Adrian Knup über den Erfolg des FC Basel

»So etwas schürt Neid«

Zu seiner aktiven Zeit spielte Adrian Knup für Stuttgart und Karlsruhe. Heute arbeitet er unter anderem als Stürmertrainer für FCB-Nachwuchstalente. Wir sprachen mit ihm über das heutige Duell gegen den FC Bayern. Adrian Knup über den Erfolg des FC BaselImago

Adrian Knup, ist der FC Basel so etwas wie der FC Bayern der Schweiz?

Es wäre toll, wenn wir dahin kommen würden, wo der FC Bayern in Deutschland steht. Die Bayern haben noch einen Vorsprung, sie sind deutscher Rekordmeister, der FC Basel ist das nicht. Die Grasshoppers liegen noch deutlich vorne.

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Aber der FC Basel polarisiert die Fußball-Fans genauso wie der FC Bayern München.

Das stimmt. Entweder man ist für den FC Basel oder dagegen. Dazwischen gibt es nichts. Man sieht das ganz gut an Alex Frei. Solange er in Dortmund gespielt hat, war er in der Schweiz everybody’s Darling. Seit er für den FC Basel stürmt, wird er in der Region verehrt, aber auswärts gnadenlos ausgebuht.

Haben Sie eine Erklärung für diese Wirkung des FC Basel?

Das hat sicher mit den Erfolgen zu tun, die der Verein in den letzten zehn Jahren gefeiert hat. So etwas schürt Neid.

Der FC Basel verfügt über das höchste Budget im Schweizer Fußball, was den Neidfaktor erhöht.

Sicherlich spielt das auch eine Rolle. Aber da wird übertrieben. Unser Grundbudget liegt bei 30 bis 35 Millionen Franken. Wir liegen da in der Liga sicher vorne. Aber der FC Zürich und die Berner Young Boys sind nicht weit davon entfernt. Wir sprechen hier von einem Budget, mit dem wir uns in der deutschen Bundesliga im hinteren Viertel bewegen würden.

Der FC Basel hat mit Gigi Oeri eine milliardenschwere Klubpräsidentin und Mäzenin. Frau Oeri könnte es sich leisten, noch mehr Geld in den Verein zu pumpen. Warum tut sie das nicht?

Das müssen Sie sie eigentlich selbst fragen. Ich denke, es macht nicht wirklich Sinn, irrsinnige Summen in den Klub hineinzupumpen. Wir dürfen die Basis nicht verlieren. Der FC Basel spielt in der Schweiz und da werden nun einmal kleinere Brötchen gebacken, was den Fußball angeht. Frau Oeri ist sicher nicht nur wegen ihrer finanziellen Möglichkeiten sehr wichtig für den Klub. Sie ist eine Visionärin. Derzeit treibt sie das Campus-Projekt voran, um die Jugendarbeit des FC Basel weiter zu verbessern. Aber es tut dem Verein auf jeden Fall sehr gut, dass wir mit Frau Oeri eine Person haben, die voll hinter dem Klub steht und in finanzieller Hinsicht einspringen würde, sollte es tatsächlich einmal nötig sein.

Welche Bedeutung hat die Qualifikation für die Champions League für den FC Basel?


Die Champions League ist unwahrscheinlich wichtig. Die Fernsehgelder fließen in der Schweiz nicht sehr üppig. Der größte Einnahmeposten ist der Ticketverkauf. Mit dem Vorstoß in die Champions League gelangen wir in ganz andere finanzielle Dimensionen. Das ist mit ein Grund dafür, warum wir den Fokus auf die Champions League-Qualifikation gerichtet haben, vielleicht mit dem negativen Nebeneffekt, dass es in der Liga zwischenzeitlich nicht ganz so rund lief.

Hätten Sie statt dem FC Bayern München lieber den FC Barcelona oder Real Madrid in der Gruppe?

Nein, der FC Bayern ist für uns ein absolutes Traumlos. In der Nordwest-Schweiz ist die Affinität zur Bundesliga sehr hoch. In Basel und im Umland gibt es tatsächlich jede Menge Bayern-Fans, von denen viele immer wieder mal zu den Spielen nach München fahren. Und dann haben wir mit Thorsten Fink ja auch noch einen Trainer mit einer FC Bayern-Vergangenheit.

Thorsten Finks Trainervita wies keinen einzigen Titel auf, als ihn der FC Basel 2009 verpflichtete. Was war ausschlaggebend für das Experiment?

Es war so, dass Christian Gross in den zehn Jahren seiner Tätigkeit beim FC Basel den Klub unwahrscheinlich geprägt hat. Alles war sehr stark mit seiner Person verbunden. Nach seinem Abschied wollte sich der FC Basel strategisch neu orientieren. Es sollte nicht mehr alles nur von einem Trainer abhängig sein. Unter anderem wurde ein Sportkoordinator als Art Manager eingesetzt sowie eine technische Kommission gegründet, in die auch ich geholt wurde.

Klingt so, als hätte man einen Trainer gesucht, der noch formbar ist?

Nein, das soll nicht heißen, dass Thorsten kein starker Trainer ist. Aber es kann gefährlich sein, wenn ein Trainer so extrem viel Macht hat, dass alles zusammenfällt, wenn er weg ist. Thorsten ist ein Trainer mit einer sehr guten Perspektive. Und für ihn ist das Engagement beim FC Basel auch ein Glücksfall. Hier ist die Chance groß, dass er jedes Jahr mit seinem Team international vertreten ist.

Sein Champions League-Debüt in Cluj ging aber daneben.

Leider ja. Es war das Ziel in Cluj zu gewinnen und damit den Grundstein für Platz drei in der Gruppe zu legen. Cluj ist ein Klub, mit dem wir uns auf Augenhöhe bewegen. Ja, wir hatten uns sogar ein wenig höher eingestuft.

Sie träumen erst gar nicht vom Einzug ins Achtelfinale?

Ich habe nichts dagegen, sollte das tatsächlich eintreten. Aber wenn man es realistisch betrachtet, ist Platz eins in der Gruppe für die Bayern und Platz zwei für den AS Rom reserviert. Für uns geht es darum, europäisch zu überwintern.

Mal Hand aufs Herz, tut es Ihnen Leid, dass Ribéry und Robben im Joggeli, der Heimstätte des FC Basel, nicht auftreten können oder sind Sie erleichtert?


Für die Zuschauer im Stadion tut es mir wahnsinnig leid. Und aus sportlicher Sicht denke ich, dass es für uns dadurch nicht einfacher wird. Die beiden Spieler, die Ribéry und Robben ersetzen, werden sich extrem reinhängen.

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