Alabas Förderer Thomas Janeschitz im Interview

»David ist ein Kind der Nation«

David Alaba ist Stammspieler bei Bayern München – und das mit 19 Jahren. Wir sprachen mit Thomas Janeschitz, dem Kotrainer der österreichischen Nationalmannschaft, der Alaba bereits mit 15 Jahren in der zweiten Liga einsetzte.

Thomas Janeschitz, der 19-jährige David Alaba spielt heute mit Bayern München im Champions-League-Halbfinale bei Real Madrid. Er wird wieder in der Start-Elf stehen. Glauben Sie, dass er trotzdem vor dieser wichtigen Begegnung nervös ist?
Thomas Janeschitz: Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. David war schon immer total unbeschwert, total professionell. Egal, was man ihm bisher zugemutet hat, er hat alle Aufgaben gemeistert. Von daher macht ihm die Konstellation heute Abend sicherlich nicht zu schaffen.

Sie haben den damals 15-jährigen Alaba im Jahr 2008 in der zweiten österreichischen Liga bei Austria Wien II eingesetzt. Was machte Sie damals so sicher, dass er in diesem Alter schon bereit war für den Profifußball?
Thomas Janeschitz: Ich habe bei David und auch bei Alexander Dragovic (debütierte mit 17 für Austria II, spielt heute beim FC Basel, Anm. d. Red.) gemerkt, dass sie uns weiterhelfen können. Dann ist es auch egal, wie alt ein Spieler ist, 15 oder 25 – das macht da keinen Unterschied. Manche sind eben früher reif, manche erst mit 20. Aber als Trainer muss ich auch mal mutig sein. Bei David hatte ich aber schon damals nicht die Befürchtung, dass er nervös werden könnte. Er ist mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein an die Sache herangegangen und war sich sicher, dass er das schafft. Spätestens nach den ersten Minuten in seinem Debüt waren keinerlei Zweifel mehr angebracht.

Alaba machte insgesamt fünf Spiele, bevor er von der Austria zu Bayern München wechselte. Seine erste Partie mit der Austria ging gegen Red Bull Salzburg II mit 1:3 verloren. Wie reagierte er darauf?
Thomas Janeschitz: Direkt nach dem Schlusspfiff bin ich zu ihm hin und habe ihm zu seiner guten Leistung und zum Debüt gratuliert. Doch das wollte er nicht hören. Wir hatten verloren, und David will eben immer gewinnen. Da konnte er sich nach dem Schlusspfiff nicht so recht über sein Debüt freuen.

Wie verhält sich ein 15-Jähriger inmitten einer Gruppe gestandener professioneller Fußballer?
Thomas Janeschitz: Im Fall von David: Respektvoll. Es war seine große Stärke, sich mit respektvollem Auftreten in die Gruppe zu integrieren und schnell einzufinden. Gepaart mit seinen damals schon herausragenden Leistungen war das der Schlüssel dazu, keine Probleme zu bekommen. Bei Bayern München war es ein paar Jahre später ja ähnlich, auch dort war er schnell intigriert.

Aber fürchteten die gestandenen Platzhirsche nicht darum, von einem 15-Jährigen den Rang abgelaufen zu bekommen?
Thomas Janeschitz: Wenn ältere Spieler um ihre Plätze fürchten, kann darunter natürlich das Mannschaftsklima leiden. Dann war es aber auch meine Aufgabe als Trainer, entsprechend einzuwirken und allen deutlich zu machen, dass es um den Erfolg der Mannschaft und nicht um Einzelinteressen von Spielern geht, deren Felle davonschwimmen. David hat es mir aber auch leicht gemacht, er gehörte trotz seines jungen Alters direkt zu den auffälligsten Spielern. Er spielt heute mit 19 in der Champions League. Mit 15 entsprach die zweite österreichische Liga eben seinem Niveau.

Wenn Sie sich den heutigen Alaba ansehen: Wo hat er sich fußballerisch am meisten entwickelt?
Thomas Janeschitz: David hat es in den letzten Jahren geschafft, seine ohnehin schon sehr guten fußballersichen und taktischen Fähigkeiten in eine unglaubliche Dynamik zu verpacken. Da haben ihm die hohen Anforderungen in Deutschland und in der Champions League enorm geholfen.

Auf welcher Position sehen Sie ihn am stärksten?
Thomas Janeschitz: Er kann mehrere Positionen ausfüllen. Und was ihn von anderen Spielern unterscheidet ist, dass er sie sehr gut spielen kann. Andere kann man auf vielen Positionen aufstellen, doch wirklich gut sind sie auf keiner. Das gilt für David nicht. In der Nationalmannschaft nimmt er eine der beiden Sechser-Positionen im 4-2-3-1-System ein. Bei den Bayern macht er ja aktuell auf der linken Außenverteidigerposition eine überragenden Job. Ob es eine Topposition für ihn gibt? (überlegt) Ich glaube, er spielt am liebsten im Mittelfeld.

Ab wann wurde das Talent Alabas eigentlich über die Landesgrenzen hinaus bekannt?
Thomas Janeschitz: Es war schon vor 2008 so, dass bei Turnieren der Jugendnationalmannschaften unzählbare viele Scouts zu Gast waren. Denen ist David natürlich auch aufgefallen.

Und haben Sie ihm beim Wechsel einen Tipp gegeben? 
Thomas Janeschitz: Wir sind immer sehr froh, wenn sich unsere Spieler dazu entscheiden, nach Deutschland zu gehen. So war es auch in Davids Fall. Alleine von der Sprache her ist ein ungemeiner Vorteil. Dort können sie sich einfach sehr gut entwickeln.

Alaba spielt bei einem Topklub Europas. Wie wird das in Österreich wahrgenommen?
Thomas Janeschitz: Natürlich ist David ein gefragter Interviewpartner bei den Medien. Wer beim FC Bayern spielt, ist automatisch ein Aushängeschild für unseren Fußball und die Nationalmannschaft. Durch seine Art ist er darüber hinaus sehr beliebt, Everybodys Darling sozusagen. Man sieht ihn als Kind der Nation an. Deshalb wird ihm auch viel Vertrauen entgegengebracht.

Würden Sie von einem Medien-Hype sprechen?
Thomas Janeschitz: Das kann man schon so sagen. Wobei das sicherlich nicht zu vergleichen ist mit ähnlichen Phänomenen in anderen Ländern. Ich glaube, ein Hype in Österreich hat andere Dimensionen als in Deutschland, England oder Amerika. Bei uns geht das alles ein wenig ruhiger zu (lacht)

Bei den Bayern spielt Alaba mit vielen Stars zusammen. Ein besonders gutes Verhältnis wird ihm zu Franck Ribery nachgesagt. Glauben Sie, dass er in ihm eine Art Mentor sieht?
Thomas Janeschitz: Nein. Beide verstehen sich offensichtlich sehr gut. Aber das ist eine persönliche Sache. Seine große Stärke ist, dass er es schafft, sich schnell mit allen Mitspielern gut zu verstehen. David hat sicherlich viele Ansprechpartner beim FC Bayern.

Hatten Sie Zweifel, dass er es beim FC Bayern nicht schaffen könnte?
Thomas Janeschitz: Wichtig für ihn war das halbe Jahr in Hoffenheim. So konnte er dauerhaft in der Bundesliga Spielpraxis sammeln. Aber Zweifel? Nein, die hatte ich nie. Auch wenn man sagen muss, dass es mit dem Durchbruch doch extrem schnell gegangen ist.

Thomas Janeschitz, David Alaba wirkt Ihren Beschreibungen zufolge sehr gefestigt. Haben Sie irgendwelche Befürchtungen, dass sich seiner Karriere noch etwas in den Weg stellen könnte?
Thomas Janeschitz: Es gibt nur eine Sorge, die ich habe: Sollte er mal ein paar Spiele nicht gut spielen, könnten ihn die Medien bei uns fallen lassen. Von unserer Seite wird er aber immer die volle Unterstützung bekommen. Und das er selbst noch einmal abhebt, ist ausgeschlossen. Dafür hat er doch jetzt schon zu viel erlebt.

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