05.12.2012

Aleksandr Hleb über BATE Baryssau und seine Europa-Odyssee

»Ich würde gerne wieder in Deutschland spielen«

BATE Baryssau ist eine der Überraschungsmannschaften der diesjährigen Champions-League-Saison. Im Hinspiel siegten die Weißrussen 3:1 gegen die Bayern. Vor dem Rückspiel sprachen wir mit dem Ex-Stuttgarter und jetztigen BATE-Spieler Aleksandr Hleb über den FC Bayern, seine Odyssee durch Europa und das Training mit einem Stabhochspringer.

Interview: Rolande Wiedemann Bild: Imago

Aleksandr Hleb, Sie sind seit einer Woche in München und bereiten sich dort mit BATE Baryssau auf das Spiel gegen den FC Bayern vor. Anfang des Jahres waren sie zwei Monate lang bei Tim Lobinger, dem Ex-Stabhochspringer, um sich die Fitness für ein Comeback auf dem Fußballplatz zu holen, und müssten sich daher in München auskennen. Was haben Sie ihre Teamkollegen denn alles von der bayerischen Landeshauptstadt gezeigt?
Wir sind ja nicht direkt in München, sondern rund 60 Kilometer davon entfernt in einem Hotel untergebracht. Aber es ist alles prima hier. Wir waren einmal beim Shoppen in München, das musste schon sein. Es sind ja auch die Familien von einigen Spielern dabei. Aber das Ganze hat nicht den Charakter eines Ausflugs. Wir bereiten uns sehr gewissenhaft auf das Spiel gegen den FC Bayern vor.

Es ist ungewöhnlich, dass ein Team bereits eine Woche vorher zu einem Champions League-Auswärtsspiel anreist.
Die Saison in Weißrussland ist vor zehn Tagen zu Ende gegangen, und unser Trainer dachte, dass es hier in Deutschland wärmer ist als daheim und dass die Trainingsbedingungen hier besser sind. Aber jetzt hat es in Deutschland auch geschneit, und es ist ähnlich wie in Weißrussland. Doch die Plätze, die uns zur Verfügung stehen, sind sehr gut. Das passt schon alles.

BATE hat im Hinspiel den FC Bayern München 3:1 geschlagen.
Das war natürlich sensationell. Für einen weißrussischen Verein kann man schon von einem historischen Sieg sprechen. Man schlägt nicht jeden Tag den großen FC Bayern München.

Ist der FC Bayern München bei den Fußball-Fans in Weißrussland beliebt, laufen Kinder und Jugendliche mit Gomez- oder Ribéry-Trikots herum?
Nein, für den deutschen Fußball interessiert man sich dort nicht so sehr. Man sieht vor allem Trikots vom FC Barcelona, vielleicht auch noch von Real Madrid oder den englischen Klubs. Aber dennoch war der Sieg gegen den FC Bayern der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte von BATE Baryssau.

Wie lautet Ihre Erklärung für das kleine Fußballwunder im Hinspiel gegen den FC Bayern?
Wir haben 105 Prozent gegeben und hatten auch noch das nötige Glück. Wenn Toni Kroos in der ersten Halbzeit das Tor macht, statt den Pfosten zu treffen, hätten wir verloren, da bin ich mir ziemlich sicher.

Es war der zweite Sieg im zweiten Spiel der diesjährigen Champions League-Gruppenphase. Danach gab es für BATE nur noch Niederlagen.
Im Fußball ist das Glück nicht immer auf deiner Seite. Wir haben in den Spielen danach aber auch Fehler gemacht – und in der Champions League darfst du eigentlich keine Fehler machen. Ich gehe davon aus, dass wir uns als Drittplatzierter jetzt immerhin für die nächste Europa League-Runde qualifizieren.

Haben Sie sich zur Vorbereitung auf das heutige Spiel das Bundesliga-Gipfeltreffen am vergangenen Samstag angesehen?
Ja, im Fernsehen. Es war in meinen Augen ein sehr gutes Spiel, in dem die beiden besten Mannschaften in Deutschland aufeinander getroffen sind. Mir gefällt die Spielweise der Dortmunder sehr. Die spielen sehr schnell und direkt, das finde ich richtig geil. Der FC Bayern München ist wie eine Maschine oder ein Zug, den man fast nicht stoppen kann. Aber ich freue mich auf das Spiel in der Allianz Arena, gegen einer der besten Mannschaft auf der Welt. Es wird schwer werden, weil Bayern sich bestimmt für die Niederlage in Minsk revanchieren will. Wir wollen Charakter zeigen und möglichst keine Fehler machen.

Ist es für Sie auch deshalb ein besonders wichtiges Spiel, weil Sie möglichst schon in der Winterpause bei einem Bundesligisten unterkommen wollen und sich heute Abend dafür bewerben können?
Es stimmt, ich würde sehr gerne wieder in der Bundesliga spielen wollen. Deutschland ist meine zweite Heimat. Es gibt Interesse von verschiedenen Vereinen aus verschiedenen Ländern. Aber ich will mich damit erst nach dem Spiel am Mittwoch richtig beschäftigen. Jetzt konzentriere ich mich voll auf  BATE Baryssau. Es ist auch nicht so, dass ich auf jeden Fall den Verein verlassen werde. Weißrussland ist ein schönes Land. Ich wohne mit meiner Familie in Minsk, das ist eine sehr schöne Hauptstadt.

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