Die USA sind keine Fußballnation.Genau. Aber ich hatte Freunde mit italienischen Wurzeln, die mich früh für den Fußball begeistert haben. Baseball? Fuck No! Basketball? Fuck No! Ich wollte auf der Straße kicken oder im Park oder sonstwo. In den USA zeigen sie, Gott weiß warum, die Sonntagsspiele der Serie A. Als kleiner Junge schaute ich also italienische Liga und wurde Juve-Fan. Es waren die frühen Neunziger, vorne stürmten Baggio und Ravanelli. Der Zopf und der Graue! Es ging gar nicht anders.
Roberto Baggio ging 1995 zum AC Mailand, Fabrizio Ravanelli wechselte nur ein Jahr später zum FC Middlesbrough in die Premier League. Der Turiner Traumsturm war gesprengt, Sie wurden Newcastle-Fan.Ich folgte Ravanelli gedanklich auf die Insel. Newcastle United sagte mir zu, weil sie das gleiche Trikot wie Juventus trugen. Mehr nicht. Manchmal sind Fanwerdungen völlig irrational.
Wie irrational ist die MLS?Es ist besser geworden. Die Liga ist heute wettbewerbsfähiger und spannender. Das war das große Problem früher: Zuschauen brachte keinen Spaß, weil die Spieler schlecht waren und die Stadien leer. Heute sorgen Stars wie Beckham und Henry, auch wenn sie zugegebenermaßen über ihren Zenit sind, für Strahlkraft, und in ihrem Schatten gedeiht die MLS.
Fußball und Pop beeinflussen einander schon seit Jahrzehnten. Es gibt musizierende Spieler und spielende Musiker. Über die Erträge lässt sich trefflich streiten. Der beste Fußballsong, den Sie kennen?Mein Problem ist, dass ich oft nur die Melodien kenne, aber nicht den exakten Text der Chants in den Stadien. Und in der MLS ist diese kreative Kurvenkultur, wie sie in Europa existiert, noch nicht angekommen. Bei uns singen die Leute nur: »Hey, ho, let's go!« Ich weiß aber, dass der FC St. Pauli zu Hell's Bells von ACDC einläuft. Ist zwar kein Fußballsong im eigentlichen Sinne, funktioniert aber wunderbar.
Mit welchem Spieler würden Sie einen Punksong aufnehmen?Ganz klar: Vinnie Jones.
Und aus dem aktiven Geschäft?Ach, die Spieler sind heute zu glattgebügelt. Ich meine, es müssen Karten für Schwalben gegeben werden. Das sagt doch alles. Also ...
(denkt nach) ... schwierig ...
(denkt lange nach) ... ah, natürlich: Mario Balotelli! Der Typ trägt einen Iro und gibt einen absoluten Scheißdreck darauf, was die Leute von ihm denken. Er ist der einzige, der noch nach alter Schule tickt. Balotelli ist Punkrock.
Alex Rosamilia, Happy Tom-Seltzer von Turbonegro hat mal gesagt: »St. Pauli is the team for the beautiful losers, for the sailors, pimps, whores and poets.«Dem ist nichts hinzuzufügen. Verdammt gut gesagt. Amen.