11.02.2011

Aachens Topstürmer Benjamin Auer im Interview

Benny Auer: »Fußball ist ein Scheißgeschäft«

Vor zehn Jahren galt Benjamin Auer als »Deutschlands größtes Sturmtalent«. Nach vielen Problemen hat er in Aachen seine sportliche Heimat gefunden. Ein Gespräch über ewige Talent, Hans Meyer und das »Scheißgeschäft Fußball«.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Benjamin Auer, die »Bild«-Zeitung hat sie 2001 als das »größte deutsche Sturmtalent« bezeichnet. Zu Recht?

Benjamin Auer: (lacht) Das ist schon so lange her. Ich hatte damals eine gute Zeit, gerade in den Jugendnationalmannschaften, wo ich regelmäßig getroffen habe. Leider konnte ich dass in Gladbach (wo Auer zwischen 2000 und 2002 spielte, d. Red.) nicht zeigen.



Sie waren 2001 bei der U20-WM unter den Top-Torjägern. Hat Sie dieser frühe Erfolg belastet?

Benjamin Auer: Nein. Ich habe mich richtig gut gefühlt. Aber dann habe ich mir im letzten Spiel der U20-WM das Kreuzband gerissen. Das war ein bitterer Moment.

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Sie galten als Riesentalent. Die Szene war in ständiger Erwartung einer Leistungsexplosion. Haben Sie sich da nicht auch selbst Druck gemacht?

Benjamin Auer: Eigentlich nie. Ich war immer recht entspannt.

Aber vor Ihrem Wechsel nach Mainz im Jahr 2003 haben Sie gesagt, dass Sie sich auch selbst Druck machen, um den Durchbruch zu schaffen.

Benjamin Auer: Ich habe damals in Gladbach kaum gespielt und als ich nach Mainz kam, hieß es: »Jetzt kommt das große Talent und spielt mit uns um den Aufstieg!« Da wollte ich die Erwartungen natürlich gerne erfüllen.

Sie hatten in Gladbach mit Anfang 20 den 32-Jährigen Arie van Lent vor sich. Ihr Trainer Hans Meyer hat trotzdem auf ihn gesetzt.

Benjamin Auer: Arie hat seine Leistung immer gebracht (van Lent traf zwischen 2002 und 2002  28-mal für Gladbach, d. Red.). Und wenn man dann einen Trainer hat, der nicht gerade für die Förderung junger Spieler bekannt ist, hat man es umso schwerer.

Sie hatten regelmäßig Ärger mit Hans Meyer. Hat das Ihre Entwicklung gehemmt?

Benjamin Auer: Es hat auf jeden Fall Selbstvertrauen gekostet. Das Problem war einfach, dass Hans Meyer es noch nie mochte, wenn junge Spieler in der Öffentlichkeit hochgejubelt werden. Und das war bei mir damals sogar sehr extrem der Fall.

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Haben Sie seine ständige Kritik als bösartig empfunden?

Benjamin Auer: Hans Meyer ist nun mal Hans Meyer. Damals ging mir das schon ein wenig auf die Nerven, aber im Nachhinein relativiert sich so etwas. Es war ein Prozess, bei dem ich viel über das Fußballgeschäft gelernt habe. Aber meiner Entwicklung als Fußballer hat es sicherlich nichts gebracht.

Was haben Sie daraus gelernt

Benjamin Auer: Im Fußball kann man heute hochgejubelt werden und morgen ist alles vorbei. Was das angeht, ist der Fußball ein Scheißgeschäft.


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