Alex Meier über Fehlstarts und seine Zukunft

»Jeder kommt mal unter die Räder«

Nach einer überragenden Vorsaison erlebte Alex Meier mit Eintracht Frankfurt einen waschechten Horrorstart in die neuen Spielzeit. Vor dem heutigen Spiel gegen den FC Bayern sprachen wir mit ihm über den Humor von Armin Veh, den Hype um Pep Guardiola und seine Zukunft.

Alex Meier, was halten Sie davon, wenn ein Fan seinen Lieblingsklub wechselt?
So was gibt es? (lacht) Im Ernst: Wer meint, er müsse den Klub wechseln, der soll das tun. Ich habe kein Problem damit.

Sie waren als Kind Bayern-Fan - wann kam Ihnen der Gedanke: Dieser Klub ist nichts für mich?
Diesen Moment gab es nicht. Ich fand den Klub in meiner Kindheit einfach toll. Aber geht das nicht vielen Jungs so? Man schaut als Kind doch gern auf die Erfolgreichen und Starken und nicht unbedingt auf die Underdogs. Der FC Bayern ist auch heute noch der erfolgreichste Klub in Deutschland. Und genau das ist kein Zufall, diesen Stellenwert hat der Verein sich erarbeitet. Im Fußball wird niemandem etwas geschenkt. Kurzum: Egal, wie man zu den Bayern steht, Respekt sollte man ihnen schon entgegenbringen.

Hatten Sie damals einen Lieblings-Bayern-Spieler, in dessen Rolle Sie auf dem Bolzplatz geschlüpft sind?
Nein, ich wollte immer nur einer sein: Ronaldo! Aber der Richtige, der Brasilianer!

Hat Sie der Guardiola-Hype in der Sommerpause eigentlich genervt?
Heutzutage ist es doch normal, dass in den Medien vieles übertrieben oder dramatisiert wird. Mich hat dieser Hype weder überrascht noch sonderlich genervt. Man muss ja nicht alles lesen. Wer sich über solche Sachen aufregt, hat in diesem Geschäft nicht viel Freude. Mein Appell: Nicht alles so ernst nehmen.

Trotz der 1:6-Klatsche gegen Hertha BSC Berlin zum Saisonauftakt: Ist es nicht ein Vorteil, gleich zu Beginn der Runde gegen die Bayern zu spielen?
Quatsch! Wir sollten uns nicht alles schönreden. Ob wir nun am zweiten Spieltag oder erst im November auf die Bayern treffen, ist doch vollkommen egal. Es ist so oder so eine ganz besondere Partie, für die der Trainer keinen Spieler extra motivieren muss. Wir wollen einen super Auftritt hinlegen. Diejenigen, die uns bereits abgeschrieben haben, machen einen Fehler.

Die Bayern-Defensive wirkte zuletzt nicht immer stabil.
Das ist Jammern auf hohem Niveau! Fakt ist: Die Bayern haben ihr erstes Spiel deutlich gewonnen. Ich sehe nicht, dass sie zurzeit schlecht drauf sind. Das wird ein harter Fight.

Ist das Selbstvertrauen, das sie sich in der Vorbereitung geholt haben, nun bereits wieder verschwunden?
Nein. Wir alle wissen, dass wir einen katastrophalen Start hingelegt haben. Dennoch gibt es keinen Knacks im Team. Eine solche Partie wird sich in absehbarer Zeit nicht wiederholen, da bin ich mir sicher. Beinahe jede Bundesligamannschaft kommt im Laufe einer Saison einmal unter die Räder, dass das bei uns nun gleich zu Beginn der Fall gewesen ist: Pech! Entscheidend ist doch, wie wir in den kommenden Wochen darauf reagieren.

Sie haben zuletzt immer wieder betont, wie dankbar Sie Armin Veh seien, weil er von Anfang an auf Sie gesetzt habe. Was zeichnet Ihren Trainer aus?
Armin Veh hält super Ansprachen an die Mannschaft. Zudem greift er konsequent durch, man weiß, woran man bei ihm ist. So was ist viel Wert. Ich habe großen Respekt vor ihm, er hat hier in den vergangenen zwei Jahren großartige Arbeit geleistet.

