19.06.2008

Afrob im Interview

»Ich wollte Fußballprofi werden«

Für Afrob war der Bolzplatz sein zweites zu Hause - Profi wurde er dennoch nicht. Dafür ist der Stuttgarter heute einer der bekanntesten Rapper im Land. Das Reimemonster über Straßenfußball, Roy Keane und seine Lieblingsschuhe.

Interview: Robert Mucha Bild: Fourmusic
Afrob im Interview
Afrob, man weiß ja, dass Du Fußballfan bist ...

Fanatiker. VfB-Fanatiker!

Bist Du früher auch auf dem Bolzplatz hinter dem Ball hergejagt oder hast Du organisiert im Verein gespielt?

Ich war jeden Tag mehrere Stunden auf dem Bolzplatz, und ich habe aktiv im Verein gespielt. Ich wollte Fußballprofi werden.

Auf welcher Position hast Du versucht, Profi zu werden?

Ich wurde überall eingesetzt, weil ich alles spielen kann. Aber am meisten gespielt habe ich auf der Sechser-Position im zentralen Mittelfeld. Ich hatte eine sehr große Übersicht und versuchte das Spiel zu lesen.



Warst Du ein Spielertyp der auch mal hart dazwischen gefunkt hat oder hast Du versucht, dich spielerisch aus brenzligen Situationen zu lösen und weniger auf das martialische Element im Fußball gesetzt?

Nein, so ein »Haudrauf« war ich nicht. Da ich ein gutes Stellungsspiel hatte, kam ich gar nicht erst in solche Situationen. Ich musste nicht hart spielen.

Mitte der 90er ging das Gerücht umher, dass der Straßenkicker a la »Icke« Häßler im Profifußball ausgestorben sei. Ist auf den Bolzplätzen noch genug los oder liegen sie brach?

Es kann nicht genug Bolzplätze geben! Bei uns gab es auch nicht immer genug Bolzplätze um die Ecke. Wir haben einfach aus Pullis Tore gemacht und haben auf dem dreckigsten Rasen der Welt gekickt. Wenn du Fußball spielen willst, dann machst du das auch. Und der Straßenfußballer ist meiner Meinung nach - im Zeitalter der Raumdeckung - wieder gefragt. Wenn ein Spieler Eins-zu-eins-Situationen lösen kann, dann verschafft er sich und seinem Team Platz und Überzahlsituationen in der Offensive. Im heutigen Systemfußball sind solche überraschenden Raumgewinne durch Passspiel kaum mehr möglich. Aber Du darfst heutzutage auch kaum Fehler auf dem Platz machen. Früher hat »Icke« Häßler fünfmal probiert am Gegenspieler vorbeizukommen und der Trainer hat nichts gesagt. Diese Zeit, Geduld und das Vertrauen in den Spieler, gibt es heute leider so nicht mehr.

Bei welchem aktuellen deutschen Fußballer siehst Du ganz eindeutig, dass er das Spiel auf der »Straße« erlernt hat?

Mehmet Scholl war der letzte. Danach kam leider nichts mehr...

Es scheint als wärst Du mit der neuen Spielergeneration nicht ganz im Reinen?

Die heutige Spielergeneration sieht mir viel zu gestriegelt aus. Da ist einfach kein richtiger Mann dabei, der drauf scheißt wie er aussieht und einfach nur spielt. So wie Roy Keane von den Iren. Keane war seine Frisur egal - er war da um Fußball zu spielen.

Wie wichtig sind für den Straßenfußball »coole« und trickreiche Spieler, wie Cristiano Ronaldo, der gezeigt hat, dass moderner Fußball auch »stylisch« sein kann?

Cristiano Ronaldo ist eindeutig ein Straßenfußballer. Was der auf dem Platz veranstaltet, ist nicht normal. Es ist einfach geil, so jemandem zugucken zu dürfen. Ich danke Gott für solche Fußballer.

Dann dürfte es Dir auch nicht so wichtig sein, dass nicht jede Aktion von Ronaldo effektiv ist. Manche Aktion veranstaltet er nur zum eigenen Vergnügen. Stört Dich so was nicht?

Jeder soll das machen, was er am besten kann. Jeder muss im Team seine Rolle spielen. Und wenn Du einen Spieler im Team hast, der in der Lage ist, Leute Eins-gegen-eins auszuspielen, dann muss eine Mannschaft diese Fähigkeiten für sich nutzen und auch akzeptieren, wenn mehrere Versuche in die Hose gehen. Klar kann man auch den Ball hundertmal vorm Sechzehner hin und her schieben und auf die Lücke warten. Aber wer will das schon sehen?

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