Adebayo Akinfenwa: Der stärkste Fußballer der Welt

»Zeigen, was der Dicke so drauf hat«

1,80 Meter, 108 Kilogramm – in der neuen 11FREUNDE #140 porträtieren wir den Fußball-Koloss Adebayo Akinfenwa. Ein Gespräch über kreative Fans, Schubladendenken und schockierte Polizisten.

Heft: #
140

Adebayo Akinfenwa, Sie sind 1,80 Meter groß und wiegen stolze 108 Kilogramm. Wie oft müssen Sie den Leuten erklären, dass Sie wirklich Profifußballer sind?
Jedes Mal. Erst neulich wurde ich von der Polizei angehalten. Der nette Herr kam an mein Fenster, überprüfte meine Papiere und fragte, was ich denn beruflich mache. Ich sagte: »I'm a footballer.« Der Mann grinste und sagte: »Der letzte Super Bowl war klasse.«

Wie reagierten Sie?
Ich sagte: »Nein, ich bin Fußballer. Ich bin Profi bei Northampton Town. Wir spielen um den Aufstieg in die Dritte Liga.« Der Polizist sagte nur: »Fußball? Dafür sind Sie doch viel zu schwer«

»Too big to play« – diesen Slogan haben Sie sich sogar auf T-Shirts drucken lassen.
Weil ich ihn schon so oft gehört habe. Ich habe irgendwann aufgehört mitzuzählen.

Auch Fans machen Witze über Sie.
Wenn die Zuschauer ihre Späße über mich machen, muss ich auch lachen. Manche sind sogar sehr kreativ. So etwas spornt mich eben an, weil ich den Spaßvögeln dann zeigen will, was der Dicke so drauf hat.

Bei den eigenen Fans sind Sie hingegen Kult. Beim Relegationsspiel zur Dritten Liga kamen tausende Fans mit dem gleichen T-Shirt ins Wembleystadion.
Ja, Mann. Alle waren im »Beast Mode«.

Was ist der »Beast Mode«?
Im »Beast Mode« geht es darum, an sich zu glauben und die Grenzen zu überwinden, die andere einem setzen. Ich lebe das vor. Niemand hätte jemals geglaubt, dass ich Fußballprofi werde, und nun stehe ich schon seit über zehn Jahre unter Vertrag. Ich will den Leuten zeigen, dass alles möglich ist, wenn man an sich glaubt.

Und Sie haben bislang 110 Tore in 315 Spielen erzielt. Dabei sehen Sie aus wie ein Bodybuilder. Wie geht das?
Krafttraining ist mein Hobby. Ich hänge jede freie Minute mit meinen Jungs im Fitnessstudio rum. Diese Stunden sind für mich Endorphin-Sessions. Aber ich weiß auch: Wenn das Krafttraining mich als Fußballer schlechter machen würde, dann müsste ich damit aufhören. Aber dem ist nicht so.

Sie haben nie Probleme bekommen?
Als ich mit dem Krafttraining anfing, habe ich auch meine Ernährung umgestellt. Ich wurde fett, und es war mir egal. Da hatte ich für wenige Wochen vergessen, dass ich hauptberuflich Profifußballer bin.

In Ihrem bisher letzten Spiel für Northampton verpasste Sie knapp den Aufstieg in die Dritte Liga. Nun sind Sie mittlerweile 31 Jahre alt und derzeit ohne Verein. Wird es Zeit, die Karriere auf dem Fußballplatz zu beenden und sich ganz auf das Krafttraining zu konzentrieren?
Ich liebe Fußball. Über alles. Ich weiß, dass ich ein starker Mann bin, aber nur den Muskelprotz zu spielen, ist mir nicht genug. Ich will den benachteiligten Menschen zeigen, dass sie etwas erreichen können. Das fehlt diesem Land.

Der »Beast Mode« soll ganz England erfassen?
Mir würde es reichen, wenn ich einige Menschen in London erreiche. Wissen Sie, Menschen versuchen immer, einander in Schubladen zu stecken. Das ist doch krank. Jeder ist ein eigener Mensch, mit eigenen Gedanken, eigenen Stärken. Die sollte niemand unterdrücken. Und dabei will ich helfen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!