Albert Streit im Interview

»Ich bereue gar nichts«

Einst galt er als der beste Flankengeber der Liga. Doch so steil Albert Streits Karriere begann, so hart landete er bei Schalke auf dem Boden. Beim HSV will er einen Neuanfang wagen. Ein Gespräch über Images, Fehler und David Beckham. Albert Streit im InterviewImago

Albert Streit, Sie haben in Köln mitunter Ihre erfolgreichsten Jahre gehabt. Sind Spiele gegen Leverkusen immer noch etwas Besonderes für Sie?

Mit Köln war das sicherlich etwas Besonderes, aber jetzt ist das ein Spiel wie jedes andere.

Angenommen Sie gewinnen gegen Leverkusen: Ist der HSV dann auch in den letzten Köpfen als Titelkandidat angekommen?

Unser Ziel ist das internationale Geschäft. Wenn wir uns in den nächsten Wochen so präsentieren, dass wir dann immer noch da oben stehen, dann kann man sicherlich das Wort Meisterschaft in den Mund nehmen. Aber momentan ist das zu früh.

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Bernd Hoffmann hat einen Titel für diese Saison gefordert. Welcher wird es werden?

Wir haben im DFB-Pokal ein machbares Los gezogen – zumindest vom Namen her. Wenn wir gegen Wehen Wiesbaden weiterkommen und dann noch mal ein machbares Los bekommen, ist der DFB-Pokal vielleicht der Titel, der uns am nächsten liegt.

Welchen Part können Sie auf diesem Weg einnehmen?

Ich versuche mich hier einzuordnen und meine Leistung abzurufen. Ich habe keine großen Ansprüche, bin froh hier zu sein und ordne mich unter.

Sie haben keine großen Ansprüche?

Damit meine ich, dass ich keinen Ärger mache. Ich warte auf die Chance, auch länger auf dem Platz zu stehen – die ich sicherlich bekommen werde. Und deshalb bleibe ich ganz gelassen.

Sie haben über sich selbst gesagt, dass sie kein einfacher Typ sind. Was meinen Sie damit?

Ich habe oft das Herz auf der Zunge getragen und Sachen gesagt, die bestimmt richtig, aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Mir war immer wichtig, dass ich mir selbst treu bleibe. Daher habe ich vieles ausgesprochen, was andere Bundesligaspieler nicht aussprechen würden.

Stört Sie ihr Image als schwieriger Typ?

Nein, ich kann mit meinem Image gut leben, denn ich kann immer noch in den Spiegel schauen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich bin mit mir selbst im Reinen und habe immer die Wahrheit gesagt, nur manchmal hätte ich lieber den Mund halten sollen. Aber so ist das: Jeder Mensch macht Fehler, niemand ist perfekt. Doch bereuen tue ich gar nichts.

In den letzten beiden Spielen sind Sie im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt worden. Wussten Sie, dass Sie in Hamburg zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen, als sie gewechselt sind?


Ich bin nicht hergekommen und habe gesagt: »Ich bin die Nummer zehn und will sofort spielen.« Denn ich habe lange nicht gespielt und keinen Rhythmus gehabt. Das letzte Jahr war für mich sehr schwer, vor allem mental.

Was war so schwer?

Ich bin verletzt nach Schalke gekommen, und es ist nicht alles so gelaufen, wie ich mir das dachte. Ich habe sicherlich auch ein paar Fehler gemacht. Aber Schalke ist Vergangenheit.

Dietmar Beiersdorfer hat über Sie gesagt, Sie könnten Flanken schlagen wie einst David Beckham...

Ich vergleiche mich nicht mit David Beckham. Beckham ist weltweiter Superstar, ich ein normaler Bundesligaspieler. In der Saison mit Eintracht Frankfurt, in der es für mich sehr gut lief, kamen schon ein paar richtig gute Flanken, und ich habe auch ein paar Tore vorbereitet. Aber Beckham ist eine andere Liga.

In der Saison 2006/2007 haben viele in Ihnen einen der besten offensiven Außenspieler gesehen. Sind sie das auch heute noch, wenn man sie lässt?

Mein Selbstvertrauen hat im letzten Jahr schon ziemlich gelitten. Ich hatte vor zwei Jahren eine super Phase in der Liga und auch mehrere Angebote von guten Klubs. Aber wenn man dann ein Jahr lang nicht richtig zum Spielen kommt, dann geht Selbstvertrauen verloren. Sollte ich natürlich meine Einsatzzeiten bekommen und Selbstvertrauen tanken, kann ich auch wieder an meine alte Form anknüpfen.

Welche Klubs hatten damals Interesse?

Ich hatte zu dieser Zeit die Möglichkeit, zum HSV zu gehen. Außerdem war da Schalke. Die standen damals auf Platz eins. Jeder ist davon ausgegangen, dass die Meister werden. Und aus dem Ausland gab es auch ein paar gute Angebote.

Früher galt die Vorgabe für Außenspieler, bis zur Grundlinie durchzulaufen und dann zu Flanken. Heute kommen viele Flanken aus dem Halbfeld. Hat sich die Spielweise der Außenspieler geändert?

Das ist von den Trainern abhängig. Wenn sie kopfballstarke Spieler in der Mitte haben, sagen viele Trainer, dass auch Flanken aus dem Halbfeld geschlagen werden sollen. Aber ich bin eher der Typ, der die Eins-gegen-Eins-Situationen sucht und dann automatisch bis zur Grundlinie kommt.

Haben Sie das Gefühl, dass Spieler, die Eins-gegen-Eins-Situationen suchen, immer weniger gebraucht werden in Zeiten von schnellem Direktpassspiel?

Man hat in den letzten Jahren schon gemerkt, dass die Ausdauer und Athletik eines Spielers über allem steht. Ohne das ist es schwer zu bestehen in den ersten Ligen in Europa.

Kann man sagen, dass körperliche Fitness wichtiger ist als fußballerisches Talent?

Ja, das denke ich schon. Es gibt so viele super Straßenfußballer, die mit dem Ball alles können. Aber wenn die dann auf dem Platz einmal hoch und runter laufen müssen und keine Luft mehr haben, um noch eine Aktion zu starten, haben sie ihr Pulver schnell verschossen.

Wie ist es um Ihre Fitness bestellt?

Mit Ausdauer habe ich mir zwar immer etwas schwer getan, aber ich spiele schon ein paar Jahre als Profifußballer und habe bewiesen, dass ich mithalten kann. Meine Stärken sehe ich vor allem in den schnellen Sprints.

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