Wirkt er in den Mannschaftsbesprechungen eigentlich auch immer so entspannt und cool wie in Interviews?
(lächelt) Ja, so ist er.

Ist Armin Veh der humorvollste Trainer, den Sie je hatten?
Zumindest hat er immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Seine positive Art wirkt sich natürlich auf die Mannschaft aus. Allerdings soll das nicht heißen, er würde ständig Witze erzählen oder so, nein, er trifft auch harte Entscheidungen und sagt den Spielern deutlich seine Meinung. Insgesamt ist diese Mischung sehr angenehm.

Stimmt es eigentlich, dass wenn Sie Ihre Eltern und Freunde in Buchholz (20 km südlich von Hamburg, d. Red.) besuchen, seit Jahren immer wieder aufs Neue den Satz hören:»Alex, wann kommst Du endlich zurück nach Hamburg?«
(lacht) Ja, das habe ich mir schon oft anhören müssen.

Und?
Ach, ich bin schon so lange in Frankfurt, da weiß ich genau, was ich an der Stadt habe. Die Zeit in Hamburg ist lange her.

Sie haben Ihre Profi-Karriere beim FC St. Pauli begonnen, werden sie diese auch später einmal dort beenden?
Keine Ahnung. Denkbar ist vieles. Da ich noch viele Jahre spielen will, habe ich mir darüber noch nicht den Kopf zerbrochen. Das wird wohl erst dann ein Thema sein, wenn ich kurz davor stehe, meinen letzten Vertrag zu unterschreiben.

2003 haben Sie beim Hamburger SV Ihre ersten Bundesliga-Schritte gemacht, sind dabei allerdings nicht über wenige Kurzeinsätze hinaus gekommen. Ist es für Sie eigentlich eine späte Genugtuung, dass die Verantwortlichen von früher, wenn sie auf Ihren damaligen Abgang angesprochen werden, beschämt in die Ecke schauen und stammeln »Das war wohl ein großer Fehler«?
So was passiert im Fußball doch relativ häufig! Manche Spieler kommen in ihrem Heimatklub groß raus, anderen wiederum tut eine Luftveränderung gut, um dann schließlich einige Jahre später in der Ferne einen Karrieresprung zu machen. Ich möchte aber auch erwähnen, dass ich damals beim HSV häufig verletzt war, da kam einfach vieles zusammen. Insgesamt bin ich aber froh, wie es gelaufen ist.

Haben Sie noch irgendeine Verbindung zum HSV?
Nicht wirklich. Zwar habe ich sowohl beim FC St. Pauli als auch beim HSV viele Jahre in der Jugend gespielt, aber eine enge Bindung? Nein, die gibt es nicht. Dass der HSV ein Traditionsverein mit einem enormen Potenzial und viele Fans ist, steht außer Frage. Ich beobachte all das aber lediglich aus der Entfernung. Dennoch: Die Gegend ist für mich ein Stück Heimat, Hamburg ist eine wunderschöne Stadt.

Haben Sie in dieser Saison eigentlich eine Tor-Wette laufen?
Nein, so was habe ich noch nie gemacht. Das wäre ja eine Art Lotterie-Spiel. Natürlich will ich viele Tore machen, aber noch wichtiger ist mir, dass wir alle zusammen eine gute Runde spielen. Ob ich dann am Ende drei oder vier Treffer mehr oder weniger auf meinem Konto habe, ist mir egal. Was würde es mir bringen, wenn ich vorab herausposaunte, mein Ziel sei es, 15 Tore zu machen? Das fände ich ziemlich lächerlich.

Alex Meier, wäre ein 0:0 gegen die Bayern ein Traumergebnis?
Ein Punkt gegen die Bayern wäre in der Tat gut. Klar ist aber auch: Wir gehen in jedes Spiel mit dem Ziel, zu gewinnen. Ob wir am Ende mit einen Unentschieden zufrieden wären, hängt letztlich davon ab, wie genau das Spiel läuft. Ich finde solche Prognosen irgendwie blödsinnig.

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