Euphorie aus den Spielen davor. In meinem ersten Spiel für den HSV habe ich gegen die Bayern getroffen, gegen Stuttgart am zweiten Spieltag wurde mir zu Unrecht ein Tor aberkannt. Ich wollte es allen beweisen, dass Hamburg mit Roy Präger einen guten Kauf gemacht hatte.

Das Spiel gegen Hertha fing gut an für Ihren neuen Klub. Nach zwei Minuten traf Bernd Hollerbach mit einem knallharten Linksschuss, und in der 24. Minute waren Sie dann das erste Mal zur Stelle...

Stopp! Vorher hatte ich schon eine Szene, der Ball war schon an Kiraly im Berliner Tor vorbei und wäre ins Tor gekullert, aber Tony Yeboah musste den Ball noch über die Linie treten. Und der stand im Abseits.  

Wie ärgerlich!

Naja, so sind Stürmer eben.  

Beim 2:0 profitierten Sie von einem wunderschönen Pass von Cardoso, der Ihnen den Ball per Außenristlupfer über die Berliner Verteidigung in den Lauf spielte...

Das war große Klasse, die Hertha-Spieler rannten aus ihrem Strafraum, ich bekomme den Ball von Rodolfo, nehme ihn perfekt an und schiebe ihn Kiraly durch die Beine. Was für eine Genugtuung!  

Anschließend sind Sie direkt vor die Kurve der Hertha-Fans gerannt und haben sich auf Knien rutschend dem Berliner Anhang präsentiert. War das eine von vornherein geplante Aktion?

Seine Tore feiert man nun mal. Zufällig fiel das Tor auf der Seite, zufällig bin ich nach rechts gelaufen, wo zufällig die Hertha-Fans standen, die mich vorher zufällig beschimpft hatten. Ganz spontan also.  

Ganz spontan fiel dann in der 41. Minute das 3:0. Marcel Reif stotterte ergriffen in sein Mikrophon: »Ein unverfroren lässiges Tor von Roy Präger!« Was haben Sie da denn gemacht?

Ich weiß noch, dass ein langer Ball aus der Mitte kam und ich im Laufduell gegen Herthas Sixten Veit die Kugel behauptet habe. Kurz bevor ich schießen wollte, kam Sixten aber noch einmal an mich heran, also habe ich die Pike benutzt und der Ball kullerte irgendwie ins Tor. Da war viel Glück dabei, kann ich ja jetzt zugeben.  

Und danach: wieder in die Kurve und den guten alten Jubel mit der Hand hinter das Ohr...

Ganz genau. Das Bild war dann später riesengroß auf Plakaten vom NDR überall in Hamburg zu sehen. Ein Poster habe ich sogar noch in meinem Zimmer hängen.  

Nach der Pause hält Jörg Butt den Elfmeter von Preetz, und Ihnen gelingt in der 67. Minute das dritte Tor. Wieder mit einer ausgefallenen Jubelpose im Abgang. Diesmal küssten Sie Ihrem Mitspieler Mehdi Mahdavikia die Füße...

Natürlich nur aus Dankbarkeit! So häufig passiert das nicht mehr, dass dir ein Mitspieler den Ball so uneigennützig vorlegt, da wollte ich mich bei Mehdi bedanken. Drei Tore in einem Spiel! Das habe ich danach nie wieder geschafft. Mehdi hatte mir den Ball wenige Meter vor dem Tor so maßgenau aufgelegt, dass ich nur noch einschieben musste. Der war ein Teamspieler, wie wir eigentlich alle damals in der Mannschaft.  

In der 74. Minute konnten Sie dann den warmen Applaus genießen, als Frank Pagelsdorf Sie für Jacek Dembinski vom Platz holte. Ein schönes Gefühl, oder?

Ich sag ihnen, wie es wirklich ist: gerne gehe ich jedenfalls nicht vorzeitig vom Platz! Schon gar nicht in diesem Spiel gegen Berlin. Drei Tore, ein Super-Lauf, immer noch fit – da will ich nicht auf die Bank, da will ich denen noch ein viertes Tor einschenken. Den Applaus des Publikums habe ich natürlich trotzdem genossen.  

Wenn Sie so auf dem Platz sieht, vor allem nach dem Spiel gegen Hertha: wie schaffen Sie es die Emotionen wieder auf ein Normal-Maß herunter zu schrauben?

Wer mich kennt, der weiß, dass ich nach dem Spiel nicht groß rumtröte. Das kann ich kurz und still genießen und dann geht es weiter.  

Muss man eigentlich als Profi auch diverse Runden schmeißen, wenn man drei Tore in einem Spiel erzielt?

Ich habe sicherlich mal eine Runde auf dem Mannschaftsabend ausgegeben, aber eher zum Einstand und nicht wegen der drei Tore. Ich kenne das eher aus der Bezirksliga, wo ich aktuell für den TSV Hehlingen aktiv bin: wenn der Kapitän ausgewechselt wird, dann gibt er eine Kapitänsbinde dem Spieler, der noch nie Kapitän war. Und warum? Na klar: Kasten Bier! Ich kann ihnen versichern: im Profi-Bereich ist das nicht so.  

Wie ist denn Ihre Torquote in der Bezirksliga?

Ich spiele Viererkette.  

Viererkette?

Klar!  

Wieso?

Hinten ist am besten. Da habe ich meine Ruhe.

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