17.05.2013

2010/11: Dede über seinen Abschied vom BVB

»Meine Familie saß vor dem Fernseher und hat geweint«

50 Jahre, 50 Spieler: 11FREUNDE lässt in der aktuellen Ausgabe die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Mit Dedé sprachen wir über die Saison 2010/2011 und seinen Abschied aus Dortmund.

Interview: Felix Landwehr Bild: Imago

Dedé, wie gefällt es Ihnen in der Türkei?
Mir gefällt es sehr gut. Die Leute sind krank nach Fußball, vergleichbar mit der Leidenschaft aus Brasilien. Es fehlt auch hier teilweise das Geld, um regelmäßig ins Stadion zu gehen. Aber wenn dann erstmal 30.000 Leute im Stadion stehen, entsteht eine unfassbare Atmosphäre. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich mich hier so schnell zurecht finden würde.

Womit haben Sie denn gerechnet?
Ich habe 13 Jahre für Borussia Dortmund gespielt, da verliert man das Gefühl, noch einmal sein Herz an einen anderen Verein verlieren zu können. Ich habe nicht geglaubt, dass das möglich ist. Doch mittlerweile fühle ich mich hier wohl, auch weil ich zu Beginn mit meinem ersten Trainer Michael Skibbe eine vertraute Person in meinem Umfeld hatte.

>> 50 Jahre, 50 Interview: Die große Bundesliga-Zeitreise

Dieser war letztlich entscheidend für Ihren Wechsel in die Türkei. War Herr Skibbe der prägendste Trainer während ihrer Zeit beim BVB?
Das kann man schon so sagen. Er war der erste Trainer, unter dem ich in Deutschland trainierte. Er war damals noch sehr jung, gerade 33 Jahre alt, und eine ganz wichtige Person für mich. Doch der Trainer, unter dem ich am meisten gelernt habe, war Matthias Sammer.

Und welcher Spieler hat ihnen zu Beginn ihrer Karriere am meisten geholfen?
Jürgen Kohler. Er hat mir gezeigt, wie man in der Bundesliga verteidigt. Ich war als Brasilianer zu Beginn noch etwas leichtsinnig. Im Grunde bin ich als Baby nach Deutschland gekommen und stand plötzlich neben Größen wie Jürgen Kohler, Julio Cesar oder Stefan Reuter in der Verteidigung. Diese Männer haben die Champions League gewonnen. Das muss man erstmal verdauen.

Ihr Abschied aus Dortmund war besonders emotional. Sind die Tränen nach knapp zwei Jahren getrocknet?
Mittlerweile fühlt es sich gut an, auf diese Zeit zurückzublicken. Ich bin unendlich stolz auf meine Jahre bei der Borussia und kann gar nicht beschreiben, wie schön sie war. Viele Journalisten haben mir nach meinem Wechsel gesagt, dass mein Abschied aus der Bundesliga einmalig gewesen sei. Es haben schon andere Spieler die Bundesliga verlassen. Größere und bessere Spieler als ich es gewesen bin, doch einen derart emotionalen Abschied hatte noch niemand erlebt. Selbst meine Familie in Brasilien saß vor dem Fernseher und hat geweint.

Wie sieht Ihr Kontakt nach Dortmund heute aus?
Ich habe noch immer mein Haus in Dortmund, meine Freundin und natürlich meinen Hund. Einmal im Monat bin ich dort, und es ist jedes mal ein Ereignis. Selbst am Flughafen werde ich von den Polizisten darauf angesprochen, dass ich doch eigentlich nach Dortmund gehören würde. Diese Momente zeigen mir, dass ich in meiner Karriere alles richtig gemacht habe.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden