19.06.2008

Afrob im Interview

»Ich wollte Fußballprofi werden«

Für Afrob war der Bolzplatz sein zweites zu Hause - Profi wurde er dennoch nicht. Dafür ist der Stuttgarter heute einer der bekanntesten Rapper im Land. Das Reimemonster über Straßenfußball, Roy Keane und seine Lieblingsschuhe.

Interview: Robert Mucha Bild: Fourmusic
Afrob im Interview
Mitte der Neunziger hatte Basketball dem Fußball den Rang als Straßenballsport Nr. 1 abgelaufen. Alle wollten »Air« Jordan- oder »Magic« Johnson-Trikots und -Schuhe tragen und auf dem Basketballplatz ihre Fähigkeiten - natürlich und vor allem auch die stilistischen - unter Beweis stellen. Wieso ist Straßenfußball bei den heutigen Kids wieder im kommen?

Ach, ich sehe das gar nicht so als Konkurrenz. Bei uns früher auf dem Platz, da haben wir einfach Basketball und Fußball gespielt. Es war in den 90ern aber wirklich so, das Basketball voll im Kommen war. Aber Straßenfußball wird in diesem Land nie klein zu kriegen sein.

Dass Straßenfußball tatsächlich wieder populärer zu werden scheint, hat man auch beim Nike »Urban Skills Club« gesehen als die Spieler auf dem engen Feld unglaubliche Ballbeherrschung und einen großen Fundus an Tricks darboten und dabei dennoch effektiv waren. Warst Du über das gezeigte Niveau überrascht oder hattest Du das so erwartet?

Das hatte ich so erwartet, auf jeden Fall! Das war zum Teil Weltklasse und sah dabei richtig geschmeidig aus, was die Jungs, die ihre Zeit auf dem Bolzplatz verbringen, gezeigt haben. So Rumgestylt, wie die heutigen Kids, haben wir zu meiner Zeit damals nicht, sondern eher soliden Fußball gespielt – auch auf dem Bolzplatz.

Beim Finale in Zürich waren die meisten der Spieler auch tatsächlich Hip-Hop-Fans. Früher waren die Fußballer eher Hörer und Fans von Pop- oder Rockmusik, im schlimmsten Fall sogar Schlager. Wieso passen Fußball und Hip Hop für dich zusammen? Eigentlich ist Hip Hop ja beim Basketball zuhause.

Frage mal jetzt die Profifußballer, was die so hören. Die hören keinerlei Rock, die hören alle Hip Hop. Christian Pander von Schalke 04 rappt sogar.

Sind die Chancen auf Fußballförderung für Kinder aus sozial schwachen Schichten heute größer geworden als vor 15 Jahren?

Früher waren die Spieler, die gefördert wurden, eher deutsche Spieler, während Ausländerkinder nicht so große Chancen bekamen. Heute ist das alles ausgewogener geworden, ein Stückweit offener. Kids, auch wenn sie nicht das familiäre Umfeld haben, erhalten eine Chance. Dass Jermaine Jones es in die Nationalmannschaft geschafft hat, wäre früher kaum möglich gewesen. Der ist so »Ghetto«, da wären vor Jahren die DFB-Funktionäre auf die Barrikaden gegangen und hätten den Nationalspieler Jones verhindert.

Der Nike »Urban Skills Club« war auch als Hommage an den legendären Basketball- und Hip-Hop-Schuh, den »Nike »Dunk« gedacht. Ganz ehrlich, würdest Du mit einem Paar »Dunks« am Fuß über den Bolzplatz jagen?

Naja, das ist der ultimative Sneaker für mich. Vor meinem ersten Paar »Dunks« stand ich fünf Minuten und hab mich nicht getraut, sie anzufassen. Aber ich würde die Schuhe schon auch zum Fußballspielen anziehen. Der sieht ja einfach noch geiler aus, wenn er ein bisschen verranzt ist. Früher hab ich oft noch eine Socke über einen guten Sneaker gezogen, bevor ich damit den Platz betreten habe... (lacht)

Klingt sehr ehrfürchtig? Was macht den »Dunk« für Dich so speziell, dass Du dich teilweise nicht mal traust, ihn anzuziehen?

Damit kann ich einfach rausgehen, mein Ding machen. Die Sohle ist nicht zu hoch, er ist bequem und robust. Und ganz wichtig: Es gibt keinen Schuh, der besser aussieht.

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