Alexander Baumjohann über Louis van Gaal, Brasilien und den FCK

»Die Zweite Liga war kein Abstieg«

Einst wurde Alexander Baumjohann als das neue Supertalent gehandelt, dann drückte er die Reservebänke beim FC Bayern und auf Schalke. Ein Gespräch über den Neuanfang beim 1. FC Kaiserslautern, brasilianische Vorbilder und Hans Sarpeis Scherze.

Alexander Baumjohann, stimmt es, dass Sie vom brasilianischen Fußball schwärmen?
Der Bezug zu Brasilien ist schon groß, meine Frau ist Brasilianerin, wir sind etwa alle sechs Monate dort, in Belo Horizonte. Ich habe auch Kontakt zu all den Brasilianern, mit denen ich zusammengespielt habe, Dante, Edu, Rafinha oder Breno.

Was gefällt Ihnen am Fußball in Brasilien?
Es ist mehr Spektakel als in Deutschland, es wird nicht so viel Wert auf Effektivität gelegt. Es geht in Brasilien mehr darum, dass die Zuschauer ausrasten, wenn zum Beispiel ein guter Trick gelingt.

Für welchen Klub würden Sie dort am liebsten spielen?
Wenn dann wohl bei Atletico Mineiro in Belo Horizonte, wo gerade Ronaldinho spielt. Meine Frau und ihre Familie schwärmen schon immer für den Verein, das Stadion ist nicht weit entfernt von ihrem Haus.

Und dann nehmen Sie Ansgar Brinkmann irgendwann den Beinamen »Weißer Brasilianer« ab?
Ach, Quatsch, nein.

Ihr Lieblings-Brasilianer auf dem Fußballfeld?
Ganz früher Ronaldo, er war mit einer der besten Spieler, die es je gab. Und Ronaldinho, der hatte seine große Zeit, als ich Jugendlicher war. Heutzutage ist Neymar der beste Brasilianer, denke ich.

Kommen wir zu Ihnen: Wie konnte Sie Franco Foda zum Abstieg in die zweite Liga überreden?
Für mich ist das gar kein Abstieg gewesen. Wichtig war mir, bei einer Mannschaft zu spielen, die offensiv guten Fußball bieten will, und nicht vielleicht bei einem Erstligisten, der nur hinten drin steht. Der Trainer hat mir gesagt, dass er auf der Zehn mit mir plant, das war der wichtigste Aspekt.

Sie wechselten erst Ende August. War es schwierig, sich in die Mannschaft einzufinden?
Nein, gar nicht. Viele Spieler kannte ich schon. Das einzige Problem war vielleicht, dass ich die Vorbereitung nicht komplett mitgemacht habe, das hat man am Ende der Hinrunde gemerkt. Jetzt habe ich einen Monat Zeit, mich auf die Rückrunde vorzubereiten.

Sie freuen Sich also auf die Schufterei im Trainingslager?
Natürlich. Die Vorbereitung ist ja dafür da, dass es härter wird. Außerdem hatte ich in der Vergangenheit ja schon mal Trainer, bei denen es härter war als bei allen anderen. Mich kann da eigentlich nichts mehr schocken.

Sie spielen auf Felix Magath an.
Wissen Sie, ich habe mir vorgenommen, nie wieder über ihn zu reden.

Das klingt verbittert.
Nein, nicht verbittert, aber ich will einfach nicht nachtreten oder den Eindruck erwecken, schlecht über ihn zu reden.


Dann lassen Sie uns über diese Saison reden: Lange punktete Lautern sehr souverän. Erst im letzten Hinrundenspiel gab es die erste Niederlage, dann aber gleich drei hintereinander.
Das war natürlich ärgerlich, denn alle Niederlagen waren total unnötig. Wir hätten nach der ersten einfach kühlen Kopf bewahren und uns nicht von unserem Spiel abbringen lassen sollen.

Verstehen Sie die Fans, die von Ihnen als potenziellem Erstligaspieler Impulse gerade auch in der Krise erwarten? Erwarten Sie das selbst von sich?
Klar. Zum Ende der Hinrunde war mein Akku leer, ich hatte vorher auch nicht so viele Spiele hintereinander gemacht. Ich erwarte selber noch viel mehr von mir, die Fans auch. Ich bin sicher, dass es in der Rückrunde noch besser wird.

Warum klappt es mit dem Aufstieg?
Weil wir genügend Qualität im Kader haben. Wir waren 16 Spiele ungeschlagen, wenn wir an diese Phase wieder anknüpfen, werden wir nächstes Jahr erste Liga spielen, egal ob über die Relegation oder direkt über die ersten beiden Plätze. Denn auch die sind noch drin.

Ihr Entdecker Jupp Heynckes lobte Sie in jungen Jahren, Rudi Assauer nannte Sie gar den neuen Ballack. Einem Teenager tut so was selten gut...
Ich habe mich damals davon nicht beeinflussen lassen. Klar, Jupp Heynckes hat mich von der B-Jugend direkt hochgezogen, ich habe mit 16 Jahren meinen Profivertrag unterschrieben. Ich habe mich da aber gar nicht mit befasst.

Dennoch bringt so etwas natürlich auch viel mediale Aufmerksamkeit mit sich.
Es war sicherlich etwas ganz Neues, aber ich hatte die richtigen Leute an meiner Seite.

Ihr Trainer in Gladbach, Jos Luhukay, sprach Ihnen »Professionalität und Ernsthaftigkeit« ab.
Es ist immer einfach, solche Dinge unbedacht über jemanden zu sagen. Aber auch bei ihm habe ich am Ende gespielt. Diejenigen, die so über mich denken, können ihn ja gerne fragen. Ich hatte nie irgendwo ein Problem, habe mir nie etwas zuschulden kommen lassen.

Mit 22 gingen Sie zu den Bayern, dabei ist dort sogar schon manch gestandener Profi gescheitert. Haben Sie sich selbst zu viel zugemutet?
Gar nicht. Als ich unterschrieben habe, war eine ganz andere Situation. Jürgen Klinsmann war noch Trainer, alles war ganz anders geplant. Dann war plötzlich Louis van Gaal da, der ließ ein anderes Spielsystem spielen. Der Trainer kannte mich gar nicht und er machte mir früh klar, dass er mich nicht geholt hatte und nicht auf mich setzt.

Nach außen wirkte er sehr knorrig, bisweilen feindselig. Was war van Gaal für ein Trainer?
Total ehrgeizig, er wollte immer gewinnen. Man kann ihn sicher ein bisschen mit José Mourinho vergleichen. Er hat sich dann auch mit einigen Spielern angelegt, aber ich bin sicherlich der Falsche, das zu beurteilen.

Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Okay, da bin ich 30. Auf jeden Fall noch im Profifußball. Mehr will ich nicht sagen, man weiß ja nie, was passiert.

Sind Sie Hans Sarpei eigentlich noch böse?
Ich war ihm doch nie böse. Das mit dem Tweet war doch nur Spaß (Im Sommer 2011 schrieb Sarpei auf Baumjohanns Frage »Gibt es was Neues auf Schalke?« zurück: »Ja, du sollst nach Wolfsburg«, wo Felix Magath Trainer war. Baumjohanns Antwort: »Damit macht man keinen Spaß. Das ist nicht lustig«, d. Red.). Es freut mich, dass er auch durch mich so zu Ruhm gekommen ist und dass es jetzt mit der zweiten Schiene so gut klappt. Vorher kannte man ihn ja nur als Fußballer. Nein, nein, wir sind gute Freunde.

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