96-Sportdirektor Schmadtke im Interview

»Licht am Ende des Tunnels«

Sensationell gewann Hannover gegen Schalke. Doch schon steht das nächste Hammerspiel an – gegen die Bayern. Wir sprachen mit Sportdirektor Jörg Schmadtke über die Chancen, die Relegation – und die Lehren aus der Enke-Tragödie.   96-Sportdirektor Schmadtke im Interview

Herr Schmadtke, Sie waren am Montag beim Spiel FC St. Pauli gegen den FC Augsburg. Wollten Sie schon mal den möglichen Gegner in der Relegation studieren?  

Ach, ich schaue mir von Haus aus gerne Fußballspiele an. Es gehört ja auch zu meinem Beruf.  

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Welchen Eindruck haben Sie von Augsburg gewonnen?  

In der ersten Halbzeit einen sehr positiven. Der FC Augsburg hätte in Führung gehen müssen. Nach dem Seitenwechsel hat dann St. Pauli seinen Heimvorteil ausgespielt.  

Ihre Mannschaft lieferte beim 4:2-Sieg gegen Schalke eine überzeugende Leistung ab. Es scheint so, als würden die Spieler selbst wieder an den Klassenerhalt glauben.  

Es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Vor dem Spiel hat uns ja niemand einen Sieg gegen Schalke, den Tabellenzweiten, zugetraut. Die Dramaturgie der Partie und die Art und Weise, wie die Mannschaft gewonnen hat, sind für uns wichtige Hinweise dafür, dass sie den Kampf um den Klassenerhalt annimmt. Wir sind 2:0 in Führung gegangen. Dann schaffte Schalke den Ausgleich. Das Spiel hätte kippen können. Aber die Jungs haben sich wieder berappelt. Das war sehr wichtig.  

Jetzt das Spiel gegen den FC Bayern, dann eine Woche später in Leverkusen. Wieder zwei richtig schwere Brocken...  

Beim Anpfiff haben wir beide Male einen Punkt in der Tasche. Und diesen einen Punkt werden wir versuchen zu verteidigen.  

Wie sieht die Vorbereitung auf das große Spiel gegen den FC Bayern aus?  

Für die Bayern ist es kein großes Spiel. Für die kommt das erst am Mittwoch gegen Lyon.  

Für Hannover 96 aber, so war die Frage gemeint.  

Es ist eine Riesenaufgabe. Doch wir machen uns nicht verrückt. Vielleicht kommt unser großes Spiel ja erst noch – möglicherweise am letzten Spieltag in Bochum. Oder gegen Augsburg.  

Sie rechnen schon fleißig, wie zumindest der Relegationsplatz zu erreichen ist?  

Natürlich macht man Hochrechnungen und überlegt sich, wie viele Punkte realistisch sind. Aber das ist ja alles Kaffeesatzleserei. Wer hätte gedacht, dass die Hertha gegen Wolfsburg gewinnt?  

Es ist eine sehr schwierige Saison für Hannover 96. Die härteste Probe für den Klub war und ist der Tod von Robert Enke. Wie sehr beschäftigen die Ereignisse vom vergangenen Herbst die Spieler?  

Sicher belastet es einen. Aber im Kreis der Mannschaft ist es kein permanentes Thema. Das lässt das Tagesgeschäft gar nicht zu. Es gibt jedoch immer wieder Momente, in denen man sich mit Roberts Tod befasst.  

Die Anteilnahme der Fußball-Fans war riesig. Alle Seiten betonten, dass der Mensch im Profifußball mehr Beachtung finden sollte. Fünf Monate später ist davon nichts mehr zu spüren. Spieler werden von Zuschauern übelst beschimpft und in Berlin sogar mit Stangen in die Kabine gejagt.  

Es war mir klar, dass es keine grundsätzlichen Veränderungen geben wird, sondern bald wieder der normale Alltag einkehrt. Von daher bin ich enttäuscht, aber nicht überrascht.  

Fan-Blockaden liegen im Trend.  

Das muss man differenziert sehen. Es ist okay, wenn die Fans nach einer enttäuschenden Leistung den Dialog mit der Mannschaft suchen und dafür die Stadionausfahrt blockieren. Aber nur in Ruhe und ohne Gewalt. So wie nach unserer 1:4-Heimniederlage gegen Köln.  

Hat sich wenigstens in Hannover etwas getan?  

In der ganzen Region ist schon ein Schulterschluss zu spüren. Vielleicht hat das auch mit Roberts Tod zu tun.  

Manchmal wird vergessen, dass Fußball letztendlich nur ein Spiel ist.

Leider ja. Aber der Fußball ist nun mal unwahrscheinlich präsent. Und er ist heute ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor.  

Louis van Gaal gab kürzlich die Parole »Gladiolen oder Tod« aus.  

Da müssen Sie Louis van Gaal fragen, was er damit ausdrücken wollte. Aber man muss aufpassen, was man sagt.

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