Aachens Pressesprecher im Interview

»Hier herrscht Leere«

Der schwere Unfall eines St.Pauli-Fans beim ersten Spiel im neuen Aachen Tivoli hat Entsetzen ausgelöst. Droht dem neuen Stadion jetzt ein Mythos der ganz anderen Art? Pressesprecher Thorsten Pracht gibt Antworten. Aachens Pressesprecher im Interview

Thorsten Pracht, am Montagabend hat Alemannia Aachen ausgerechnet beim Eröffnungsspiel des neuen Tivoli einen der schwärzesten Tage der Vereinsgeschichte erleben müssen. 0:5 gegen St. Pauli verloren und ein schwer verletzter Gästefan. Wie ist die Stimmung in Aachen?

Natürlich hängt das nach, wir sind alle sehr bestürzt. Seit Wochen haben wir sehr hart auf diesen Tag hin gearbeitet und jeder hatte etwas ganz anderes im Kopf, als das, was da am Montag passiert ist. Dementsprechend kann man sich die Stimmung bei der ganzen Alemannia vorstellen, die ist alles andere als gut. Hier herrscht Bestürzung und Fassungslosigkeit, dabei hatten wir vorgehabt uns über ein fantastisches neues Stadion zu freuen.

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Die Niederlage ist durch den Unfall zur Nichtigkeit geworden. Wie konnte das überhaupt passieren?

Das wird im Moment von Staatsanwaltschaft und Polizei untersucht. Was als gesichert gelten kann ist, dass der Zuschauer auf der Brüstung gestanden, gekniet oder gesessen hat. Dort hat er mit anderen Fans den Sieg seiner Mannschaft gefeiert und ist dann tragischerweise abgestürzt.

Sie sind nicht nur Pressesprecher sondern auch Co-Autor des Buches »100 Jahre Tivoli. 100 Jahre legendäre Heimat für Alemannia Aachen« Droht das neue Stadion jetzt Gefahr zu laufen einen ganz anderen Mythos aufzubauen?


Fest steht, dass man sich alles hätte vorstellen können für diesen ersten Spieltag – außer das, was tatsächlich passiert ist. Hier in Aachen herrscht momentan einfach eine große Leere. Dennoch: Dieses Stadion ist toll, dieses Stadion begeistert die Leute. Deshalb werden wir alle noch sehr viel Freude daran haben. Allerdings ist die momentan vorherrschende Stimmung natürlich eine andere. Das wird sich hoffentlich bald wieder ändern.

Was wird in den kommenden Wochen passieren?


Zu allererst hoffen wir, dass der Mann wieder gesund wird. Wir sind mit seiner Familie in Kontakt und lassen ihr alle Unterstützung zukommen. Auf der anderen Seite werden Gespräche mit dem DFB, mit der DFL und den zuständigen Behörden geführt, um zu klären, wie so eine Tragödie für die Zukunft verhindert werden kann.

Muss der neue Tivoli nochmals umgebaut werden?

Zunächst ist uns von allen Seiten bestätigt worden, dass es bauseitig keine Probleme gibt. Alle gesetzlichen Vorgaben wurden erfüllt, sonst hätten wir gar keine Betriebserlaubnis erhalten. Auch das Sicherheitskonzept wurde für gut und richtig befunden. Nichtsdestotrotz stehen wir jetzt vor einem Fall, der nicht hätte passieren dürfen. Deshalb stellt sich für uns die Frage: wie gehen wir damit am zweiten Heimspieltag – der ja schon in knapp zehn Tagen ist – um. Wir werden sicher etwas verändern.

Was heißt das konkret? Ein Sicherheitsnetz spannen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Einmal die Plexiglaswand komplett durch den Block ziehen, oder die Brüstung erhöhen. Das ist natürlich alles andere als Fanfreundlich. Wir haben uns eigentlich auf die Fahnen geschrieben, ein Zuschauerfreundliches Stadion zu bauen, mit möglichst wenig Zäunen, möglichst nah am Spielfeld. Jetzt den Gästebereich komplett einzäunen, würde dieser Idee nicht entsprechen. Aber das Wichtigste ist, dass sich ein solcher Unglücksfall nicht wiederholt.

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