30.08.2011

Adidas-Chef Hainer über den FC Bayern als Marketingobjekt

»Hoeneß tut der Marke Bayern gut«

Adidas-Chef Herbert Hainer ist nicht nur Aufsichtsratmitglied beim FC Bayern, sein Konzern hält sogar Anteile am Rekordmeister. Wir sprachen mit ihm über die Marketingpotentiale der Bayern, Uli Hoeneß und Trikotverkäufe in Asien.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Herbert Hainer, was bedeutet »Mia san mia«?

Herbert Hainer: Es drückt das Gefühl einer inneren Stärke aus und steht für Selbstbewusstsein. Beim FC Bayern fühlen sich alle – das Team, die Führung, die Fans, das Umfeld – irgendwie beheimatet. So etwas entsteht nicht von heute auf morgen, sondern an dieser Empfindung hat vor allem Uli Hoeneß einen enormen Anteil. Bei allem, was er tut, beispielsweise, wenn er bei Freundschaftsspielen Würstchen mit den Fans grillt, vermittelt er stets ein besonderes Gefühl von Zusammenhalt. 



Und wieviel »Mia san mia«  ist adidas?

Herbert Hainer: Sehr viel. Da zeigt sich unsere Nähezum FC Bayern München. Wir streben beide nach dem Besten. Die Bayern wollen die besten Spieler haben und immer Meister werden. Aber dieser Wille zum Erfolg zeigt sich auch daran, dass der Verein bestrebt ist, mit jedem Mitarbeiter fair umzugehen. 


Welcher Bayern-Spieler symbolisiert für Sie am stärksten »Mia san Mia«?

Herbert Hainer: In früheren Zeitenhat sicher Oliver Kahn dieses Selbstbewusstsein, dieses »Wir sind die Bayern«, widergespiegelt. Er war stets bereit , alles zu geben. Heute stehen ihm Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm in nichts nach.


Es klingt, als sei der FC Bayern Ihr Lieblingsklub?

Herbert Hainer: 
Natürlich habe ich zu dem Verein die engste Beziehung , ich bin ja nicht allzu weit von München aufgewachsen und war schon als Kind im Grünwalder Stadion bei den Spielen.

adidas sponsert inzwischen weltweit viele Spitzenklubs, u.a. Real Madrid, den FC Chelsea oder den AC Mailand. Welchen Stellenwert genießt in dieser Riege der FC Bayern?

Herbert Hainer: Selbstverständlich haben wir auch zu anderen internationalen Spitzenklubs und Bundesligavereinen eine enge Verbindung. Die Nähe zum FC Bayern hat auch mit der Historie zu tun. Uns verbindet eine mehr als 40-jährige Partnerschaft mit dem Klub. Franz Beckenbauer erzählt noch oft, wie er mit Adi Dassler bei Kaffee und Kuchen zusammengesessen hat.


Welche Rolle spielt es für Sie als Sponsor, dass die Bayern im Gegensatz zu den meisten anderen Spitzenklubs auch seriös wirtschaften.

Herbert Hainer: Wir hätten nie Anteile am FC Bayern gekauft, wenn er kein wirtschaftlich solide geführter Klub wäre. Der Verein beweist, dass man in der Fußballwelt auch erfolgreich sein kann, ohne sich extrem zu verschulden, sowie finanziell auf eigenen Beinen stehen und Gewinne erzielen kann. 


Es ist für adidas aber kein Ausschlusskriterium, Vereine wie etwa Real Madrid zu unterstützen, die enorme Schulden machen.

Herbert Hainer: Real Madrid hat Fans in der ganzen Welt, der AC Mailand auch. Ich bin sicher, dass bei diesen Klubs jeder bestätigen wird, dass unsere Zusammenarbeit optimal läuft. Aber wir würden in keinen anderen Verein investieren, so wie in den FC Bayern. 
adidas hat im Jahr 2001 für 75 Millionen Euro zehn Prozent am FC Bayern gekauft.

Wie hoch sind darüber hinaus Ihre jährlichen Investionen als Sponsor.

Herbert Hainer: Diese Zahlen sind nicht öffentlich. 


Würden Sie denn sagen, dass sich der enorme finanzielle Aufwand rentiert?

Herbert Hainer: So etwas lässt sich nicht genau ausrechnen. Natürlich wissenwir, wieviele Trikots wir mit dem FC Bayern verkaufen und wie hoch der Umsatz mit Produkten des Klubs ist. Wir wissen aber nicht,ob sich jemand eine neutrale blaue adidas-Turnhose kauft, weil wir Partnerdes FC Bayern sind. Fakt ist aber, dass wir durch die Verbindung zum FC Bayern und den anderen Klubs weltweit als Sportartikelhersteller im Fußball die Nummer Eins sind – und damit in der umkämpftesten Sportart überhaupt. Und wenn Sie sich die positive Entwicklung unseres Unternehmens seit 2001 ansehen, hat uns das Engagement bei den Bayern wohl nicht geschadet.  


Können Sie sagen, wieviele Trikots Sie im vergangenen Jahr vom FC Bayern verkauft haben?

Herbert Hainer: Nein, kann ich nicht, weil auch diese Zahlen nicht öffentlich sind. Aber Sie können mir glauben, dass wir sehr zufrieden sind
.

Wie gestaltet sich der Trikotverkauf im Verhältnis zu anderen Spitzenklubs?

Herbert Hainer:  Wir verkaufen noch mehr Trikots von Real Madrid und den englischen Klubs FC Liverpool oder FC Chelsea. In England hängt das stark mit der Fankultur zusammen, dort trägt praktisch jeder im Stadion das Jersey seiner Mannschaft. Hinzu kommt, dass die Premier League durch die TV-Vermarktung und der FC Liverpool auch durch seine Geschichte weltweit noch bekannter ist als die Münchner. Der FC Bayern arbeitet intensiv daran, international noch an Popularität zuzulegen.


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