2011/12: Peter Niemeyer über das Relegationsspiel in Düsseldorf

»Die nehmen den ganzen Platz auseinander«

50 Jahre, 50 Spieler: 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Wir sprachen mit Peter Niemeyer über die Saison 2011/2012 und das Relegationsspiel in Düsseldorf.

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Peter Niemeyer, das Rückspiel der Relegation begann für die Hertha, wie es enden sollte: eher durchwachsen. Nach einer Minute erzielte Fortuna Düsseldorf das 1:0. Haben Sie da bereits gespürt, dass der Tag nicht der Ihrer werden sollte?
Natürlich war der Start für uns absolut unglücklich. Allerdings brauchten wir, nach der 1:2 Niederlage im Hinspiel, auch schon vor dem Spiel zwei Tore. Da hat das 1:0 für die Fortuna uns nicht allzu sehr zurückgeworfen.

In der 85. Minute erzielte die Hertha den Ausgleich, ein weiteres Tor hätte bedeutet, dass Sie die Klasse gehalten hätten. Ab wann hat man auf dem Platz gespürt, dass es auf den Rängen unruhiger wurde?
Das gesamte Spiel über war auf den Rängen eine Unruhe auszumachen. Auch unsere Fans haben durch das Werfen von Pyro einen Teil dazu beigetragen. Zum Ende hin, als uns nur noch ein Tor fehlte, hat man auf dem Platz gespürt, dass es deutlich enger wird. Plötzlich standen die Zuschauer teilweise direkt am Rand.

Nach einem Abstoß haben Teile der Zuschauer den Platz gestürmt und die Spieler sind in die Katakomben geflüchtet. Wie war die Stimmung in der Kabine?
Das war für uns alle eine ganz schwierige Situation, da wir überhaupt nicht wussten was als nächstes passieren würde. Wir standen zunächst sehr lange in der Mixed-Zone und haben unsere Informationen über das Geschehen auf dem Platz ausschließlich von den Mitarbeitern des Fernsehens bekommen.

Was wurde Ihnen gesagt?
Uns wurde der Eindruck vermittelt, dass da heute jedenfalls kein Fußballspiel mehr stattfinden könnte. Die Journalisten haben gesagt »die nehmen den ganzen Platz auseinander, selbst der Elfmeterpunkt ist weg«.

Wie ging es dann weiter?
Wir sind zurück in die Kabine. Es herrschte eine komische Stimmung. Auf der einen Seite hat man versucht die Spannung hochzuhalten. Das fehlende Tor war ja für uns absolut im Bereich des Möglichen, da noch einige Minuten zu spielen waren. Wir waren am Drücker, trotz Unterzahl. Auf der anderen Seite konnte man sich nicht vorstellen, wie es, nach den Schilderungen der Journalisten, wirklich weitergehen sollte. Das war eine Situation, die ich nicht mal meinem ärgsten Feind wünschen würde.

Wie hat Ihr damaliger Trainer Otto Rehagel reagiert?
Otto? (lacht) Es war natürlich auch für unser Trainerteam eine Ausnahmesituation. Generell ist Otto Rehagel ein Trainertyp, der einem das Gefühl vermittelt, dass am Ende doch alles gut werden wird. Aber an den genauen Wortlaut unseres Trainers kann ich mich, auch aufgrund der Fülle an Ereignissen in dieser Situation, nicht genau erinnern.

Mit welchem Gefühl haben Sie nach dem Spiel das Stadion verlassen?
Das ist schwer zu sagen. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht einschätzen, inwieweit ein Wiederholungsspiel möglich wäre. Aber grundsätzlich hatte ich das Gefühl, dass das entscheidende Rückspiel, was uns letztlich den Abstieg bescherte, irregulär beendet wurde. Dabei steht auf einem anderen Blatt ob wir in den letzten Minuten noch ein Tor geschossen hätten oder nicht. Losgelöst von dieser Diskussion, ist das Spiel um ein gerechtes Ende gebracht worden.

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