Afrob im Interview

»Ich wollte Fußballprofi werden«

Afrob im InterviewFourmusic

Afrob, man weiß ja, dass Du Fußballfan bist ...

Fanatiker. VfB-Fanatiker!

Bist Du früher auch auf dem Bolzplatz hinter dem Ball hergejagt oder hast Du organisiert im Verein gespielt?

Ich war jeden Tag mehrere Stunden auf dem Bolzplatz, und ich habe aktiv im Verein gespielt. Ich wollte Fußballprofi werden.

Auf welcher Position hast Du versucht, Profi zu werden?

Ich wurde überall eingesetzt, weil ich alles spielen kann. Aber am meisten gespielt habe ich auf der Sechser-Position im zentralen Mittelfeld. Ich hatte eine sehr große Übersicht und versuchte das Spiel zu lesen.

[ad]

Warst Du ein Spielertyp der auch mal hart dazwischen gefunkt hat oder hast Du versucht, dich spielerisch aus brenzligen Situationen zu lösen und weniger auf das martialische Element im Fußball gesetzt?

Nein, so ein »Haudrauf« war ich nicht. Da ich ein gutes Stellungsspiel hatte, kam ich gar nicht erst in solche Situationen. Ich musste nicht hart spielen.

Mitte der 90er ging das Gerücht umher, dass der Straßenkicker a la »Icke« Häßler im Profifußball ausgestorben sei. Ist auf den Bolzplätzen noch genug los oder liegen sie brach?

Es kann nicht genug Bolzplätze geben! Bei uns gab es auch nicht immer genug Bolzplätze um die Ecke. Wir haben einfach aus Pullis Tore gemacht und haben auf dem dreckigsten Rasen der Welt gekickt. Wenn du Fußball spielen willst, dann machst du das auch. Und der Straßenfußballer ist meiner Meinung nach - im Zeitalter der Raumdeckung - wieder gefragt. Wenn ein Spieler Eins-zu-eins-Situationen lösen kann, dann verschafft er sich und seinem Team Platz und Überzahlsituationen in der Offensive. Im heutigen Systemfußball sind solche überraschenden Raumgewinne durch Passspiel kaum mehr möglich. Aber Du darfst heutzutage auch kaum Fehler auf dem Platz machen. Früher hat »Icke« Häßler fünfmal probiert am Gegenspieler vorbeizukommen und der Trainer hat nichts gesagt. Diese Zeit, Geduld und das Vertrauen in den Spieler, gibt es heute leider so nicht mehr.

Bei welchem aktuellen deutschen Fußballer siehst Du ganz eindeutig, dass er das Spiel auf der »Straße« erlernt hat?

Mehmet Scholl war der letzte. Danach kam leider nichts mehr...

Es scheint als wärst Du mit der neuen Spielergeneration nicht ganz im Reinen?

Die heutige Spielergeneration sieht mir viel zu gestriegelt aus. Da ist einfach kein richtiger Mann dabei, der drauf scheißt wie er aussieht und einfach nur spielt. So wie Roy Keane von den Iren. Keane war seine Frisur egal - er war da um Fußball zu spielen.

Wie wichtig sind für den Straßenfußball »coole« und trickreiche Spieler, wie Cristiano Ronaldo, der gezeigt hat, dass moderner Fußball auch »stylisch« sein kann?

Cristiano Ronaldo ist eindeutig ein Straßenfußballer. Was der auf dem Platz veranstaltet, ist nicht normal. Es ist einfach geil, so jemandem zugucken zu dürfen. Ich danke Gott für solche Fußballer.

Dann dürfte es Dir auch nicht so wichtig sein, dass nicht jede Aktion von Ronaldo effektiv ist. Manche Aktion veranstaltet er nur zum eigenen Vergnügen. Stört Dich so was nicht?

Jeder soll das machen, was er am besten kann. Jeder muss im Team seine Rolle spielen. Und wenn Du einen Spieler im Team hast, der in der Lage ist, Leute Eins-gegen-eins auszuspielen, dann muss eine Mannschaft diese Fähigkeiten für sich nutzen und auch akzeptieren, wenn mehrere Versuche in die Hose gehen. Klar kann man auch den Ball hundertmal vorm Sechzehner hin und her schieben und auf die Lücke warten. Aber wer will das schon sehen?

