01.11.2007

Alexander Zickler im Interview

„Man ist auf mich angewiesen“

Alexander Zickler galt als einer der schnellsten Offensivspieler und war das Stürmertalent der Bayern, doch Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. Seit 2005 spielt der 33-jährige nun in Österreich – und trifft und trifft und trifft.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Herr Zickler, zum zweiten Mal in Folge wurden Sie zum Spieler des Jahres in Österreich gewählt. Wo verstecken Sie all diese schönen Trophäen?

Das steht alles bei meiner Tochter im Zimmer. Sie hat da ihre eigene Red Bull-Ecke eingerichtet. Die Sachen sind bei ihr in guten Händen, sie ist zwölf Jahre alt und ein großer Red Bull-Fan. Da passen die Auszeichnungen gut rein.

Und wo sind all die Trophäen aus Bayern-Zeiten untergebracht? Immerhin sind Sie mit 14 Titeln einer der erfolgreichsten Spieler der Bundesliga.

Das Praktische ist ja, dass es für uns Spieler immer Medaillen statt Pokale gab. Die passen gut in die Vitrine und werden gehegt und gepflegt. Auf dem Dachboden landen sie mit Sicherheit nicht.



Wenn man den Namen Alexander Zickler hört, fällt einem sofort ihr ungeheures Verletzungspech ein, und es könnte der Eindruck entstehen, dass Sie als Spieler immer noch ein Unvollendeter sind.

Das Gefühl habe ich nicht. Ich habe bei den Bayern so viele große Spiele miterlebt. Nicht nur auf der Tribüne oder von der Auswechselbank, sondern glücklicherweise auch als Spieler auf dem Platz. Andererseits ist mir auch klar, dass ich in meinen besten Fußballerjahren viele schwere Verletzungen gehabt habe, die mich immer wieder weit zurückgeworfen haben.

Ich zähle mal auf: Tumor im rechten Schienbein, Ermüdungsbruch im frisch operierten Unterschenkel, Schienbeinbruch…

Klar, es hätten noch viel mehr Spiele sein können, aber ich schaue nicht zurück und hadere mit den Verletzungen, das wäre Blödsinn. Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen und hatte sehr viel Spaß bei den Bayern. Auch die Zeit in Salzburg war bislang großartig. Es war nicht nur für Red Bull Salzburg ein Neuanfang, sondern auch für mich. Ich hatte über einen Zeitraum von zwei Jahren nicht ein einziges Pflichtspiel absolviert, wusste selber nicht, wo ich stehe, und ob ich noch mithalten kann. Von daher bin ich froh, dass das hier so gut geklappt hat.

Eine Verletzung hat auch ihre Teilnahme an der WM 2002 kurzfristig verhindert und damit all ihre Träume von einem internationalen Turnier beendet. Das muss sehr bitter für Sie gewesen sein.

Natürlich, zumal die Verletzung auch so ungewöhnlich war: Die Verknöcherung zwischen Schien- und Wadenbein war gebrochen, die Knochenstückchen sind in beide Richtungen zum Nerv gewandert. Der daraus gewachsene Tumor musste mir letztendlich operativ entfernt werden und hat die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2002 verhindert. Auf nationaler Ebene habe ich mit Bayern München eigentlich alles erreicht, was man im deutschen Fußball gewinnen kann. Doch mit der Nationalmannschaft mal fünf, sechs Wochen unterwegs zu sein, das war immer ein Traum von mir. Letzten Sommer habe ich mich von der WM-Euphorie anstecken lassen, das war wirklich fantastisch. Aber zwischendurch musste ich mich wirklich selbst bemitleiden, dass ich nie bei einem solchen Turnier mitspielen konnte.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden