01.01.2009

Alan Shearer zieht Bilanz

»Ich spielte nie besoffen«

Alan Shearers Karriere begann in der guten, alten Zeit und endete im Turbo-Kapitalismus. Wir sprachen mit ihm über den Einfluss des Geldes, die Versuchungen des Alkohols und die Angst der Engländer vor Capello.

Interview: Dirk Gieselmann und Tim Jürgens Bild: imago
Ihre Karriere begann an der Schwelle zwischen der alten und neuen Fußballwelt. Können Sie sich an einen Moment erinnern, in dem Sie dachten: »Irgendwas läuft hier aus dem Ruder«?
 
Was ist denn aus dem Ruder gelaufen? Meine Karriere ist doch ganz gut gelaufen. Finden Sie nicht?
 
Ohne Zweifel. Aber über die Entwicklung der Premier League lässt sich streiten.
 
Wie gesagt: Die Nationalmannschaft hat in den letzten 15 Jahren nicht gerade von der Premier League profitiert. Aber die Liga selbst ist, nachdem sie Ende der 80er Jahre wegen der Heysel-Katastrophe exkommuniziert worden war, zur besten der Welt geworden. Daran kann ich nichts schlecht finden.
 



Haben Sie dennoch Verständnis für Fans, die sich aus Frust über Kommerzialisierung, steigende Ticket-Preise und fluktuierende Kader von ihren Klubs abwenden?

 
Niemand kann die Augen davor verschließen, dass die Zuschauerzahlen zurückgehen. Aber ich bin überzeugt: Wer Fan eines Klubs ist, bleibt es für den Rest des Lebens. Egal, was passiert.
 
Die Premiere League wird von den »Big Four« dominiert: Manchester United, FC Chelsea, Arsenal London und FC Liverpool. Auf Dauer ein bisschen langweilig, oder?
 
Gegenfrage: Wer hat denn in den letzten Jahren die Bundesliga dominiert?
 
Bayern München.
 
Also nur eine Mannschaft. In Schottland oder Spanien sind es gerade einmal zwei. Da finde ich es bedeutend attraktiver, wenn sich vier Große bis aufs Blut bekämpfen.
 
Wie ist das Image der Bundesliga in England?

 
Soweit wir uns überhaupt für irgendetwas anderes als unseren Fußball interessieren: Ziemlich gut! Die Bundesliga gilt bei uns als durch und durch gesund. Die Serie A ist auf dem Weg nach unten, die Bundesliga auf dem Weg nach oben.
 
Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge will durch die Abschaffung der so genannten »50+1-Regel« auch in der Bundesliga das Engagement ausländischer Investoren ermöglichen. Möchten Sie ihn in Ihrer Eigenschaft als Experte des englischen Fußballs an dieser Stelle warnen?

Das Geld von Leuten wie Roman Abramowitsch macht vieles möglich. Kein Wunder, dass andere das auch wollen. Ich sehe bloß eine Gefahr: Was passiert, wenn die Abramowitsch das Interesse an seinem Spielzeug verliert? Dann hat der FC Chelsea ein beträchtliches Problem. Und wenn die Geldgeber von Manchester City, West Ham oder United das Interesse verlieren, geht es diesen Klubs genauso – und damit hätte auch die Premier League ein großes Problem.
 
Als Sie 1996 für 15 Millionen Pfund von den Blackburn Rovers zu Newcastle United wechselten, waren Sie der teuerste Spieler der Welt. Wie sind Sie mit diesem enormen Druck umgegangen?
 
Ich habe das nie als Druck empfunden. Warum auch? Ich wollte immer erfolgreich sein - und war lieber der teuerste Spieler der Welt als der billigste. (lacht) 
 
Bereuen Sie es, dass Sie niemals im Ausland gespielt haben?

 
Keineswegs! Ich hatte die Chance, der FC Barcelona und Sampdoria Genua wollten mich holen. Aber meine Kinder waren im schulpflichtigen Alter, ich wollte sie nicht durch halb Europa zerren. Außerdem hatte ich in Newcastle alles, was ich brauchte.
 

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