Mitte der Neunziger hatte Basketball dem Fußball den Rang als Straßenballsport Nr. 1 abgelaufen. Alle wollten »Air« Jordan- oder »Magic« Johnson-Trikots und -Schuhe tragen und auf dem Basketballplatz ihre Fähigkeiten - natürlich und vor allem auch die stilistischen - unter Beweis stellen. Wieso ist Straßenfußball bei den heutigen Kids wieder im kommen?

Ach, ich sehe das gar nicht so als Konkurrenz. Bei uns früher auf dem Platz, da haben wir einfach Basketball und Fußball gespielt. Es war in den 90ern aber wirklich so, das Basketball voll im Kommen war. Aber Straßenfußball wird in diesem Land nie klein zu kriegen sein.

Dass Straßenfußball tatsächlich wieder populärer zu werden scheint, hat man auch beim Nike »Urban Skills Club« gesehen als die Spieler auf dem engen Feld unglaubliche Ballbeherrschung und einen großen Fundus an Tricks darboten und dabei dennoch effektiv waren. Warst Du über das gezeigte Niveau überrascht oder hattest Du das so erwartet?

Das hatte ich so erwartet, auf jeden Fall! Das war zum Teil Weltklasse und sah dabei richtig geschmeidig aus, was die Jungs, die ihre Zeit auf dem Bolzplatz verbringen, gezeigt haben. So Rumgestylt, wie die heutigen Kids, haben wir zu meiner Zeit damals nicht, sondern eher soliden Fußball gespielt – auch auf dem Bolzplatz.

Beim Finale in Zürich waren die meisten der Spieler auch tatsächlich Hip-Hop-Fans. Früher waren die Fußballer eher Hörer und Fans von Pop- oder Rockmusik, im schlimmsten Fall sogar Schlager. Wieso passen Fußball und Hip Hop für dich zusammen? Eigentlich ist Hip Hop ja beim Basketball zuhause.

Frage mal jetzt die Profifußballer, was die so hören. Die hören keinerlei Rock, die hören alle Hip Hop. Christian Pander von Schalke 04 rappt sogar.

Sind die Chancen auf Fußballförderung für Kinder aus sozial schwachen Schichten heute größer geworden als vor 15 Jahren?

Früher waren die Spieler, die gefördert wurden, eher deutsche Spieler, während Ausländerkinder nicht so große Chancen bekamen. Heute ist das alles ausgewogener geworden, ein Stückweit offener. Kids, auch wenn sie nicht das familiäre Umfeld haben, erhalten eine Chance. Dass Jermaine Jones es in die Nationalmannschaft geschafft hat, wäre früher kaum möglich gewesen. Der ist so »Ghetto«, da wären vor Jahren die DFB-Funktionäre auf die Barrikaden gegangen und hätten den Nationalspieler Jones verhindert.

Der Nike »Urban Skills Club« war auch als Hommage an den legendären Basketball- und Hip-Hop-Schuh, den »Nike »Dunk« gedacht. Ganz ehrlich, würdest Du mit einem Paar »Dunks« am Fuß über den Bolzplatz jagen?

Naja, das ist der ultimative Sneaker für mich. Vor meinem ersten Paar »Dunks« stand ich fünf Minuten und hab mich nicht getraut, sie anzufassen. Aber ich würde die Schuhe schon auch zum Fußballspielen anziehen. Der sieht ja einfach noch geiler aus, wenn er ein bisschen verranzt ist. Früher hab ich oft noch eine Socke über einen guten Sneaker gezogen, bevor ich damit den Platz betreten habe... (lacht)

Klingt sehr ehrfürchtig? Was macht den »Dunk« für Dich so speziell, dass Du dich teilweise nicht mal traust, ihn anzuziehen?

Damit kann ich einfach rausgehen, mein Ding machen. Die Sohle ist nicht zu hoch, er ist bequem und robust. Und ganz wichtig: Es gibt keinen Schuh, der besser aussieht.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!